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Abwärtssog für Modeaktien an den Börsen

Hamsterkäufe und Panikverkäufe

Die Turbulenzen am Ölmarkt und die zunehmende Panik aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus haben die Börsenkurse zum Wochenauftakt weltweit abstürzen lassen. Der Leitindex Dax brach am Montag mit einem Minus von 7,9% so stark ein wie seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr. An der Wall Street in New York wurde der Aktienhandel für 15 Minuten ausgesetzt: Der Index S&P 500, der die wichtigsten 500 Unternehmen der USA umfasst, war um 7% gefallen.

Der Abwärtssog machte auch vor Modeaktien nicht halt. Alle Kurse der im MAI – dem Modeaktienindex der TextilWirtschaft – gelisteten Unternehmen gaben auf Wochensicht stark nach. Einzig Abercrombie&Fitch legte zu.

Es kamen zwei Krisenfaktoren zusammen. Zum einen ängstigte die Ausbreitung des Coronavirus die Anleger. Dazu kam der Streit zwischen den großen Ölproduzenten Saudi-Arabien und Russland: Riad will die Fördermenge reduzieren, um den Preis zu stabilisieren, Moskau lehnt das aber ab. Der Ölpreis stürzte zeitweilig um 30% ab. Das ist der größte Einbruch seit dem Golfkrieg 1991.

Wenn der Ölpreis einbricht, freut das viele Unternehmen normalerweise, weil die Energiekosten sinken. Die Reaktion darauf an den Börsen ist rational also gar nicht zu erklären. Es herrschte vielmehr ein Abwärtsstrudel, der alles mit sich nach unten riss.

Diese Panikverkäufe spiegeln – ähnlich wie die Hamsterkäufe etlicher Konsumenten, die Mehl, Nudeln und Klopapier in Massen horten – die Angst der Investoren wider, dass die Weltwirtschaft infolge der Corona-Epidemie in eine Rezession abgleiten könnte. Die Erinnerung an 2008 ist noch präsent: Ähnlich stark bergab ging es auch während der Finanzkrise, nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. Darauf folgte eine tiefe, weltweite Rezession.



Seitdem ist die weltweite Verschuldung sogar noch stark gestiegen. Auch die Unternehmensschulden, gepusht von den niedrigen Zinsen, sind meist weitaus schneller als die Gewinne und Cashflows in die Höhe geschnellt.

Die Investment-Beratungsfirma Sentix meldete gerade einen bislang beispiellosen Einbruch ihres Barometers innerhalb eines Monats in allen Weltregionen. Der globale Konjunktur-Gesamtindex fiel im März von plus 8,1 Zählern auf minus 12 Punkte zurück. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass Deutschland in diesem Jahr infolge der Coronakrise in eine Rezession abgleitet.

Die Bundesregierung hat bereits Hilfe für Firmen beschlossen. Zumindest diese Reaktion ist nicht übertrieben, sondern vernünftig.

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