Aktuelle Coronalage: Alarmstufe in Baden-Würtemberg

"Meine Mitarbeiter sind keine Türsteher, sondern wunderbare Kundenberater"

Schwesterherzen
Modehändlerin Sonja Kaiser: " Für die Kunden ist das Vorzeigen des 3G-Nachweises ja längst kein Neuland mehr, sondern Routine."
Modehändlerin Sonja Kaiser: " Für die Kunden ist das Vorzeigen des 3G-Nachweises ja längst kein Neuland mehr, sondern Routine."

Sonja Kaiser führt gemeinsam mit ihren Schwestern Gaby Flatinger und Linda Vogt das DOB-Modehandelsunternehmen Schwesterherzen mit fünf Filialen in Baden-Württemberg. Seit diesem Mittwoch ist dort aufgrund der hohen Hospitalisierungsquote die sogenannte Alarmstufe in Kraft getreten, die auch Einschränkungen für den Einzelhandel mit sich bringt.


TextilWirtschaft: Wie ist der erste Tag mit 3G auf der Fläche gelaufen?

Sonja Kaiser: Seit Mittwoch ist hier in Baden-Württemberg die Alarmstufe in Kraft. Das bedeutet für uns, dass wir die Kunden fragen müssen, ob sie geimpft, getestet oder genesen sind. Das machen wir direkt am Eingang im Rahmen unserer Begrüßung. Für die Kunden ist das Vorzeigen des 3G-Nachweises ja längst kein Neuland mehr, sondern Routine. Von daher nutzen wir die Gelegenheit, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und unsere neue Aktion oder neue Ware vorzustellen. Allerdings machen uns die unterschiedlichen Regeln, die gelten, zu schaffen.

Inwiefern?
In den früheren Wellen waren − solange wir öffnen konnten − die Regeln gleich. Also etwa bei der Testpflicht. Jetzt gilt hier in Baden-Württemberg 2G in der Gastronomie und Kultur, 3G aber bei uns. Die Verunsicherung, wo jetzt was gilt, ist groß. Auch etwas in Bezug auf die notwendigen Tests. Bei uns rufen Kundinnen an und fragen, ob sie einen PCR-Test brauchen. Deswegen weisen wir jetzt auf unserer Homepage oder auch per Video auf Instagram noch mal darauf hin, dass auch ein normaler Schnelltest genügt und das 3G bei uns gilt.






Welchen Aufwand bedeuten die Kontrollen für Ihr Unternehmen?
3G ist vom Aufwand her eigentlich überschaubar, die Klärung der Unsicherheit der Kunden braucht mehr Aufmerksamkeit. Es ist vor allem eher unkritisch, weil wir Mitarbeiter auf der Fläche haben, die da sind und sowieso jede Kundin, die den Laden betritt, begrüßen. Meine Mitarbeiter sind keine Türsteher, sondern wunderbare Kundenberater. Aber natürlich haben wir das notwendige Vorgehen vorgegeben. Die letzte Impfung muss mehr als zwei Wochen her sein, der Antigentest darf nicht älter als 24 Stunden sein, usw. Diesen Rahmen fest zu definieren, finde ich sehr wichtig, damit die Mitarbeiter sich darin sicher bewegen können und auch wissen, wenn jemand keinen Nachweis hat, dann muss ich ihn auch bitten, den Laden zu verlassen. Bisher ist das aber noch nicht vorgekommen. Viele machen sich vorher schlau und eigentlich ist es dadurch, dass ja vermehrt nachgefragt wird, das zunehmend Routine. Nach wie vor nutzen wir die Luca-App.

Wie haben die Kunden auf die Verschärfung reagiert?
Gestern war ja erst der erste Tag. Da war es schon etwas verhaltener, aber das kann verschiedene Ursachen haben. Vergangene Woche hatten wir etwa eine gigantisch gute Aktionswoche. Das hat richtig Spaß gemacht. Deswegen können wir eigentlich auch nicht sagen, dass die steigenden Inzidenzen insgesamt dazu geführt haben, dass die Kunden vorsichtiger und verhaltener geworden sind. Jetzt wird das Thema aber insgesamt wieder präsenter. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf Sicht zu fahren. Für uns besonders wichtig ist, dass wir weiterhin unsere Kleiderzimmer-Termine anbieten können. Wir sind komplett ausgebucht.

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Welche Regeln gelten da?
Die gleichen wie im Laden. Dabei gilt etwa im Privaten, dass sich ein Haushalt nur noch mit einer weiteren Person treffen darf - ausgenommen Genesene und Geimpfte. Überall gelten andere Regeln. Zum Beispiel gibt es bei religiösen Veranstaltungen keine Vorgaben außer Masketragen. Für Seilbahnfahrten oder die Teilnahme an VHS-Kursen gilt dann 2G. Usw.

Heute hat der Bundestag auch 3G für Mitarbeiter beschlossen. Wie gehen Sie damit um?
Wir sind ein Familienbetrieb, wir kennen den Impfstatus von unseren Mitarbeitern. Nicht weil wir gefragt haben, sondern weil es uns erzählt wurde. Es ist gut einen Überblick zu haben, nicht zuletzt wegen dem Thema der Quarantäneregeln. Wir stellen all unseren Mitarbeitern zweimal in der Woche Tests zur Verfügung. Ich bin Unternehmerin und verkaufe Damenmode und möchte nicht die Gesundheitspolizei im Unternehmen spielen. Ich kann Regeln machen ohne Ende, aber was passiert, wenn der Mitarbeiter sagt, ich teste mich nicht? Was bringt mir eine Regelung, wenn ich keine daraus folgende Konsequenz  habe. Wenn der Mitarbeiter sagt, ich lasse mich nicht testen. Was soll ich dann machen? Ihn kündigen?

Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen bei der Mitarbeiterführung um?
Das Wichtigste ist, dass die Mitarbeiter die Sicherheit haben, wie sie sich verhalten sollen. Wenn ich schwammig in meinen Ansagen bin, führt das zu Unklarheiten und das fördert Unsicherheiten. Das ist gerade eine der wichtigsten Führungsaufgaben, wir haben die jetzt geltenden Regeln und wie wir die in unseren Läden umsetzen, per Video über unsere Jola-App kommuniziert.





Zurück zum Kernthema des Modehandels. Wie läuft es in diesem Herbst umsatzseitig bei Ihnen?
Der Herbst war für uns gut, unsere Aktionen sind sehr gut angekommen, die Frequenzen waren auch da. Sehr gut läuft weiter unser Kleiderzimmer. Wir haben leider zu wenig Mitarbeiter, um die hohe Nachfrage nach Kleiderzimmer-Terminen zu bedienen. Mittlerweile werden auch nachmittags Termine gebucht. Der Durchschnittsbon liegt dort bei 300 Euro.

Wie sieht es beim Thema Ware aus?
Vom Warenlager her sind wir sehr sauber. Wie alle haben wir Rückstände bei Lieferungen. Und in manchen Bereichen bräuchten wir Ware, aber wir halten uns beim Nachziehen zurück. Auch weil wir schon davon ausgehen, dass wieder irgendeine Form von Lockdown kommt.

Die 3G- und 2G-Regelungen in den einzelnen Bundesländern

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