Aktuelle Coronalage: Geplanter Lockdown in Sachsen

"Das ist eine absolute Katastrophe und unglaubliche Unverschämtheit"

Rühle
Die Firma Indigo Fashion von Ronny Rühle besteht seit 1991. Es gibt zwei Young Fashion-Stores namens Indigo in Großenhain und Meißen sowie zwei etwas klassischere Rühle-Läden in Großenhain und Riesa mit einem Mix aus Fashion, Food und Interieur.
Die Firma Indigo Fashion von Ronny Rühle besteht seit 1991. Es gibt zwei Young Fashion-Stores namens Indigo in Großenhain und Meißen sowie zwei etwas klassischere Rühle-Läden in Großenhain und Riesa mit einem Mix aus Fashion, Food und Interieur.

Sachsen plant als erstes Bundesland ab Montag einen erneuten flächenweiten Lockdown. Der sächsische Einzelhändler Ronny Rühle, der schon im Frühjahr beim Oberverwaltungsgericht Bautzen gegen die Regelungen der sächsischen Corona-Schutzverordnung geklagt hat, ist fassungslos. Für seine vier Multilabel-Stores und die zehn Mitarbeiter sei das eine Katastrophe.

TextilWirtschaft: Ab Montag sollen Sie wieder schließen. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Ronny Rühle: Das ist nicht nur eine absolute Katastrophe, sondern auch eine unglaubliche Unverschämtheit. Wir fühlen uns belogen und betrogen. Alle Aussagen und Versprechen unserer regierenden Politiker waren falsch. Wir waren gerade wieder auf Kurs, hatten uns berappelt, es lief. Und jetzt das. Ich bin einfach nur fassungslos.

Die Inzidenzen in Sachsen explodieren. War das nicht zu erwarten?
Ich hatte erwartet, dass Ministerpräsident Kretschmer und seine Vasallen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und endlich begreifen, dass es im Nonfood-Handel kaum Ansteckungsrisiken gibt. Wir halten uns strikt an das Hygienekonzept, keiner meiner Mitarbeiter hatte seit Beginn der Pandemie Corona.

Wie ist denn generell die Stimmung unter Ihren Mitarbeitern?
Es war sehr schwierig, meine Leute nach einem halben Jahr Kurzarbeit wieder auf Spur zu bringen. Aber gerade hatten sich alle wieder eingearbeitet und hatten wieder richtig Schwung aufgenommen. Die Stimmung war gut, wir hatten wieder Hoffnung.

Wie waren die Frequenzen?
Auch die waren wieder richtig gut. Die Kunden kamen und hatten Lust zu shoppen, aber sie waren natürlich vorsichtig. Die Angst wuchs mit der Panikmache. Trotzdem konnten wir ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Das ging erst zurück als Anfang November in der Gastronomie die 2G-Regel eingeführt wurde. Da gab es bei uns auch erstmals einen spürbaren Einbruch.

Kann Ihr Unternehmen überhaupt einen erneuten Lockdown wirtschaftlich verkraften?
Das weiß ich noch nicht. Das Weihnachtsgeschäft trägt immerhin 12% zum Jahreserlös bei. Es kommt ganz darauf an, wie lange das jetzt wieder geht. Herr Kretschmar hat ja einen "kurzen harten Lockdown" angekündigt. Also rechnen wir mal bis Mai.

Und was machen Sie jetzt?
Keine Ahnung. Ich bin im Moment völlig ratlos, fassungslos und nur noch frustriert. Es ist alles so sinnlos.

Aber Sie machen weiter?
Ich muss ja, habe auch eine Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber. Außerdem bin ich stationärer Händler mit Leib und Seele und habe unternehmerischen Ehrgeiz. Ich kann nicht einfach aufgeben.

Sie haben seit Beginn der Pandemie massiv in die Digitalisierung investiert, Ihren Online-Shop ausgebaut, eine neue Kunden-App gestartet. Hilft das ein bisschen?
Das läuft, aber das kann die Verluste im Stationärgeschäft nicht ansatzweise auffangen. Im Online-Shop bestellen ja auch nicht unsere Stammkunden von nebenan, sondern Leute aus ganz Deutschland, die wir sonst nicht erreichen. Unser Geschäft lebt doch von der direkten Bindung und Beziehung zu den Kunden, von der Beratung, dem Erlebnis, den Events. Alles, was jetzt wieder gestrichen ist. Das kennen wir ja schon.  

Kamen eigentlich nach den vergangenen Lockdowns mal Hilfsgelder bei Ihnen an?
Ja, Monate später kamen die Überbrückungshilfen und die haben auch tatsächlich was gebracht. Wie gesagt, es lief wirtschaftlich wieder sehr gut. Der Staat könnte viel Geld sparen durch eine überlegtere Corona-Politik. Aber die Herren da oben sind ja völlig beratungsresistent.

Sie hatten hatten im März beim Oberverwaltungsgericht Bautzen gegen die Regelungen der Sächsischen Corona-Schutzverordnung geklagt. Was ist daraus geworden?
Alles abgewiesen. Ich habe zweimal geklagt und zweimal verloren. Das ist auch eine Erfahrung. Meinen Glauben an den Rechtsstaat habe ich inzwischen ohnehin verloren. Da ist so viel Schikane und vor allem eine bodenlose wirtschaftspolitische Dummheit, die wir jetzt wieder ausbaden müssen.
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