Appelle von Fair Wear und Greenpeace

Leitfaden für verantwortungsvolles Handeln in der weltweiten Lieferkette

Trotz der großen Probleme vor Ort, weisen NGO immer wieder auch auf die verheerenden Auswirkungen der Pandemie in den Produktionsländern hin. Tausende Fabriken in den Herstellungsländern haben geschlossen. Millionen von Fabrikarbeitern wurden nach Hause geschickt. Die meisten von ihnen haben kein Einkommen, um ihre Familien in der Krise zu ernähren und vor Infektionen zu schützen.

Die Fair Wear Foundation hat ein Dossier mit Handlungsempfehlungen auf ihrer Website veröffentlicht, als Wegweiser für Bekleidungsmarken in der Corona-Krise. Greenpeace sieht durch die Förderprogramme auch eine Möglichkeit, die Unternehmen nachhaltig, klima- und umweltfreundlich und damit langfristig krisensicher aufzustellen und präsentiert einen "Grünen Marshallplan für Deutschland".

Menschenrechte in der Bekleidungsindustrie gefährdet

Die unabhängige Fair Wear Foundation, die sich für faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilindustrie einsetzt, sieht in der aktuellen Corona-Pandemie auch die Menschenrechte in der Bekleidungsindustrie in Gefahr. "Das Leben von Millionen Arbeitern in den Textilfabriken in aller Welt steht auf dem Spiel", sagt Fair Wear-Direktor Alexander Kohnstamm. Es sei deshalb notwendig, dass alle Akteure der Bekleidungsindustrie während dieser Krise zeigen, wie verantwortungsvolles Unternehmentum aussieht. Dazu hat die Fair Wear Foundation ein Dossier mit Handlungsempfehlungen für Textilhersteller auf ihrer Website unter fairwear.org veröffentlicht, als Wegweiser für Bekleidungsmarken in der Corona-Krise.

Möglichst keine Aufträge stornieren

Fair Wear appelliert in dem Dossier an die Branche, nahezu versandfertige Bestellungen in den Produktionsländern nicht zu stornieren und sowohl bei etwaigen Änderungen  und Verzögerungen bei der Herstellung als auch bei Anlieferungsterminen flexibel zu sein. "Während dieser Menschenrechtskrise ist es wichtiger denn je, dass Fair Wear ihre Mitgliedsmarken dabei unterstützt, ihre Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten in Textilfabriken einzuhalten", so Kohnstamm. Er sei sich natürlich bewusst, dass Modemarken und Händler ebenso vor schwierigen Zeiten stehen. Außerdem sei klar, dass das Ausmaß und die Tragweite dieses Ausbruchs über die Macht einzelner Akteure hinausgehe. Deswegen müssten die Regierungen in den Produktionsländern die soziale Sicherheit der Beschäftigten gewährleisten. "Entscheidend ist, dass die wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen der europäischen Regierungen auch die Millionen von Menschen berücksichtigen, die weltweit unsere Kleidung herstellen".

Große Abhängigkeit von Modemarken

Diese Krise verdeutliche zudem, wie verletzlich die Arbeiter in der globalen Wertschöpfungskette sind. In Zeiten von Corona zeige sich, "wie sehr wir voneinander abhängig sind: Denn wenn das Geschäft wieder anzieht, könnten viele der Fabriken, auf die die Marken angewiesen sind, ihre Produktion aufgegeben haben", sagt Kohnstamm. Es sei menschlich als auch geschäftlich notwendig, faire Preise und existenzsichernde Löhne in der weltweiten Textilindustrie als selbstverständlich zu etablieren. "Unsere Mitgliedsmarken tun bereits sehr viel. Wir von Fair Wear unterstützen sie bei ihren Bemühungen für den Schutz der Arbeiter. Die Corona-Krise ist auch eine Krise der Menschenrechte. Sie führt uns schonungslos vor Augen, dass die Textilindustrie verändert werden muss", fasst Kohnstamm zusammen.

Greenpeace fordert grünen Neustart

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht in der derzeitigen Krise auch eine Chance, mit den Förderprogrammen gleichzeitig Wirtschaft und Klimaschutz voranzubringen. "Wir haben jetzt die Möglichkeit unsere Wirtschaft nachhaltig, klima- und umweltfreundlich und damit langfristig krisensicher aufzustellen", erklärt der Greenpeace-Kampaigner Tobias Austrup. Einen Leitfaden dafür hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag der NGO in der Kurzstudie "Grüner Marshallplan für Deutschland" aufgestellt. In dem 13seitigen Dossier wird beschrieben, wie notwendige Wirtschaftshilfen die Corona-Krise abfedern und gleichzeitig die ökologische Transformation beschleunigen können. "Denn die Klimakrise verschwindet durch die Corona-Pandemie nicht. Sie darf nicht aus unserem Blick geraten. Mit einem grünen Konjunkturprogramm können nachhaltige Arbeitsplätze und klimaverträgliche Branchen gefördert werden und damit zukünftige Krisen mindestens abgeschwächt oder sogar ganz verhindert werden", resümiert Austrup.
Mehr zum Thema
 Mostafiz Uddin
Interview mit Denim Expert Limited-Geschäftsführer Mostafiz Uddin

"Für ganz Bangladesch verheerend"

Die Coronakrise stellt hiesige Unternehmen vor riesige Herausforderungen und zwingt sie zu Sparmaßnahmen. Das trifft in Form von Stornierungen auch die Lieferanten weltweit. Was die Entwicklung für sein Unternehmen und Bangladesch insgesamt bedeutet, erläutert Mostafiz Uddin, Geschäftsführer des Jeans-Produzenten Denim Expert Limited und Gründer der Fachmesse Bangladesh Denim Expo.
stats