Modesektor im Blick

Greenwashing? Britische Behörden ermitteln gegen Asos und Boohoo

Imago / Newscast
Asos ist auf dem Radar der britischen Wettbewerbshüter gelandet. Weitere Modefirmen könnten folgen.
Asos ist auf dem Radar der britischen Wettbewerbshüter gelandet. Weitere Modefirmen könnten folgen.

Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat Ermittlungen gegen die Händler Asos, Boohoo und Asda eingeleitet. Im Mittelpunkt steht mögliches Greenwashing. Weitere Fashion-Firmen könnten ebenfalls ins Visier des Amts geraten.

Sind Nachhaltigkeits-Versprechen von Fast Fashion-Konzepten irreführend und täuschen Konsumenten? Dieser Frage gehen die britischen Wettbewerbs- und Marktbeobachter der Competitions and Markets Authority (CMA) nach. Konkret haben sie sich Asos, Boohoo und das Mode-Konzept George des Händlers Asda vorgenommen. Chefwächterin Sarah Cardell sagt: "Sollten wir herausfinden, dass diese Unternehmen irreführende Nachhaltigkeits-Claims nutzen, werden wir nicht zögern, rechtliche Schritte einzuleiten."


Die Ermittlungen sind Teil einer bereits im November 2020 angekündigten Marktuntersuchung. Im Januar dieses Jahres habe die CMA begonnen, die Modebranche in den Blick zu nehmen, meldet die Behörde. Schnell seien Zweifel an der Stichhaltigkeit von Behauptungen aufgekommen, Produkte seien "nachhaltiger" oder "umweltfreundlicher", auch mit Blick auf die Verwendung recycelter Materialien zeigt sich die CMA skeptisch.

Die verwendeten Statements und die Sprache seien zu vage und unkonkret gehalten, bemängelt die Behörde. Begriffe wie "Responsible edit", "Ready for Future" oder "George for Good" könnten den Eindruck erwecken, dass die so gelabelten Kollektionen umweltfreundlicher seien, als sie tatsächlich sind.

Die Kriterien, die Firmen an Produkte anlegen, um sie als "nachhaltig" oder "umweltfreundlich" zu bezeichnen, seien möglicherweise niedriger, als von den Konsumenten aufgrund der Beschreibungen erwartet. So bestünden einige Produkte gerade einmal zu 20% aus recycelten Stoffen. Mitunter seien sogar Styles in diese Kollektionen aufgenommen worden, ohne überhaupt besondere Kriterien zu erfüllen, wirft die CMA den Unternehmen vor.

Warnung: "Das ist erst der Anfang"

Generell mangele es erheblich an klaren Informationen über die sogenannten Eco-Kollektionen, insbesondere bezüglich der Zusammensetzung der verwendeten Stoffe. Cardell: "Menschen, die 'grün kaufen' möchten, sollten dies tun können, ohne in die Irre geführt zu werden. Umweltfreundliche und nachhaltige Produkte können bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Rolle spielen, aber nur, wenn sie es auch tatsächlich sind."

Die Wettbewerbshüter haben die drei Firmen mit den Vorwürfen konfrontiert, heißt es. Sowohl Asos als auch Boohoo haben bereits den Eingang der Vorwürfe bestätigt und reagiert. Beide Unternehmen beteuern, mit dem Amt zu kooperieren. Man sei willens, seinen Teil dazu beizutragen, die Modebranche nachhaltiger zu gestalten, was auch beinhalte, klare und akkurate Informationen über die eigenen Produkte zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wolle man die Vorgänge jedoch nicht kommentieren, heißt es aus beiden Unternehmen. Ähnlich äußerte sich britischen Medienberichten zufolge der Asda-Konzern zu den Vorwürfen gegen das Konzept George.

Die CMA beziffert die jährlichen Modeumsätze Großbritanniens auf 54 Mrd. Britische Pfund (rund 64 Mrd. Euro). Behördenchefin Cardell warnt: "Dies ist erst der Anfang unserer Arbeit in diesem Sektor, und alle Modeunternehmen sollten zur Kenntnis nehmen: Sehen Sie sich Ihre eigenen Praktiken an und stellen Sie sicher, dass sie im Einklang mit dem Gesetz stehen."

TW Podcast: Wie wird man eigentlich grün, Antje von Dewitz?

stats