Rückzug aus Asien

Esprit-Umsatz bricht im dritten Quartal ein

Esprit
Es ist noch kein halbes Jahr her, da hat Esprit in China ein neues Store-Konzept präsentiert: Nun wird das Geschäft dort massiv gestutzt.
Es ist noch kein halbes Jahr her, da hat Esprit in China ein neues Store-Konzept präsentiert: Nun wird das Geschäft dort massiv gestutzt.

Esprit verschlankt sich deutlich. Den ersten Schritt des neuen Schrumpfkurses geht das Unternehmen in Asien und schließt dort alle 56 Läden außerhalb Chinas.

Das teilte Esprit zusammen mit den voläufigen Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2019/2020 mit, das am 31. März 2020 endete. Demnach ist der Umsatz des Mainstream-Anbieters von Januar bis März um ein Viertel auf 2,37 Mrd. Hongkong Dollar − umgerechnet 280 Mio. Euro − abgesackt. In Asien, wo das Unternehmen aus Ratingen und Hongkong nur 6% seiner Erlöse generiert, brach der Umsatz um mehr als die Hälfe ein.

Dort zieht CEO Anders Kristiansen nun die Reißleine. Neben den 56 Stores außerhalb des chinesischen Festlandes in Malaysia, Singapur, Taiwan, Hongkong und Macao fährt Esprit auch in China selbt die Anzahl der Läden zurück. Diese sei eine der Restrukturierungsmaßnahmen, um mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie klarzukommen, heißt es in dem Statement. Per Ende März kommt Esprit in Asien nur noch auf 112 eigene Läden. 85 wurden bereits in den 12 Monaten zuvor geschlossen. Nach der neuen Schließungswelle betreit Esprit dort noch 56 Stores. Der Wholesale spielt in Asien − anders als in Deutschland − nur eine kleine Rolle.

Devise: Weniger Läden

In Deutschland hatte Esprit jüngst für sechs Ländergesellschaften die Eigensanierung mithilfe des Schutzschirmverfahrens angekündigt. Kristiansen will so von den damit einhergehenden Erleichterungen − zum Beispiel der Kündigung von Mietverträgen − Gebrauch machen und Esprit deutlich schrumpfen. Schon in den vergangenen zwei Jahren hat Kristiansen sich von unprofitablen Läden getrennt und die Zentrale verkleinert. Nun kann er mithilfe des Schutzschirmverfahrens auch Stores mit langlaufenden Mietverträgen loswerden und sich von weiteren Mitarbeitern trennen. In Deutschland betreibt die Modemarke per 31. März 2020 noch 107 eigene Läden − 23 weniger als ein Jahr zuvor. Im Wholesale kommt Esprit auf knapp 3000 kontrollierte Flächen. Das sind 321 weniger als Ende März 2019. Den Restrukturierungsplan will das Management bis Ende Juni 2020 vorlegen.



Auch über die deutschen Landesgrenzen hinweg verhandele Esprit nun mit Vermietern, um Mietminderungen zu erreichen. Das Unternehmen will darüber hinaus Läden mit einer zu hohem Miete schließen. "Wo es möglich ist, wird das Unternehmen staatliche Hilfsmaßnahmen nutzen."

Management verzichtet auf Gehalt

Der Gehaltsverzicht des Managements helfe ebenfalls, die Performance von Esprit zu verbessern. CEO Kristiansen sowie der Chairman verzichten während der Restrukturierung komplett auf ihr Gehalt. Aber auch das Management nehme Einbußen in Kauf: Das Executive Management bekommt in der Sanierungsphase 35% weniger, Senior Vice Presidents und Vice Presidents 25% weniger. Die non-executive Directors erhalten 20% weniger Salär.

Was die Zukunft bringt, sei weiterhin ungewiss, lautet der Ausblick. Auch wenn Esprit in Deutschland, Schweden und den Niederlanden einige Store wieder öffnen durfte, "ist die Gruppe nicht imstande vorauzusehen, wann das Geschäft wieder zur Normalität zurückkehren wird und kann den tatsächlichen Effekt der Pandemie auf das Jahresergebnis nicht beziffern."
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