Auswirkungen des Virus

Corona trifft die Modebranche hart

Imago Images/Zuma Press
Das öffentliche Leben in China ist stark eingeschränkt, die Produktion in vielen Fabriken steht still.
Das öffentliche Leben in China ist stark eingeschränkt, die Produktion in vielen Fabriken steht still.

Stillgelegte Fabriken, geschlossene Läden – die Corona-Epidemie legt China lahm. Das hat auch Auswirkungen auf die Modebranche. Der Stillstand in China hat Auswirkungen auf die gesamte textile Kette und das eigene Business der Modeanbieter im Reich der Mitte. Wie groß die Einbußen sein werden, ist noch nicht abzusehen. Aber die Sorge wächst.

China ist für Deutschland das größte Lieferland. Im ersten Halbjahr kam nach Angaben des Modeverbands GermanFashion von dort Mode im Wert von rund 3 Mrd. Euro. Wie lange die Maschinen im Reich der Mitte stillstehen, ist ungewiss. Offiziell wurden die Neujahrsferien bis Ende dieser Woche verlängert. Da das Reisen in China stark eingeschränkt ist, weiß aber niemand ob und wann die Wanderarbeiter in die Fabriken zurückkommen. Dem Faserhersteller Lenzing droht bereits die Einstellung der Fertigung im Werk in Nanjing.


Im Februar gehen normalerweise die Bestellungen aus Europa für die Herbst-/Winter-Saison ein. Die Produktion für den für viele wichtigen Liefertermin April ist dann in vollem Gange. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich diese Auslieferung bis Mai oder Juni verzögern würde. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die Fertigung der Herbstware. Die Situation in China hat auch Auswirkungen auf die Betriebe in den Nachbarländern, da viele Vorprodukte, wie Stoffe und Garne aus der Volksrepublik kommen.

Und auch die Logistik ist inzwischen ein Problem. Die Stadt Wuhan in der Provinz Hubei, wo das Virus seinen Ursprung hat, ist ein wichtiger Industrie- und Verkehrsknotenpunkt im Zentrum Chinas. Die Stadt und die Provinz sind derzeit abgeriegelt. DHL zufolge soll diese Sperre inzwischen Auswirkungen auf wichtige Luft-, Land- und Seeverkehrswege in 13 Städten haben. Die Häfen entlang des Jangtse-Flusses seien komplett überlastet.

LPP arbeitet an Notfallplan

Der polnische Modekonzern LPP (Reserved, Mohito, House, Cropp und Sinsay) sieht das Risiko von Verzögerungen bei Lieferung und Produktion. Das Unternehmen arbeitet daher an einem Notfallplan für längere Lieferverzögerungen, teilte Finanzvorstand Przemyslaw Lutkiewicz auf einer Pressekonferenz mit. "Wir sprechen mit Fabriken, mit denen wir zusammenarbeiten, zum Beispiel in der Türkei oder in asiatischen Ländern wie Bangladesch oder Vietnam." Dort gebe es noch freie Kapazitäten, die LPP nutzen könnte.

Massive Auswirkungen hat die Corona-Epidemie auch auf das Geschäft der Fashion Retailer in China. H&M hat 97 Stores in China geschlossen, Nike hat die Hälfte seiner Läden dichtgemacht und arbeitet in den übrigen mit verkürzten Öffnungszeiten. Der Konzern hat laut Website 18 Stores in China und zwei in Hongkong. "Kurzfristig erwarten wir, dass die Situation wesentliche Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit im Großraum China haben wird", heißt es von Nike. Ähnliches ist von Levi’s zu hören. Das Unternehmen hat ebenfalls die Hälfte seiner laut Website 18 Geschäfte auf dem chinesischen Festland geschlossen.

Luxusbranche leidet

"Das Einzelhandelsumfeld in China ist momentan stark beeinträchtigt und auch wir sehen uns mit temporären Schließungen konfrontiert", sagt eine Sprecherin von Hugo Boss. Hart treffen wird das Virus auch die Luxusmode-Anbieter, für die China ein bedeutender Markt ist. Zugesetzt haben ihnen schon die Proteste in Hongkong in den vergangenen Monaten. Einige, darunter Louis Vuitton und Burberry, konnten das bisher aufgrund ihrer starken Präsenz in Festland China noch einigermaßen ausgleichen. Jetzt im E-Paper lesen

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