BCG-Konsumentenstudie zum Shoppen in der Corona-Krise

Fast jeder Zweite hält Besuch eines Modegeschäfts für riskant

43% der Verbraucher in Deutschland meinen, der Besuch eines Modegeschäfts berge ein Corona-Ansteckungsrisiko. Das zeigt eine Konsumentenbefragung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), für die zwischen dem 17. und 20. April bundesweit mehr als 1500 Kunden befragt wurden. Demnach können Hygienmaßnahmen des Handels die Ansteckungsängste aber dämpfen.

Beruhigend wirkt dabei laut der Umfrage vor allem die begrenzte Anzahl von Personen auf der Verkaufsfläche. 42% der Befragten, die derzeit den Besuch eines Modeladens als zu riskant empfinden, würden eher wieder shoppen gehen, wenn die Anzahl begrenzt ist. Wichtige Punkte sind zudem die Bereitstellung von Handdesinfektionsmittel auf der gesamten Fläche (39%) und die Sicherstellung des Social Distancing (37%), etwa durch Bodenmarkierungen in der Warteschlange oder separate Ein- und Ausgänge. Das Tragen von Handschuhen und Schutzmasken im Laden würde lediglich jedem fünften Befragten ein sichereres Gefühl beim Modeshoppen geben.

"Spannend ist, dass vor allem Jüngere auch auf technische Maßnahmen setzen", sagt Jessica Distler, Partnerin und Leiterin des Beratungsbereichs „Retail“ in Deutschland  bei BCG. So gibt fast jeder Sechste der Generation Z an, dass er sich durch das Messen der Körpertemperatur bzw. durch Self Check-Out-Möglichkeiten beim Modekauf weniger gefährdet fühlen würde - doppelt so viele wie der Gesamt-Bevölkerungsdurchschnitt.

"Einzigartige Krise" erfordert komplettes Umdenken des Handels

Die Angst vor der Ansteckung beim Shoppingbummel ist laut BCG nur ein Indikator dafür, dass die Krise das Einkaufsverhalten der Menschen nachhaltig verändert. "Jeder Zweite hat durch die Corona-Krise sein Verhalten längerfristig verändert", sagt Matthias Tauber, Partner und Deutschlandchef bei BCG. "Das macht diese Krise so außerordentlich und an diese Veränderungen muss sich der Handel anpassen, um erfolgreich zu sein." Ein Beispiel: 60% derjenigen, die ihr Verhalten geändert haben, bereiten Personenansammlungen von mehr als 50 Personen Unbehagen. "Das zwingt auch den Handel zu Veränderungen", sagt Tauber. Hinzu kommt eine wirtschaftliche Komponente. So haben laut BCG-Befragung bereits 7% ihren Job durch Corona verloren. Weitere 20% befürchten, in dem zu erwartenden Abschwung ihren Arbeitsplatz noch zu verliehen.

Ausgabenrückgang um mehr als 40%

Wie stark der Modekonsum durch Corona in den vergangenen Wochen beeinflusst wurde, zeigt ein weiterer Teil der Erhebung. "Seit Beginn der Ladenschließungen sind die Ausgaben für Mode netto um 41% gesunken", sagt Distler. "Anders als erwartet ist auch der Online-Absatz rückläufig - und zwar um 12%." Dabei zeigen sich bezüglich der Sortimentsbereiche deutliche Unterschiede. Während vor allem weniger Handtaschen, Accessoires, Outerwear und Luxusmode gekauft wurden, stiegen die Ausgaben für Homewear, Kinderbekleidung und -schuhe.

"Gut hat zudem Kosmetik abgeschnitten und dabei auch der Luxusbereich", so Distler. Die Kunden wollten sich so im Kleinen etwas Gönnen. Insgesamt ist das Interesse an Mode derzeit gering. Jeder Zweite sagt, dass er weniger Bedarf an Mode hat. Ein Drittel der Kunden gibt zudem an, derzeit nicht an Shopping interessiert zu sein, da es gerade dringlichere Themen gibt.

Wie groß die Zukunftsangst der Verbraucher ist, zeigt ein weiteres Studienergebnis. So gehen 86% der Befragten davon aus, dass das Schlimmste der Krise noch vor uns liegt.
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