Bilanzvorlage 2019

Tom Tailor bangt um Finanzierung

Foto: Tom Tailor/Sabine Skiba
Tom Tailor bangt um seine Finanzierung und braucht staatliche Unterstützung.
Tom Tailor bangt um seine Finanzierung und braucht staatliche Unterstützung.

Auch wenn der Konzern 2019 schrumpft: Bei der Marke Tom Tailor sehen die Geschäftszahlen sogar einigermaßen passabel aus – wären da nicht Bonita und Corona. Nun braucht der Konzern dringend frische Mittel.

Erst vergangenen Herbst hatte Tom Tailor nach langem Ringen mit seinen finanzierenden Banken und dem Mehrheitsaktionär Fosun seine Finanzierung sichergestellt. Nun bringt die Corona-Krise die Stabilität des Modekonzerns erneut ins Wanken. Am Montagabend, schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses 2019, hatten die Hamburger ad-hoc über erhebliche Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken berichtet. Der Vorstand sehe in der kurz- und mittelfristigen Liquiditätsplanung derzeit deutliche Planungsrisiken. "Diese beeinhalten sowohl das Risiko der Nichteinhaltung von Kreditkennzahlen als auch das Risiko von Liquiditätsengpässen", hieß es. Deshalb will Tom Tailor die in Europa angekündigten Unterstützungsprogramme nutzen, u.a. staatliche Finanzierungsprogramme, Kurzarbeit sowie die Stundung von Steuerzahlungen.



Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 sind demnach auch nur vorläufig: Die Marke Tom Tailor konnte 2019 den Umsatz leicht steigern. Besonders der eigene Retail sei seit drei Jahren flächenbereinigt zum ersten Mal wieder gewachsen und habe beim bereinigten Ergebnis (vor den neuen Bilanzierungsregeln IFRS 16) zugelegt. "Besonders erfreulich entwickelte sich der E-Commerce", teilte Tom Tailor mit. "Das Geschäftsjahr lag im Rahmen unserer Erwartungen", sagte CEO Gernot Lenz, der Ende 2019 von S.Oliver zu Tom Tailor kam.

Im Wholesale und bei der Tochter Bonita sanken aber sowohl Umsatz und Ergebnis, so dass der Konzernumsatz insgesamt um fast 5% auf 803,1 Mio. Euro zurückging und unter dem Strich einen Verlust von knapp 29 Mio. Euro (bereinigt) erlitt. Die Nettoverschuldung lag bei 138 Mio. Euro, der Free Cashflow bei -2,4 Mio. Euro.

Den leichten Umsatzrückgang im Wholesale begründet Tom Tailor mit Insolvenzen einger Großkunden sowie mit niedrigeren Lizenzerlösen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) ist um ein Viertel auf 45 Mio. Euro eingebrochen. Außerdem seien die Personalaufwendungen – geplant – höher gewesen.

Sorgenkind ist nach wie Bonita. Die ungeliebte Tochter habe zwar im Quartalsvergleich den Schrumpfkurs verlangsamen können. Im Geschäftsjahr 2019 sanken die Erlöse ingesamt aber um 19% auf 183 Mio. Euro. Ausschlaggebend dafür seien geplante Filialschließungen und eine zu stark verjüngte Kollektion gewesen. Die neu ausgerichtete Sortimentsstrategie mit "klarem Fokus auf die bestehnde Zielkundin sowie kürzere Entwicklungs- und Oderrhythmen zeigten ab dem zweiten Halbjahr Erfolge.
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