Alternativen zur Schnäppchenjagd

Diese Unternehmen führen Anti-Black-Friday-Kampagnen durch

IMAGO / ZUMA Wire
Mit Rabattschildern an den Geschäften werben zahlreiche Unternehmen am Black Friday - doch es gibt auch Alternativen.
Mit Rabattschildern an den Geschäften werben zahlreiche Unternehmen am Black Friday - doch es gibt auch Alternativen.

Der Black Friday ist auch in diesem Jahr ein wichtiger Umsatzbringer für die Bekleidungsbranche. Jeder vierte Deutsche will laut einer You Gov-Studie am diesjährigen Black Friday shoppen. Einige Unternehmen stellen sich aber gegen das Shopping-Event und werben mit Alternativen zu den Super-Rabatten.

Auch in diesem Jahr steht der aus den USA importierte Black Friday traditionell am letzten Freitag des Monats November an. Dieser fällt in diesem Jahr auf den 25. November. Trotz der hohen Inflation plant jeder vierte Deutsche zum Black Friday eine Shopping-Tour, ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens You Gov.


Der Handel überbietet sich an dem besagten Freitag mit Rabattaktionen, Schnäppchen und besonderen Deals. Die Branche will damit nicht nur den Umsatz steigern, sondern auch neue Kunden gewinnen und Bestandskunden stärker an sich binden. Allerdings bilden einige Branchenteilnehmer einen Gegenpol zu dem Shopping-Event und machen mit verschiedenen Kampagnen auf die Kehrseite des überproportionalen Konsums aufmerksam.

Geschlossene Türen am Black Friday

Kritische Worte zu den "Rabattschlachten" des Black Friday, der Black Week und dem darauf folgenden Cyber Monday findet die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs: "Wir lehnen es ab, Artikel speziell für Preisnachlässe zu produzieren. Systematische Rabatte führen zu übermäßigem Konsum. Sie schaden den Produktionskosten und den Löhnen der Beschäftigten in der gesamten Lieferkette", sagt der CSR-Manager Jiwon Jang. Aus diesem Grund schließt Haglöfs  am Black Friday den Online-Shop.

Haglöfs setzt ein Zeichen und schließt an Black Friday die Läden und den Online-Shop.
Haglöfs
Haglöfs setzt ein Zeichen und schließt an Black Friday die Läden und den Online-Shop.
Nicht nur Haglöfs, auch die Schweizer Surf-, Yoga- und Activewear-Marke Oy schließt ihren Webshop am Black Friday. Geschäftsführerin Zelia Zadra begründet die Entscheidung folgendermaßen: "Als Herstellermarke befinden wir uns immer in einem Konflikt zwischen Konsum und Nachhaltigkeit. Wir wollen die Umwelt so wenig wie möglich belasten und gleichzeitig unsere Produkte verkaufen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, zu inspirieren und mit gutem Beispiel voranzugehen. Deswegen sagen wir Nein zum Black Friday."

Auch bei Oy bleibt der Onlineshop am Freitag bewusst geschlossen.
Oy
Auch bei Oy bleibt der Onlineshop am Freitag bewusst geschlossen.

Tausch statt Kaufrausch

Freitag: Tauschen als Alternative zum Kaufen

Die Taschen-Macher der Marke Freitag haben sich ebenfalls etwas einfallen lassen: Wie bereits im vergangenen Jahr bleibt der Online-Shop am Black Friday geschlossen, die User werden aber auf die Tauschplattform S.W.A.P. umgeleitet. Außerdem will das Unternehmen in diesem Jahr erstmals mit Taschentausch-Events in die lokalen Stores locken. Zudem hat Freitag weitere gleichgesinnte Brands vereint, um gemeinsam die Botschaft "Ja, wir sind alle Nein-Sager!" zu verbreiten, darunter Asket, Mud Jeans, Raeburn, Flamingos Life, Soeder, Secrid, Oy und Brompton.

Kaufen für den guten Zweck

Einige Brands möchten den schwarzen Freitag nutzen, um Wohltätigkeitsaktionen ins Leben zu rufen. So will der Sneaker-Händler Asphaltgold – wie bereits 2020 – seine Reichweite nicht für Rabatte nutzen, sondern seine Community auf gesellschaftlich relevante Themen aufmerksam machen. Um ein klares Statement zu setzen, startet das Unternehmen daher eine Anti-Rassismus-Kampagne. Im Mittelpunkt stehen exklusive Charity-T-Shirts mit dem Slogan und der Message "We all walk the same earth". Diese bietet Asphaltgold vom 25. bis zum 27. November in 15 verschiedenen Sprachen in seinem Online-Shop an. Der VK-Preis liegt bei 39 Euro. Den Erlös der Verkäufe wird Asphaltgold an das European Network Against Racism spenden.

Asphaltgold: Anti-Rassismus Kampagne

Auch der Elmshorner Modehaus-Filialist Ramelow distanziert sich von der "Rabatt- und Konsumschlacht" zum Black Friday. Der Einzelhändler ruft bereits zum fünften Mal einen "Give Friday" aus, da er der Überzeugung ist, dass "unsere Erde zurzeit am dringendsten Hilfe braucht".

Bei der Aktion werden auch in diesem Jahr 10% der gesamten Tagesumsätze zugunsten eines Klimaschutzprojekts gespendet. Zudem startet Ramelow ein Gewinnspiel auf seinem Instagram-Profil. Hauptpreis ist ein Set der Wäsche- und Bademode-Marke Lascana.

Kreative Social Media- Kampagnen

 
Ecoalf nimmt den Black Friday regelmäßig zum Anlass, um über die Auswirkungen der Impulskäufe des Fast-Fashion-Modells zu informieren. Dieses verursacht nach Angaben des Europäischen Parlaments jährlich mehr als 2 Billionen Tonnen C02-Emissionen und verbraucht 79 Trillionen Liter Wasser. Ecoalf macht sich daher besonders für Secondhand und Recycling stark und fordert die Community in einer viralen Kampagne dazu auf, ihre Alternativen zum Black Friday-Konsum zu teilen.

Der Gründer und Präsident von Ecoalf Javier Goyeneche sagt: "Wir bieten 0% Rabatt, und es kostet 0 Euro, um diesen Alternativen in dieser Saison zu folgen. Wir möchten, dass Sie sich uns anschließen und andere inspirieren ihre Gewohnheiten zu ändern. Gemeinsam können wir diese Gewohnheit durchbrechen und unseren Planeten schützen."

Houdini Sportswear will ebenfalls ein Zeichen gegen den "unnötigen Überkonsum" setzen und lädt die Community dazu ein, während der Black Week das Manifest "Forward to Nature" in den sozialen Medien zu teilen.

Reparieren statt Ersetzen

Ein weiteres Modeunternehmen, das eine Black Friday-Alternative anbietet, ist Mykita. Das Berliner Brillen-Label schließt am besagten Tag seinen Online-Shop, unter dem Slogan "Die nachhaltigste Option ist grundsätzlich das, was man bereits besitzt". Zudem lädt Mykita die Kunden dazu ein, die Lebensdauer ihrer Mykita-Brillen zu verlängern. Hierfür wird ein Pflegeservice der Mycare-Initiative kostenlos in allen Shops zur Verfügung gestellt.

Mykita bietet als nachhaltige Alternative zum übermäßigen Konsum einen kostenlosen Reparaturservice an.
Mykita
Mykita bietet als nachhaltige Alternative zum übermäßigen Konsum einen kostenlosen Reparaturservice an.
Ein Zeichen gegen die Konsumschleife möchte auch Ortlieb setzen. Das Unternehmen startet anlässlich seines 40-jährigen Bestehens eine sogenannte Repair Week, in der es 40% Rabatt auf Reparaturen gibt. "Nachhaltige Wirtschaft ist essenziell. Dazu zählt auch, dass Produkte langlebig sind", erklärt CEO Martin Esslinger. Seinen Angaben zufolge sind die Ortlieb-Taschen so konzipiert und designt, dass alle Einzelteile leicht zu reparieren sind. "Damit erreichen wir eine noch längere Lebensdauer der Produkte."

Ortlieb bietet in der Black Week Rabatt auf Reparaturen.
Ortlieb
Ortlieb bietet in der Black Week Rabatt auf Reparaturen.
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