BMZ übernimmt Audit-Kosten für Grünen Knopf

Minister Müller: "Wir müssen global zusammenhalten"

Ute Grabowsky / photothek.net
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller setzt sich seit Jahren für faire Textillieferketten ein: "Wir brauchen besseren Gesundheitsschutz und soziale Sicherheitsnetze in den Produktionsländern – das ist schon heute eine Lehre aus der Krise."
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller setzt sich seit Jahren für faire Textillieferketten ein: "Wir brauchen besseren Gesundheitsschutz und soziale Sicherheitsnetze in den Produktionsländern – das ist schon heute eine Lehre aus der Krise."

Mit dem Grünen Knopf und dem Textilbündnis setze sich das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) seit Jahren für eine nachhaltigere Textilindustrie ein. Dieser Einsatz werde nicht von einem Virus gestoppt. Das BMZ bereite aktuell Maßnahmen vor, um die schlimmsten Folgen abzumildern.

"Corona trifft uns alle – menschlich und wirtschaftlich. Globale Lieferketten wie für Textilien drohen zusammenzubrechen. Allein in Bangladesch sind über eine Million Näherinnen betroffen. Auch viele Mittelständler in Deutschland kämpfen ums Überleben. Viele übernehmen trotz der Krise Verantwortung und stehen zu ihren Produktionsaufträgen. Wir müssen global zusammenhalten. Wir brauchen besseren Gesundheitsschutz und soziale Sicherheitsnetze in den Produktionsländern – das ist schon heute eine Lehre aus der Krise", mahnt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller.


Er halte an dem Ziel nachhaltiger globaler Lieferketten fest. Die Produktion immer weiter zu verlagern – auf der Suche nach dem billigsten Anbieter – das könne nicht die Zukunft sein.

Auswirkungen in den Produktionsländern

Lieferengpässe bei Rohstoffen aus China, der Einbruch der Bekleidungsnachfrage in Europa, China oder USA sowie Ausgangsbeschränkungen in den Produktionsländern selbst haben zu Schließungen von zehntausenden Textilbetrieben geführt, so das BMZ. Allein in Bangladesch wurden laut Angaben des dortigen Textil-Verbands BGMEA Aufträge im Wert von rund 3 Mrd. Euro storniert, wovon über zwei Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter betroffen sind (Stand 20. April).


In Kambodscha gab der Verband der Kleidungsproduzenten GMAC bekannt, dass 80% der Bekleidungsunternehmen Aufträge der kambodschanischen Lieferanten ausgesetzt oder storniert hätten.

Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter seien durch Entlassungen und Lohnkürzungen in ihrer Existenz bedroht. Bekleidungszulieferer aus Sri Lanka berichten, dass sie 30% ihrer Arbeitskräfte entlassen müssen. In Vietnam werden Entlassungen von 30 bis 50% der 2,8 Millionen Beschäftigten prognostiziert. In der Regel könnten Beschäftigte in der Textilindustrie nicht auf soziale Sicherung zurückgreifen und haben keine Krankenversicherung, informiert das BMZ weiter.

BMZ übernimmt Audit-Kosten für den Grünen Knopf

Die Corona-Krise belaste die Textilbranche besonders. Daher übernehme das BMZ bis zum 30. Juni 2021 die Kosten für die regelmäßigen Kontrollen der Grüner Knopf-Kriterien – die sogenannten Überwachungsaudits.

Unternehmensprüfungen seien momentan nur sehr eingeschränkt möglich. Deshalb entwickle das BMZ entlang der Prüfvorgaben der Normen ISO/IEC 17065 und ISO/IEC 17021-1 Möglichkeiten für Fern-Prüfungen. Diese "Remote-Audits" sollen Vor-Ort-Prüfungen vorbereiten, nicht aber ersetzen. Alle Standards des Grünen Knopfs würden weiterhin und uneingeschränkt gelten. Eine Antragstellung zur Prüfung sei weiterhin möglich.

Anmeldungen für das staatliche Meta-Siegel Grüner Knopf sind weiterhin möglich.
BMZ
Anmeldungen für das staatliche Meta-Siegel Grüner Knopf sind weiterhin möglich.

Textilbündnis: Leitsätze für Einkaufspraktiken in Zeiten von Covid-19

Das Textilbündnis informiert auf seiner Homepage über die Auswirkungen des Virus und hat einen Leitfaden für verantwortungsvolle Einkaufspraktiken erstellt. "Der weltweite Covid-19-Ausbruch nimmt ein Ausmaß an, das Marken- und Handelsunternehmen vor nie dagewesene Herausforderungen stellt und den Handlungsspielraum eines einzelnen Unternehmens weit übersteigt. Ungeachtet dessen gilt das Bekenntnis aller Bündnismitglieder zur Achtung von Menschenrechten und zur Verfolgung der Bündnisziele in der gesamten Lieferkette", heißt es auf der Seite des Bündnisses.

Um kurzfristig negative Auswirkungen zu mildern, wurden Leitsätze erarbeitet, die Empfehlungen für den Umgang mit Aufträgen sowie Gesundheitsrisiken und der Ansteckungsgefahr in Produktionsstätten enthalten. Diese Leitsätze würden fortlaufend über die unmittelbare Zeit der Krise hinaus weiterentwickelt.

stats