Brief von Giorgio Armani

"Entschleunigung ist der einzige Ausweg"

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Giorgio Armani
Giorgio Armani

Zu viele Kollektionen, zu viele Shows. „Das ist absurd“, sagt Giorgio Armani. Der 85-jährige Designer spricht sich dafür aus, dass die Mode die Corona-Pandemie dazu nutzt, um ein paar Gänge runter zu schalten. Armani geht selbst schon einmal mit gutem Beispiel voran.

Wie verändert Covid-19 die Modebranche? Geht es nach Giorgio Armani, dann steht das gesamte System vor einer grundlegenden Entschleunigung. Weniger Kollektionen, weniger Shows und ein Saisonrhythmus, der sich dem Rhythmus der Verbraucher annähert.


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„Die aktuelle Notsituation zeigt auf, dass eine vorsichtige und intelligente Entschleunigung der einzige Ausweg ist“, schreibt der 85-jährige Designer in einem Brief an das US-Branchenmagazin WWD. „Das ist der Weg, auf dem unserer Arbeit wieder Wert gezollt wird. Nur so begreifen die Kunden, wie wichtig und wertvoll die Arbeit von uns Designern ist.“

Armani geht selbst mit gutem Beispiel voran. Die Frühjahrskollektion 2020 werde bis Anfang September in den Läden bleiben. Die Pre-Fall-Kollektion werde womöglich ganz übersprungen oder auf ein Minimum reduziert, kündigte er Designer an. „Es reicht, wenn man eine Kollektion zeigt, die auch die Pre-Kollektionen umfasst. Den Unterschied machen ohnehin nur die Lieferzeiten.“

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Die Situation vor der Pandemie sei „absurd“ gewesen. Es sei zu viel produziert worden. Das Auseinanderklaffen zwischen Verkaufssaison und Jahreszeiten sei „kriminell“ gewesen. „Luxus kann und darf nicht schnell sein. Es ergibt keinen Sinn, dass meine Sakkos und Anzüge nach nur drei Wochen im Laden bereits obsolet sind und durch fast identische Artikel ersetzt werden.“

Die Idee, Mode sei in erster Linie Kommunikation, müsse ad acta gelegt werden, so Armani. „Schluss mit den Cruise-Shows auf der ganzen Welt, um laue Ideen zu präsentieren und mit grandiosen Shows zu unterhalten. Das fühlt sich heute unangemessen und sogar ein bisschen vulgär an. Gigantomanie, aber am Ende eine bedeutungslose Geldverschwendung“, so Armani. Spezielle Events sollten speziellen Anlässen vorbehalten sein. „Sie sollten nicht zur Routine werden.“

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