Brief von José Neves an die Aktionäre

Covid-19 legt 200 Farfetch-Händler lahm

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Immer mehr, immer weiter: Farfetch übernimmt neue Aufgaben.
Immer mehr, immer weiter: Farfetch übernimmt neue Aufgaben.

Während Yoox Net-a-Porter momentan wegen Covid-19 nicht liefern kann, kann Farfetch die Nachfrage bedienen. Nichtsdestotrotz ist der Marktplatz nicht immun. Ein Sechstel der Farfetch-Händler ist offline. Ein Programm soll den Multibrand-Stores helfen.

Auch der Luxus-Marktplatz Farfetch ist nicht komplett gegen die Konsequenzen von Covid-19 gefeit. Laut Gründer und CEO José Neves sind über 200 der insgesamt 1200 Teilnehmer auf dem Farfetch-Marktplatz wegen der Coronavirus-Pandemie aktuell nicht aktiv.


„Auch wir haben es mit Unterbrechungen in unserer Lieferkette zu tun“, schreibt Neves in einem Brief an die Aktionäre. „Über 200 Verkäufer sind offline. Sie sind nicht in der Lage, den Bestellungen nachzukommen und die Pakete zu versenden.“ Der Farfetch-Algorithmus blende die Artikel, die nicht erhältlich seien, aus, so Neves: „Wir spüren bislang also keine erheblichen Auswirkungen. Das kann sich aber ändern, wenn noch mehr Verkäufer nicht in der Lage sind, die Order zu bedienen.“

Die Aussagen von Neves verdeutlichen, dass Farfetch im Vergleich zu E-Tailern wie Yoox Net-a-Porter (YNAP), die wegen Covid-19 momentan gar nicht ausliefern können, einerseits im Vorteil ist. Andererseits ist auch Farfetch nicht immun. Schließlich steht und fällt alles mit der Frage, inwiefern die für Farfetch wichtigen Multibrand-Händler und Marken momentan einsatzfähig sind.

Farfetch-Gründer José Neves: Wachstum von 40% und mehr
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Farfetch-Gründer José Neves: Wachstum von 40% und mehr
Im Gegensatz zu E-Tailern wie YNAP, die Ware kaufen und dann über ihre Lagerhäuser versenden, ist Farfetch ein Vermittler, der dezentral organisiert ist. Die Ware stammt größtenteils von 700 Modehändlern und 500 Marken. Sie sind in 50 Ländern zu Hause und bieten Produkte von 3400 Luxus- und Premiummarken an. Farfetch hat im Vergleich zu Online-Händlern YNAP ein geringeres Waren- und Logistikrisiko, andererseits aber auch eine geringere Marge.

Farfetch schreibt nach wie vor Verlust. Im Geschäftsjahr 2019 betrug der Nettoverlust 374 Mio. Dollar. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 121 Mio. Dollar. Im ersten Quartal bewegte sich das operative Minus bei 21 bis 25 Mio. Dollar. Obwohl Farfetch-Chef Neves davon ausgeht, dass die Luxusnachfrage 2020 fallen wird, bekräftigt er das Ziel, 2021 auf Ebitda-Basis die Gewinnzone  zu erreichen. „Wir halten an dem Ziel fest.“

Ob Farfetch die Ziele erreicht, hängt mit davon ab, wie die Multibrand-Händler die Covid-19-Krise überstehen. Bei dem Großteil der 700 Modehändler, die Farfetch nutzen, handelt es sich um kleinere Unternehmen, deren stationäre Läden wegen der Pandemie noch geschlossen sind.

Dementsprechend ist die finanzielle Lage bei vielen angespannt. Um den Multibrand-Händlern zu helfen, hat Farfetch die Initiative #SupportBoutiques aufgelegt. Konkret bedeutet das, dass Farfetch gewisse Gebühren senkt und über die eigenen Kanäle Werbung für die Händler macht. Zudem lockert Farfetch Fulfillment-Auflagen. Darüber hinaus bietet Farfetch den Händlern an, die Ware in einem Farfetch-Lagerhaus zu deponieren und von dort zu versenden.

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