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Calida Group CEO Reiner Pichler im Interview

„Wir prüfen auch Zukauf-Optionen”

Calida Group
Reiner Pichler: "Ich rechne damit, dass wir die durch Corona verursachte Konsumdelle bis zum Jahresende ausgeglichen haben werden."
Reiner Pichler: "Ich rechne damit, dass wir die durch Corona verursachte Konsumdelle bis zum Jahresende ausgeglichen haben werden."

Die Calida Group hat an diesem Freitag in Zürich ihre Jahresbilanz vorgelegt. Währungsbereingt konnte der Konzern und alle Marken (Calida, Aubade. Oxbow, Lafuma, Millet, Eider, Lafuma Mobilier) wachsen. Auch der operative Gewinn legte um 9% zu. CEO Reiner Pichler sprach mit der TextilWirtschaft über Corona, Omnichannel und Akquisitionen.

TextilWirtschaft: Herr Pichler, starten wir doch gleich mal mit dem omnipräsenten Thema Corona. Inwiefern spürt die Calida Group Auswirkungen?
Reiner Pichler: Das Thema betrifft drei Bereiche: unsere Mitarbeiter, die Frequenz im Einzelhandel sowie die Beschaffung. Natürlich hat der Schutz unserer Mitarbeiter Priorität. Wir halten uns diesbezüglich an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation und der vielen lokalen Behörden, da wir Gesellschaften in verschiedenen Ländern betreiben. In der Produktion sind wir kaum betroffen, weil wir überwiegend in eigenen Betrieben in Europa fertigen – für Calida nahezu ausschließlich, auch die Stoffe kommen aus der DACH-Region. Lediglich für die Millet Mountain Group wird ein kleiner Anteil in Asien produziert, aber auch der kommt aus eigenen Betrieben. Wir müssen also keine Einschränkungen befürchten.

Und im Retail?
Bis Februar haben wir keine Auswirkungen gespürt, jetzt sind die Frequenzen in den eigenen Läden und bei unseren Wholesale-Partnern leicht rückläufig. Konsumexperten prognostizieren einen Rückgang in den nächsten sechs Wochen, danach soll es jedoch wieder umschwingen. Ich rechne damit, dass wir die Delle bis zum Jahresende ausgeglichen haben werden.



Profitiert das Online-Geschäft von der Situation, dass die Menschen jetzt stärker daheim bleiben?
Online wächst bei uns ohnehin stark. Eventuell kann der E-Commerce etwas auffangen, aber der größte Umsatztreiber ist die Konsumstimmung generell. Die wird sich mit Frühlingsbeginn sicher deutlich aufhellen.

Wie teilen sich denn die Gruppen-Umsätze auf die einzelnen Kanäle auf?
Wholesale bleibt mit rund 50% Anteil die wichtigste Säule. Flächenbereinigt haben wir hier 2019 ein Pari geschafft. Wir haben uns von einigen Märkten wie China mit dem Wholesale verabschiedet. Etwas über 12% am Konzernumsatz entfallen auf E-Commerce, der Rest auf den eigenen Retail. Die Anteile variieren von Marke zu Marke. Bei Calida setzen wir rund 40% im Wholesale um.

Wie hat sich Calida hierzulande entwickelt?
Wir konnten im eigenen Retail, mit den Key Accounts und Fachhändlern wachsen. Das neue Flächen-Management, was wir Ende 2018 ausgerollt haben, zeigt Erfolge. Online legte Calida um über 20% zu. Ähnlich ist die Entwicklung für Aubade, nur dass hier das Online-Plus ‚nur’ bei 10% lag. Wir haben im vorigen Jahr den Online-Shop von Aubade völlig überarbeitet.

Die Calida Group hat das Outdoor-Label Eider verkauft, Oxbows Veräußerung steht kurz vor dem Abschluss. Stimmt das Portfolio nun aus Ihrer Sicht?
Unser Ziel war es, dass alle Marken der Gruppe wachsen und profitabel sind. Das haben wir geschafft. Jetzt haben wir die strategische Entscheidung getroffen, das Portfolio zu optimieren, um unsere Aktivitäten und Investitionen zu fokussieren.

Folgen weitere Verkäufe?
Wir werden das Portfolio permanent prüfen. Ebenso wie wir Optionen für Zukäufe prüfen.

Haben Sie da schon etwas Konkretes im Blick?
Nein, dazu kann ich noch nichts sagen. Aber wenn, dann schauen wir uns im Wäschemarkt um.

Wie sehen die Pläne für 2020 aus? Wo investieren Sie?
Generell wollen wir erneut profitabel und like-for-like mit allen Brands wachsen. Wir investieren jährlich rund 10 Mio. Euro. Etwa die Hälfte davon geht in die Digitalisierung. Aber wir bauen auch den Wholesale-Vertrieb aus, weil wir da noch Potenzial sehen. Im Retail liegt der Fokus nicht auf Expansion, hier konzentrieren wir uns darauf, den Omnichannel weiter voranzutreiben, ein Thema, das wir aber auch mit unseren Partnern im Handel sehen.

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