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Corona-Krise: Interview mit ECE-Manager Ulrich Schmitz

„Alle Events bis Ostern abgesagt”

Foto: ECE
Ulrich Schmitz: "Gegen Ende der Woche hat sich die Situation beruhigt, in einigen Regionen, etwa in NRW, hat sich die Frequenz teilweise sogar positiv entwickelt."
Ulrich Schmitz: "Gegen Ende der Woche hat sich die Situation beruhigt, in einigen Regionen, etwa in NRW, hat sich die Frequenz teilweise sogar positiv entwickelt."

195 Shopping-Center, 20.000 Mieter, mehr als vier Millionen Besucher täglich: Die Hamburger ECE ist einer der größten Betreiber von Einkaufszentren. Ulrich Schmitz ist als Senior Director Center Management verantwortlich für den operativen Betrieb der Malls. Im Interview erklärt er, wie die aktuelle Lage in den Centern ist und warum es sinnlos ist, jetzt mit mehr Werbung für Frequenz sorgen zu wollen.

TextilWirtschaft: Herr Schmitz, wie ist die aktuelle Situation in den ECE-Centern in Deutschland?
Ulrich Schmitz:
Der Betrieb in den Centern läuft weiterhin normal, aber natürlich sind wir aufmerksam und stellen uns auf die aktuelle Situation ein. Die Entwicklung bei den Frequenzen ist relativ uneinheitlich, tendenziell beobachten wir ein Süd-Nord-Gefälle. Im Süden hat die Ausbreitung des Coronavirus ja begonnen, dort spüren wir deshalb auch stärkere Auswirkungen.

Wie macht sich das konkret in den Centern bemerkbar?
Wir haben vergangene Woche vor allem zum Wochenbeginn Frequenzrückgänge registriert, zum Teil im oberen einstelligen Bereich. Gegen Ende der Woche hat sich die Situation dann wieder beruhigt, in einigen Regionen, etwa in NRW, hat sich die Frequenz teilweise sogar positiv entwickelt.

Was hören Sie von Ihren Mietern?
Die Einzelhändler für den kurzfristigen Bedarf – aus dem Bereich Lebensmittel und Gesundheit – haben erheblich von den so genannten „Hamsterkäufen“ profitiert. Viele andere tun sich gerade etwas schwerer, der Bedarf an T-Shirts und Hosen ist in solchen Situationen nun mal eher gering.

Zu den von der ECE geführten Einkaufszentren gehört das Pep in München-Neuperlach.
Foto: ECE
Zu den von der ECE geführten Einkaufszentren gehört das Pep in München-Neuperlach.
Gibt es bereits Forderungen Ihrer Mieter zum Beispiel nach Mietnachlässen, sollten die Frequenzrückgänge tatsächlich langfristig anhalten?
Nein, bislang nicht. Im Moment kommen alle Händler noch ganz gut zurecht.

Wie stellen Sie sich in Ihren Centern auf die aktuelle Situation ein?
Wir haben Hinweise mit den allgemein bekannten Verhaltensregeln zur Hygiene und Prävention aufgehängt und auch unsere Mieter mit den entsprechenden Informationen versorgt. Darüber hinaus gibt es in allen Centern zusätzliche Desinfektionsstationen. Im Moment sind wir mit Desinfektionsmittel noch gut versorgt, die Verfügbarkeit ist allerdings absehbar schwierig. Außerdem haben wir die Reinigungsintervalle hochgefahren und säubern und desinfizieren insbesondere neuralgische Punkte wie Eingänge, Rolltreppen, sanitäre Anlagen deutlich häufiger.

Das Frühjahr ist traditionell auch die Jahreszeit der Kunden-Events. Bleibt es dabei?
Nein, wir haben alle Events zunächst bis einschließlich Ostern vorsorglich abgesagt. Wir hatten zum Saisonstart etliche Modenschauen und auch Abendveranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern geplant. Alles, was größere Mengen anlockt, wie Aktionen mit Influencern und Autogrammstunden, muss jetzt aber leider sicherheitshalber ausfallen. Trotzdem wollen wir natürlich für ein Grundrauschen sorgen, zum Beispiel mit Blumenpflanzungen oder auch Wanderausstellungen.

Wie bringen Sie die Leute trotzdem in Ihre Center? Mehr Werbung?
Nein, man kann die Leute jetzt nicht umstimmen. Jetzt das Marketing zu verstärken, um die Frequenz anzukurbeln, wäre nicht richtig. Unsere normale Imagewerbung werden wir natürlich weiter machen, die Werbung für die Events fällt hingegen weg.

Im besonders stark von Corona betroffenen Italien ist die ECE unter anderem mit dem Einkaufszentrum Adigeo in Verona vertreten.
Foto: ECE
Im besonders stark von Corona betroffenen Italien ist die ECE unter anderem mit dem Einkaufszentrum Adigeo in Verona vertreten.
Einer der Corona-Brennpunkte ist Italien. Dort betreiben Sie auch drei Einkaufszentren. Was können Sie von dort berichten?
Bislang waren wir vor allem an unserem nördlichsten Standort in Verona von stärkeren Rückgängen betroffen. Jetzt mit der landesweiten Regelung herrscht aber an allen Standorten eine hohe Verunsicherung und ich rechne mit Frequenzstörungen, auch aufgrund der behördlichen Maßnahmen.



Die Italiener sollen ja eigentlich nur noch zur Arbeit gehen und dann möglichst direkt nach Hause. Lohnt es sich überhaupt, die Center geöffnet zu lassen?
Wir können nicht schließen, weil ja die Grundversorgung gewährleistet sein muss. Grundsätzlich sind also alle Läden in unseren Centern geöffnet, auch die Modeläden.*

Die ECE ist noch in weiteren Ländern vertreten, vor allem in Osteuropa. Wie ist die Lage dort?
Die Fallzahlen der Corona-Infektion in Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn und der Türkei sind zum Teil deutlich geringer. Entsprechend entspannter ist die Lage und wir verzeichnen keine auf Corona zurückzuführenden Frequenzrückgänge. Insgesamt ist die Entwicklung aber sehr dynamisch, wir beobachten sie daher sehr genau, um bei Bedarf in geeigneter Weise reagieren zu können.


*Aktueller Nachtrag: Die Regierung hat am gestrigen Dienstagabend beschlossen, dass alle Geschäfte für 14 Tage schließen müssen. Auf Anfrage erklärt ein ECE-Sprecher, dass ab dem heutigen Mittwoch der Grundbetrieb alle Center in Italien eingestellt ist, lediglich Supermärkte und Apotheken seien weiter geöffnet.
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