Corona-Krise

Viele Influencer sehen ihre Existenz bedroht

imago images / Panthermedia
Bringt Corona das Geschäftsmodell der Influencer zum Wanken?
Bringt Corona das Geschäftsmodell der Influencer zum Wanken?

Influencer Marketing in Zeiten von Corona: Pietätlos oder immer noch legitim? Darüber scheiden sich die Geister. Zuletzt sorgte der Comedian Oliver Pocher in den sozialen Medien für Furore, weil er das Geschäftsmodell der Influencer angesichts der aktuellen Corona-Krise an den Pranger stellte. Wie nun eine nicht-repräsentative Studie zeigt, treiben die Social-Media-Werbegesichter nun selbst Existenzängste um.

84% der Influencer fühlen sich existenziell bedroht. Das ergab eine aktuelle Stimmungs-Umfrage der Influencer Relations-Agentur KMB Creative Network, die nach eigenen Angaben für The North Face, Vans und Amazon arbeitete. Demzufolge ging dem Großteil der Social Media-Stars bereits Aufträge flöten. Insgesamt 68% gaben an, dass ihnen in den vergangenen zwei Wochen aufgrund der Corona-Krise Aufträge gekündigt wurden.

Infolge der aktuellen Situation ändern viele Influencer wie die meisten Arbeitnehmer ihre Arbeitsweise. Nur 5% gaben an, weiter wie zuvor zu arbeiten. Demnach habe das Coronavirus bei 91% auch Einfluss auf den erstellten Content. Das bezieht sich auf mehrere Ebenen: Für einen großen Teil der Befragten ändert sich die Art und Weise der Content-Produktion, die nun meist zuhause stattfindet. Aufgrunddessen erstellen der Agentur zufolge viele Influencer vermehrt Bewegtbild, Video und Live-Content als zuvor.
Über die Studie
Im Zeitraum vom 19. März bis 26. März 2020 befragte KMB Creative Network AG in einem Online- Panel anonymisiert 80 Influencer in Deutschland, ob und wie sich die Corona-Krise auf sie und ihre Arbeit auswirkt. Die zehn Fragen bestanden aus geschlossenen Multiple Choice-Fragen und offenen Textfeldfragen. Die befragten Influencer haben von unter 10.000 bis über 500.000 Follower: 37,5 % haben weniger als 50.000 Follower, 25% haben 50.000 bis 100.000 Follower und 37,5 % haben über 100.000 Follower. Die Influencer posten über verschiedene Themen (Mehrfachnennung möglich) wie zum Beispiel Lifestyle (83%), Fashion (83%), Beauty (50%), Travel (50%), Food (33%) oder Design & Interieur (21%).
Aber auch inhaltlich verändert sich etwas. So rücken der Studie zufolge Produkt-Platzierungen und -Bilder in den Hintergrund. Nach Angaben von KMB sagen die Influencer, dass Sponsored Posts sich in der aktuellen Situation "falsch" anfühlen. Hingegen würden viele verstärkt über persönliche Erlebnisse posten. "Quarantäne-Tagebücher und Selbstversuche zuhause sind absolut en vogue", schreibt die Agentur.

Eine Entwicklung dürfte Werbungtreibende allerdings aufhorchen lassen, auch, wenn sie nicht überrascht: Die Engagement-Rates, also die Rate aus Follower-Interaktionen mit Stories und Beiträgen, steigen derzeit in die Höhe. Davon berichten 82% der Befragten. Parallel dazu erhöhen 68% von ihnen die Post-Frequenz und melden sich öfter in den sozialen Medien zu Wort als zuvor. Darüber hinaus berichten laut KMB die meisten Influencer von positiver Resonanz auf ihre Beiträge.

Haltung und Achtsamkeit statt Konsum

Ferner zieht die Agentur das Fazit, dass in Zukunft ein bewussterer Umgang mit dem direkten Umfeld und der Umwelt in den Fokus der Influencer-Postings treten wird. Der reine Kommerz soll demzufolge ein Stück in den Hintergrund rücken. Letzteres hätten vor allem Fashion-Influencer zu Protokoll gegeben.
Themen
Corona
stats