Corona-Krise

Textilfirmen stornieren in Bangladesch Aufträge in Milliardenhöhe

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Näherinnen in der Textilfabrik der GBL Group in Bangladesch.
Näherinnen in der Textilfabrik der GBL Group in Bangladesch.

Auch die Fabriken in Bangladesch bekommen die Corona-Krise zu spüren. Weltweit führende Textilfirmen haben Medienberichten zufolge bei mehr als 1000 Produktionsstätten Aufträge in Höhe von rund 1,5 Mrd. US-Dollar (1,4 Mrd. Euro) ausgesetzt oder storniert.

Grund für die zurückgerufenen Aufträge sind die wegen der Pandemie geschlossenen Läden, habe Rubana Huq, die Chefin der Vereinigung der Textilproduzenten von Bangladesch, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa zu Protokoll gegeben. Die Vereinigung habe dem deutschen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) einen Brief geschickt, indem darauf hingewiesen wird, dass wegen der Stornierungen in Milliardenhöhe viele Arbeiterinnen nicht mehr bezahlt werden könnten.

In dem Schreiben soll Huq den Minister aufgefordert haben, deutsche Firmen dazu aufzurufen, die Aufträge in Bangladesch nicht zurückzurufen, heißt es weiter in dem Bericht. Die Vorsitzende habe zudem darauf hingewiesen, dass Geschäftsleute in Deutschland angesichts der Verluste finanzielle Unterstützung von der Regierung erhalten würden – es eine solche aber in Bangladesch nicht gebe und die Arbeiter bezahlt werden müssten. Dem Agenturbericht zufolge will Huq den Ministern anderer Länder einen vergleichbaren Brief schreiben.



Die Textilindustrie ist für Bangladesch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. So entfallen laut Süddeutscher Zeitung fast 80% der Exporteinnahmen des Landes auf Bekleidung. Für die europäischen Modeanbieter wiederum ist Bangladesch nach China das zweitwichtigste Sourcing-Land. 2018 importierten die Unternehmen ein Fünftel (21%) der Bekleidung aus dem fernöstlichen Land, ermittelte die Handelsberatung Kurt Salmon in einer Sourcing-Studie.
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