Corona-Krise zwingt zu drastischen Kosteneinsparungen

John Lewis schickt 14.000 Angestellte in Kurzarbeit

John Lewis
Die 50 Stores von John Lewis sind seit Mitte März wegen Corona geschlossen. Die Mitarbeiter bekommen aber bis Mai noch ihr volles Gehalt. Dann beginnt Kurzarbeit.
Die 50 Stores von John Lewis sind seit Mitte März wegen Corona geschlossen. Die Mitarbeiter bekommen aber bis Mai noch ihr volles Gehalt. Dann beginnt Kurzarbeit.

Der britische Lockdown hat das Geschäft des Department Store-Filialisten John Lewis um 17% einbrechen lassen. Die Muttergesellschaft reagiert mit drastischen Kosteneinsparungen: Fast jeder sechste Angestellte muss in Kurzarbeit gehen. Und das Management verzichtet auf ein Fünftel seiner Bezüge.

Umsatzeinbruch nach dem Lockdown: Die britische Einzelhandelsgruppe John Lewis Partnership, zu welcher der Department Store-Filialist John Lewis & Partners und die Supermarktkette Waitrose & Partners gehören, bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise mit voller Wucht zu spüren. Die Pandemie hat den Geschäftsverlauf bei beiden Marken beträchtlich verändert.

Während Waitrose seit Beginn des laufenden Geschäftsjahres (26. Januar) ein Umsatzwachstum von 8% im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnet, ist der Umsatz bei John Lewis um 7% zurückgegangen. Seit der vorübergehenden Schließung aller 50 John Lewis-Filialen Mitte März hat sich der Umsatzrückgang des Department Store-Filialisten auf 17% ausgeweitet. Der Umsatzzuwachs von 84% in der Online-Sparte seit Mitte März konnte den Einbruch im stationären Geschäft nicht ausgleichen.


„Unser Worst-Case-Szenario für das Geschäftsjahr geht von einem signifikanten Umsatzrückgang zwischen April und Juni sowie einem schwachen Geschäft danach aus“, sagte Sharon White, seit Februar Verwaltungsratschefin (Chairwoman) der Gruppe, bei einem sogenannten Trading Update. „Bei John Lewis könnte sich der Umsatzrückgang schlimmstenfalls auf rund 35% verdoppeln, während bei Waitrose mit einem Minus von weniger als 5% für das gesamte Jahr gerechnet wird.“

Die stärkste Nachfrage verzeichnet John Lewis seit dem Shutdown in Bereichen rund um die Arbeit und das Leben zu Hause, z.B. Technologie, Essensvorbereitung, Fitness und Kinderunterhaltung. „Allerdings sind das einige unserer weniger profitablen Linien. Es werden mehr Spiele und Bastelsets als Sofas gekauft“, merkt White zum veränderten Kaufverhalten an.

Deshalb kündigte White drastische Kosteneinsparungen an. Von den insgesamt 81.500 Mitarbeitern der Gruppe werden 14000 in Kurzarbeit geschickt. Der Staat übernimmt im Rahmen des Coronavirus Job Retention Scheme der Regierung bis zu 80% des Lohns, maximal 2500 Pfund (2850 Euro).


Bis Ende Mai zahlt das Handelsunternehmen den Mitarbeitern der geschlossenen John Lewis-Stores das volle vertraglich zugesicherte Gehalt. Weitere Maßnahmen sind die Kürzung des Marketingbudgets um 100 Mio. Pfund und die Senkung der Investitionen um 200 Mio. Pfund. Der geplante Wareneingang soll entsprechend dem Geschäftsverlauf von John Lewis gesenkt werden.

White verweist darauf, dass die Gruppe das laufende Geschäftsjahr mit einer Liquidität von rund 1,5 Mrd. Pfund begonnen und dieser Level auch nach sechs Wochen Corona-Krise im Großen und Ganzen gehalten habe. Zudem verhandele John Lewis mit Vermietern über die Minderung der Mieten und Nebenkosten, einschließlich eines sofortigen Wechsels von vierteljährlichen zu monatlichen Zahlungen.

Eine weitere Entlastung entstand durch die Entscheidung der britischen Regierung, die Steuern auf gewerblich genutzte Immobilien, die sogenannten Business Rates, für ein Jahr zu erlassen. Dadurch spart John Lewis rund 160 Mio. Pfund in zwölf Monaten. White teilte zudem mit, dass das Executive Team und die Non-Executive Directors von John Lewis Partnership ab April zunächst für drei Monate auf 20% ihrer Bezüge verzichten. Das Executive-Team hat ähnliche Befugnisse wie ein deutscher Vorstand. Non-Executive Directors sind mit Aufsichtsräten zu vergleichen.

Die Corona-Krise trifft das Unternehmen in einer Zeit des Umbruchs. Sharon White hat bei Amtsantritt den Restrukturierungsplan ihres Vorgängers Sir Charlie Mayfield geerbt, der die Integration von John Lewis und Waitrose in eine Geschäftseinheit vorsieht. White, die während der Pandemie selbst bei der Auffüllung der Waitrose-Regale in Nord London gesehen wurde, kündigte nun eine Beschleunigung ihres im März angekündigten strategischen Reviews an. Ziel sei es, das Kerngeschäft zu stärken und neue Services außerhalb des Einzelhandels zu entwickeln. Der Review soll nun bis zum Sommer zum größten Teil abgeschlossen sein.

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