Corona-Rettungsschirm nach Vorbild der Schweiz

Gesamtverband fordert dringende Nachbesserung des KfW-Kreditprogramms

Gesamtverband
Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer von textil+mode fürchtet, dass jedes dritte Unternehmen Insolvenz anmelden muss.
Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer von textil+mode fürchtet, dass jedes dritte Unternehmen Insolvenz anmelden muss.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie begrüßt Verhandlungen innerhalb der Bundesregierung, das KfW-Kreditprogramm im Corona-Rettungsschirm nachzubessern. Die bisher beschlossenen Hilfsprogramme reichten nicht aus.

Die Schweiz, die zinsfreie Überbrückungskredite in kurzer Zeit vergibt, sieht der Industrieverband als Vorbild. Wichtig seien 100%ige Bürgschaften des Staates, längere Laufzeiten, weniger Bürokratie und vor allem Direkthilfen von mindestens 1 Mrd. Euro.

Anpassung des EU-Beihilferechts nötig

"Die Nachbesserungen müssen jetzt und sofort passieren, fordert der Verband. Das bankübliche Prüfungsverfahren führt in der jetzigen angespannten Situation dazu, dass viele Mittelständler leer ausgehen. Hier muss der Bund einspringen", erkärt Gesamtverbands-Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura. In der Schweiz trage der Staat das Ausfallrisiko bei Krediten bis zu 500.000 Schweizer Franken (473.319 Euro) zu 100% mit einem Zinssatz von 0%.
„All das, was die deutsche Textilindustrie in den vergangenen Jahrzehnten an Werthaltigkeit und Know-how aufgebaut hat, könnte in wenigen Wochen verloren sein!“
Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie
Sollte das EU-Beihilferecht dieser Ausfallbürgschaft des Bundes entgegenstehen, sei dringend und kurzfristig eine entsprechende Anpassung auf Brüsseler Ebene erforderlich. Außerdem sei die fünfjährige Laufzeit der KfW-Kredite zu kurz und müsse auf zehn Jahre verdoppelt werden. "Dies schafft für die von der Krise in Existenznot geratenen Unternehmen etwas mehr Sicherheit und halbiert die monatliche Belastung", so Mazura.
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Kredite sind nicht genug: Der Gesamtverband textil+mode fordert von Bundesregierung ein dringendes Corona-Notpaket, sonst drohe eine Pleitewelle in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie. Für die mittelständischen Unternehmen werde die finanzielle Situation immer existenzbedrohender. In vielen Firmen seine die Umsätze bis zu 80%, teilweise sogar komplett weggebrochen. Derweil fordert die ANWR Group für den Schuheinzelhandel Globaldarlehen.

Keine Businesspläne als Voraussetzung

Als weitere Hürde für die Unternehmen bei der Beantragung eines KfW-Kredits bei den Hausbanken sieht der Gesamtverband die wie üblich geforderten Unterlagen, wie Fortführungsprognosen eines Unternehmens. "Wer jetzt nichts mehr produzieren kann, weil die Modegeschäfte geschlossen sind, kann keinen detaillierten Businessplan mit Fortführungsprognosen erstellen", erklärt Mazura.

Mindestens 1 Mrd. Euro

Neben dem Wegfall dieser Hürden bei der Kreditvergabe fordert er Direkthilfen für die Branche. "Wir brauchen ein Notpaket von mindestens einer Milliarde Euro, damit unsere mittelständische Textilbranche mit 1400 Unternehmen und rund 135.000 Mitarbeitern überlebt. Unsere Unternehmen brauchen das Geld jetzt", so der Hauptgeschäftsführer.

Jeder Dritte rechnet mit Insolvenz

Aus den Mitgliedsverbänden werde signalisiert, dass rund 90% der Unternehmen bereits Kurzarbeitergeld beantragt haben. Gut ein Viertel müsse Stellen abbauen, ein Drittel rechne mit Insolvenz. "Damit vernichtet die Corona-Krise die deutsche Textilindustrie mit zahlreichen Traditionsmarken bei Bekleidung und Heimtextilien und Hersteller technischen Textilien. All das, was die deutsche Textilindustrie in den vergangenen Jahrzehnten an Werthaltigkeit und Know-how aufgebaut hat, könnte in wenigen Wochen verloren sein!", appelliert Mazura.
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