Corona-Szenarien im E-Commerce

Modebranche leidet länger

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 Die Rabattschlachten im Sommer könnten heftiger werden, weil die Kunden kaum oder keine Frühjahrsware kaufen, prognostiziert eine Arvato-Studie..
Die Rabattschlachten im Sommer könnten heftiger werden, weil die Kunden kaum oder keine Frühjahrsware kaufen, prognostiziert eine Arvato-Studie..

Die Modebranche wird länger als andere Branchen brauchen, um sich nach dem Ende des Shutdowns zu stabilisieren. Das ist ein Ergebnis einer Analyse von Arvato Supply Chain Solutions. Der E-Commerce-Dienstleister stellt verschiedene Prognosen auf, wie sich Covid-19 und der Shutdown auf das Kaufverhalten im deutschen Online-Handel auswirken könnten. Entscheidend für die Entwicklung seien die Tage bis Ostern, so die Studienautoren. Grundlage sind Daten vom 30. März.


Das Kaufverhalten in Krisensituationen lässt sich laut Arvato in sechs Phasen einteilen. Wobei es erst in Phase sechs zu einer Rückkehr zum "normalen Leben" kommt. Dann werden die Quarantäne-Maßnahmen auch in den am meisten betroffenen Regionen Schritt für Schritt aufgehoben.

In China habe sich gezeigt, dass die Konsumenten seit Anfang März wieder optimistischer in die Zukunft blicken und beim Online-Shopping ein Switch vom "Notwendigen" zum "Gewünschten" vollzogen wurde. Bei Mode und Beauty-Produkten auf der Plattform T-Mall zeigte sich, dass sich beide Bereiche nicht nur erholt haben, sondern sogar besser performten als 2019. Avarto kommt daher zu dem Schluss, dass nach dem kompletten Aufheben der Ausgangssperren auch der Bedarf an normalen Fashion-Artikeln steigen wird

In Deutschland komme es nun darauf an, wie es mit der Ausbreitung von Corona bis Ostern weitergeht. Nimmt man an, dass der Höhepunkt der Infektionen bald erreicht ist und es danach zu Lockerungen der Beschränkungen kommt, wäre ein sogenannter V-Verlauf das wahrscheinlichste Szenario. Die Konjunktur würde Ende des zweiten Quartals wieder ansteigen und bisher zurückgehalten Konsumausgaben nachgeholt werden. Ein Peak bis Ostern hätte eine Stabilisierung des E-Commerce-Handels ab Ende April zur Folge. Bisher verzeichnet jeder zweite Online-Händler in Deutschland Einbußen.

Werden die Schutzmaßnahmen in den kommenden vier bis sechs Wochen aufrechterhalten, würden sich die Konsumenten auf die wesentlichen Einkäufe beschränken, also vor allem Lebensmittel, Getränke, Kosmetik und Pflegeprodukte shoppen. Alle Ausgaben für nicht notwendige Produkte wie Bekleidung würden wegen der Unsicherheit der Verbraucher (Arbeitsplatzgefährdung) weiter extrem sinken. Das bedeute eine deutliche Verlangsamung und vor allem keine komplette Erholung des Online-Handels in diesem Jahr, heißt es bei Arvato.

Die Analysten leiten davon verschiedene Annahmen für den E-Commerce deutscher Unternehmen ab. So könnte sich die Beauty-Branche schneller stabilisieren als die Fashion-Branche. Bevorzugt gekauft würden Artikel, die das Wohlbefinden und die Fitness steigerten. Die Rabattschlachten im Sommer könnten heftiger werden, weil die Kunden kaum oder keine Frühjahrsware kaufen. Aktuell werde fast ausschließlich gekauft, wenn es hohe Rabatte gebe.

Die Lage werde sich aber nicht in allen europäischen Ländern schnell stabilisieren, vor allem die Bestellungen aus Italien und Spanien würden auf einem niedrigen Niveau verharren, mindestens bis zum Ende des dritten Quartals. Bei Bestellungen von Artikeln Made in China wären die europäischen Kunden "eher zögerlich".

Für die Zeit nach der Corona-Pandemie hat Arvato verschiedene Szenarien für Produkte und Marktsegmente durchgespielt: Bei Sportwaren werde sich der Vertrieb wahrscheinlich stabilisieren, wenn Fitness-Studios wieder öffnen und in Vereinen wieder trainiert werden kann.

Bei Highstreet Fashion hingegen werde es lange dauern, bis die Umsätze wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht haben. Die Hauptkunden für diese Marken hätten durch Corona die größten finanziellen Einbußen und schränkten das Shoppen ein. Luxusmarken dagegen könnten, ähnlich wie in China, recht schnell wieder das alte Niveau erreichen. Ihre Kunden verzeichneten die geringsten Einbußen durch die Krise.

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