Coronakrise

Corona-Impfpflicht: So läufts in anderen Ländern

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Die Verbraucherstimmung steigt. Aber wie sich in den kommenden Monaten entwickelt, hängt laut HDE auch von den Impfstoff-Lieferanten und der Verfügbarkeit der Vakzine gegen das Corona-Virus ab. In Deutschland gibt es noch keine konkreten Pläne, aber bereits eine heftige Diskussion über das Thema.
Die Verbraucherstimmung steigt. Aber wie sich in den kommenden Monaten entwickelt, hängt laut HDE auch von den Impfstoff-Lieferanten und der Verfügbarkeit der Vakzine gegen das Corona-Virus ab. In Deutschland gibt es noch keine konkreten Pläne, aber bereits eine heftige Diskussion über das Thema.

Für viele Experten, Ärzte und Wissenschaftler ist klar: Eine möglichst hohe Impfquote ist der schnellste und wirksamste Schritt aus der Pandemie. Während in Deutschland in Sachen Impfpflicht noch gezögert wird, sind andere Länder bereits vorgeprescht. Ein Überblick.

Erst in der vergangenen Woche etwa haben sich die österreichische Regierung und die Landeshauptmänner der einzelnen Bundesländer auf eine Impfpflicht ab dem 1. Februar des kommenden Jahres verständigt. Die Details dazu werden nun ausgearbeitet.

Fest steht noch nicht, ab welchem Alter die generelle Impfpflicht gelten soll. "Die Impfung ist unser Exit-Ticket", sagte Bundeskanzler Alexander Schallenberg bei der Pressekonferenz vergangene Woche.

Die Impfquote der vollständig immunisiertem Personen in Österreich liegt derzeit laut Gesundheitsministerium bei 66,34% der Gesamtbevölkerung sowie 69,73% der impfbaren Bevölkerung (Stand 25.11.2021). Die 7-Tage-Inzidenz beträgt im bundesweiten Durchschnitt 1075,9 (Stand 26.11.2021), berichtet die Gesundheitsbehörde Ages in ihrem Covid-19-Dashboard.

In Italien gibt es schon seit April 2021 zumindest Teil-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen im Gesundheitssektor, etwa für Mitarbeiter im Krankenhaus oder in Alten- und Pflegeheimen. Die bestehende Impfpflicht wird ab Mitte Dezember deutlich ausgeweitet. Das geht aus einem aktuellen Beitrag des Handelsblatt hervor.

Demnach müssen sich dann auch rund eine halbe Million Soldatinnen, Carabinieri und Polizisten im Land impfen lassen bzw. die Impfung vorweisen können. Zudem soll das gesamte Schulpersonal (1,2 Millionen Beschäftigte) zur Impfung verpflichtet werden. Bei Weigerung oder fehlendem Nachweis droht die Suspendierung und es gibt kein Gehalt.

Zwar ist die Impfquote im Land verhältnismäßig hoch - 73,7% der Gesamtbevölkerung sind vollständig geimpft (Stand 24.11.2021). Doch zuletzt stiegen auch in Italien die Corona-Infektionszahlen wieder merklich an. Deswegen treten am 6. Dezember schärfere Corona-Maßnahmen in Kraft, die bis vorerst 15. Januar gelten sollen, und zwar in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens 2G, etwa in Restaurants, Bars, Kinos oder in Fitnessstudios.

Zudem gibt es schon seit Mitte Oktober im gesamten Arbeitsbereich eine 3G-Pflicht. Die 7-Tage-Inzidenz beträgt derzeit 117,8 pro 100.000 Einwohner (Stand 25.11.2021, Quelle: Johns Hopkins University).

Auch in Frankreich gibt es seit September eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitssektor. Konkret betrifft das etwa Mitarbeiter in Krankenhäusern, in der Altenpflege oder auch beim Rettungsdienst. Zwar gab es zu Beginn Proteste innerhalb der Bevölkerung gegen diese Regelungen.
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Doch inzwischen hat sich das gelegt. Nach Informationen des ZDF liegen die Impfquoten in diesen Berufsgruppen mittlerweile bei deutlich über 90%. Insgesamt 69,4% der Gesamtbevölkerung in Frankreich sind vollständig geimpft, 76,8% haben mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand 23.11.2021).

Derzeit gilt für alle Personen ab dem Alter von 12 Jahren und zwei Monaten die Pflicht, an folgenden Orten einen Pass Sanitaire mit sich zu führen: Restaurants, Cafés, Einkaufzentren, Einrichtungen der Alten- oder Krankenpflege sowie in Flugzeugen, Zügen und Bussen (für beides ausgenommen Nahverkehr).
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Der Pass ist ein Nachweis über eine vollständige Covid-19-Impfung, die Genesung von der Krankheit oder eine aktuelle negative Testung auf den Coronavirus. Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz liegt bei 226,7 pro 100.000 Einwohner (Stand 25.11.2021, Quelle: Johns Hopkins University).

In Spanien und Portugal hingegen ist die Impfquote ohne Verpflichtung auf einem sehr hohen Niveau. In Spanien sind 79,3 Prozent der Gesamtbevölkerung bereits vollständig immunisiert, in Portugal sogar 86,6% der Gesamtbevölkerung (Stand 23.11.2021). Beide Länder haben allerdings auch besonders heftige Corona-Wellen mit tausenden Toten und langen Lockdowns hinter sich.

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Und beide Länder können eine gute Impf-Infrastrukur vorweisen. Laut einem Bericht des MDR wurde jeder Einwohner Portugals und Spaniens - nach Altersgruppen gestaffelt - mehrfach persönlich kontaktiert und zur Corona-Impfung eingeladen. Und im Gegensatz zu Deutschland gibt es dem Bericht zufolge eine besonders hohe Akzeptanz von Impfstoffen.

Impfgegner hingegen gibt es kaum. Mehr als 80 Prozent der Menschen in Spanien und Portugal stimmen zudem laut einer Erhebung der EU-Kommission der Aussage zu: "Jeder sollte gegen Covid-19 geimpft werden. Dies ist eine bürgerliche Pflicht." Weitere spannende Antworten zur Befragung finden Sie hier.
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Doch auch in Portugal und Spanien steigen die Infektionszahlen derzeit wieder an, wenn auch moderat. Um sich zu schützen, werden derzeit Ausweitungen der 3G-Regel im öffentlichen Raum diskutiert und die Booster-Kampagnen vorangetrieben.

Die 7-Tage-Inzidenz in Spanien beträgt 94,4 pro 100.000 Einwohner (Stand 25.11.2021, Quelle: Johns Hopkins University). In Portugal liegt sie bei 170,2 (Stand 25.11.2021, Quelle: Johns Hopkins University).

Eine aktuelle Übersicht zu weiteren Ländern und den dortigen Corona-Impfquoten finden Sie hier.

Dieser Text erschien zuerst auf www.ahgz.de.

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