Coronavirus

"Kurzfristig das Sourcing umzustellen, ist fast unmöglich"

Josef Seibel-Gruppe
Ob und in welchem Umfang es zu Lieferverzögerungen kommt, "werden wir erst in drei bis vier Wochen wissen", sagt Carl-August Seibel, geschäftsführernder Gesellschafter der Josef Seibel-Gruppe.
Ob und in welchem Umfang es zu Lieferverzögerungen kommt, "werden wir erst in drei bis vier Wochen wissen", sagt Carl-August Seibel, geschäftsführernder Gesellschafter der Josef Seibel-Gruppe.

Eine Entspannung der Situation in China ist noch nicht in Sicht. Je länger sich die Corona-Epidemie hinzieht, desto massiver werden die Auswirkungen auf die Lieferketten. Waren die Verantwortlichen der Mode- und Schuhbranche vor zwei Wochen noch recht optimistisch, ohne oder mit nur sehr geringen Verzögerungen die Situation meistern zu können, mehren sich nun die Stimmen, die von gravierenden Einschnitten sprechen.

Bei großen Händlern, so ist zu hören, werde inzwischen mit Hochdruck daran gearbeitet, eventuelle Warenausfälle kompensieren zu können. Die TW hat sich in der Schuhbranche umgehört.

Bei Peter Kaiser in Pirmasens hat Corona, zumindest im Hinblick auf die Beschaffung, keine Auswirkungen. "Das Thema geht komplett an uns vorbei", sagt CEO Stefan Frank. Peter Kaiser sei weder bei der Materialbeschaffung noch in der Produktion betroffen, da außschließlich in Europa gefertigt und gesourct werde.



Etwas anders stellt sich die Situation bei der Josef Seibel-Gruppe (Josef Seibel, Tizian, Gerry Weber Shoes) dar, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Carl-August Seibel.

TextilWirtschaft: Gehen Sie von Lieferverzögerungen in den kommenden Monaten aus?
Carl-August Seibel: Unsere Frühjahr/Sommerware ist ausgeliefert. Für Herbst/Winter 20 haben wir nur kleine Mengen im Vorlauf und laut unseres Partnerbetriebs sind keine Verzögerungen zu befürchten. Allerdings werden wir das erst in drei bis vier Wochen sicher wissen. Aktuell läuft noch alles.

Wie reagieren Sie?
Wir arbeiten momentan mit den Betrieben daran, Vorprodukte, die eventuell aus China nicht rechtzeitig kommen, anderswo zu kaufen. Das betrifft Vietnam, Indonesien und Indien.

Welche Möglichkeiten gibt es, kurzfristig in anderen Ländern zu sourcen?
Das ist für Herbst/Winter 2020 fast unmöglich, da zum einen gerade viele große Marken Produktionskapazitäten außerhalb Chinas suchen. Zum anderen bringt ein so kurzfristiger Wechesel aufgrund neu zu bauender Formen und neu zu beschaffender Materialien keinen Zeitvorteil. 
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