Coronavirus

Lieferketten in der Krise

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Von der Corona-Epidemie und dem Stillstand in China ist auch die Logistik betroffen.
Von der Corona-Epidemie und dem Stillstand in China ist auch die Logistik betroffen.

„Es ist noch zu früh, um definitive Aussagen zu treffen.“ Dieser Satz fällt in den Gesprächen über die Auswirkungen der Corona-Epidemie mit den Verantwortlichen der Modebranche in diesen Tagen immer wieder. Aber fest steht heute bereits: Das Virus hat China zum größten Teil lahmgelegt - mit schwerwiegenden Folgen für die weltweiten Lieferketten. Und auch wenn sich das Ausmaß noch nicht beziffern lässt, die Verletzlichkeit einer verflochtenen Welt ist überdeutlich.

Der Stillstand in China trifft die Industrie genauso wie den Handel und die Logistik. Erst seit Montag dieser Woche ist die Volksrepublik ein Stück weit zur Normalität zurückgekehrt, viele Fabriken sind aber noch geschlossen, viele Mitarbeiter noch nicht an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt.


Die von Corona am stärksten betroffene Provinz Hubei mit der Millionenstadt Wuhan ist kein Zentrum der Modeproduktion. Für rund 70% der Bekleidungsfertigung in China stehen die fünf Provinzen Shandong, Jiangsu, Zhejiang, Fujian und Guangdong. Mit Verzögerungen in der Fertigung rechnen aber doch die Meisten. Tom Tailor zum Beispiel geht davon aus, dass die Kollektionen für die Liefertermine Mai bis Juli betroffen sein werden. Nicht nur China sondern auch weitere Länder, mit Ausnahme der Türkei und Pakistan, seien auf Fabrics und Zutaten aus der Volksrepublik angewiesen. "Wir reagieren durch Beschaffung der Materialien in anderen Ländern , der Umstellung der Produktion auf andere Länder und den Wechsel von See- auf Luftfracht", heißt es aus Hamburg.

Hart trifft Corona auch den Handel, viele internationale Konzerne haben ihre Stores in China und Hongkong geschlossen oder arbeiten mit verkürzten Öffnungszeiten. Dicht gemacht haben u.a. Burberry, die Capri-Gruppe, Puma, Adidas, Esprit, Hugo Boss, Uniqlo und der VF-Konzern. Mit erheblichen Umsatzeinbußen rechnen alle, eine konkrete Zahl genannt hat die Capri-Gruppe (Michael Kors, Jimmy Choo, Versace). Sie rechnet mit einem Umsatzminus von 100 Mio. Dollar (90 Mio. Euro) für das im März zu Ende gehende Geschäftsjahr.



Auch Moncler sieht die Situation kritisch und verhandelt mit den Vermietern über Miet-Nachlässe: "In Hongkong sind die Vermieter weniger bereit dazu. In China hingegen sind sie sich der Situation bewusst", sagt Finanzchef Luciano Santel.

Für die Logistik-Branche ist das Zusammenfallen des Neujahrsfest und der Corona-Epidemie eine brisante Kombination. Die eine Woche Neujahrsferien ist in den Lieferketten eingepreist. Nun aber wurden die freien Tage von der Regierung um eine Woche verlängert. Dazu kommt, dass das Land aktuell noch immer weit entfernt vom Normalbetrieb ist. Betroffen sind vor allem See- und Luftfracht.

"Meine persönliche Einschätzung ist, dass man von Lieferverzögerungen von mindestens zwei bis vier Wochen ausgehen muss, in manchen Fällen auch länger", sagt Michael Dumke, CEO von Otto International. Am reibungslosesten funktioniert derzeit noch der Zugverkehr. Für die regelmäßige Güterzugverbindung zwischen dem Hafen Duisburg und China wurden bislang "keine Zwischenfälle" gemeldet.

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