Brief an die Regierung

Textilbündnis-Mitglieder fordern neue Arbeitstandards

Bündnis für nachhaltige Textilien/Eps51
Am Weltfrauentag haben sich 32 Textilbündnis-Mitglieder in einem Brief an die Bundesregierung gewandt. Sie soll das neue ILO-Übereinkommen rasch unterzeichnen, um so Frauen am Arbeitsplatz besser vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen.
Am Weltfrauentag haben sich 32 Textilbündnis-Mitglieder in einem Brief an die Bundesregierung gewandt. Sie soll das neue ILO-Übereinkommen rasch unterzeichnen, um so Frauen am Arbeitsplatz besser vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien setzt sich für eine soziale, ökologische und korruptionsfreie Textil- und Bekleidungsbranche ein. Am heutigen Internationalen Frauentag wenden sich 32 Mitglieder in einem Brief an die Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und fordern die Bundesregierung auf, das Übereinkommen 190 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zügig zu ratifizieren.

Das Übereinkommen soll Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt beenden. Die Konvention hebe geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung besonders hervor und formuliert konkrete Anforderungen an Unternehmen. "Das ILO-Übereinkommen 190 ist ein historischer Meilenstein. Es sind die vielleicht weitreichendsten Vorschriften zu Arbeitsstandards, die je von der ILO beschlossen wurden. Das Übereinkommen bietet die erste internationale Definition von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt. Und für Frauen besonders wichtig: Sie schließt geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung explizit ein", sagt Christina Stockfisch vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB, die an den Verhandlungen des Abkommens beteiligt war.

Bisher hätten lediglich zehn Länder das Übereinkommen ratifiziert. Als zuletzt Griechenland und Italien die Konvention unterzeichnet haben, sei auf europäischer Ebene Bewegung in den Prozess gekommen. Die Bundesregierung kündigt im Koalitionsvertrag an, das Abkommen zu ratifizieren.


Die Textilbündnismitglieder weisen in ihrem Brief darauf hin, dass schätzungsweise 500 Millionen Frauen im erwerbstätigen Alter in Ländern ohne gesetzlichen Schutz vor Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz leben. In der Textilproduktion machten Frauen rund 70% der 60 Millionen Beschäftigten aus. Häufig seien sie geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, würden belästigt und diskriminiert. Durch die Corona-Pandemie habe sich die Situation weiter verschärft, heißt es vom Textilbündnis.

Umso wichtiger sei daher, dass die Bundesregierung ihre starke Stellung in der EU nutze, um für die Konvention zu werben. Mit der Unterzeichnung könne Deutschland ein Signal an Partner- und Produktionsländer senden, entschlossen gegen geschlechtsspezifische Gewalt in der Arbeitswelt vorzugehen.

Aldi, Hugo Boss und Vaude gehören zu den Unterzeichnern

Mit dem Beitritt ins Textilbündnis bekennen sich alle Mitglieder zu Null Toleranz gegenüber geschlechterbasierter Gewalt und Belästigung – innerhalb der eigenen Organisation und bei den Vertragspartnern in der Lieferkette. 130 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft engagieren sich für eine Arbeitswelt frei von Gewalt und Belästigung. Doch das allein reiche nicht aus. "Alle Akteure, auch die Bundesregierung, müssen ihrer Verantwortung nachkommen. Nur hinreichende gesetzliche Rahmenbedingungen können strukturelle Barrieren abbauen. Ein effektives internationales Abkommen zur Beendigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung", heißt es in dem Schreiben.

Unterzeichnet wurde der Brief von folgenden Bündnismitgliedern: Aldi Nord, Aldi Süd, Bierbaum-Proenen, Blutsgeschwister, Brands Fashion, Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie, Care, Cotton made in Africa / Aid by Trade Foundation, Deltex, Deutscher Gewerkschaftsbund, Erlich Textil, Ethical Made, FaRev, Femnet, Frauenwerk der Nordkirche, Global Nature Fund, GOTS, Greiff, HEJ Support, Hugo Boss, IG Metall, Inkota, Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik der Ruhr-Universität Bochum, Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft, Ivy & Oak, Lidl, Mantis World, Südwind, Sympatex, Tchibo, Vaude und Verbraucher Service im KDFB.
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