Das Shutdown-Protokoll von L&T-Geschäftsführer Thomas Ganter

Woche 3 bei L&T: "Ware und Revival"

Joachim Grothus
L&T in Osnabrück musste ab dem 17. März seine Türen schließen.
L&T in Osnabrück musste ab dem 17. März seine Türen schließen.

Woche 3 des L&T-Lockdown. Die drängendsten Fragen der ersten Tage sind beantwortet: Liquidität gesichert. Die Mitarbeiter versorgt. Jetzt rückt die Wiedereröffnung stärker in den Fokus. Lässt sich eine Rabattschlacht vermeiden? Das Protokoll von Geschäftsführer Thomas Ganter.

Woche 3

TextilWirtschaft: Herr Ganter, was stand in der dritten Woche des Shutdowns bei Ihnen im Fokus?
Thomas Ganter: Wir haben die Themen Liquidität und Mitarbeiter bearbeitet. Worauf wir uns in dieser Woche begonnen haben zu konzentrieren, sind die Themen Ware und Revival, also die Wiedereröffnung. Über beiden Bereichen hängt allerdings die Unsicherheit, an welchem Tag wir nun tatsächlich eröffnen dürfen und unter welchen Bedingungen.


Wie gehen Sie mit der Unsicherheit um?
Wir halten uns in unseren Planungen an das bislang offiziell kommunizierte Datum, den 20. April. Ansonsten hat man ja einen bunten Blumenstrauß an Varianten und Möglichkeiten, das kann man gar nicht abarbeiten. Der 20. April ist das Datum, auf das wir alle hoffen und darauf bereiten wir uns vor.

L&T-Geschäftsführer Thomas Ganter
Mike Meyer
L&T-Geschäftsführer Thomas Ganter

Wie genau?
Kommunikation ist für uns ein ganz zentrales Thema. Wir denken viel darüber nach, was wir wie an welcher Stelle kommunizieren. An unsere Kunden, an unsere Mitarbeiter, an unsere Geschäftspartner, seien es Banken oder Lieferanten. Wir haben diese Woche einen Brief an unsere Lieferanten geschickt, um sie an unseren Überlegungen teilhaben zu lassen: Wo wir gerade stehen, wann wir mit welchen Themen auf unsere Partner zukommen werden. Das kam sehr gut an.


Das Thema Ware steht auch bei Ihnen weiter im Fokus. Wie ist Ihre Strategie für die Zeit unmittelbar nach der Wiedereröffnung?
Ich würde sehr, sehr gerne erst einmal wieder eröffnen. Wir haben bereits kurz vor der Schließung die frühen F/S Liefertermine reduziert. Wir arbeiten sehr intensiv mit unseren Kundendaten und werden hier gezielte Angebote vorbereiten. Alles hängt auch an dieser Stelle von den behördlichen Vorgaben ab. Mit einer kompletten Sale-Aussage zu kommen ist das letzte was wir möchten. Bei unseren Online-Kollegen zeichnet sich leider bereits schon heute eine andere Tendenz ab. Liquidität brauchen alle dringend.


Also ist die Rabattschlacht schon zur Wiedereröffnung unvermeidlich?
Ich bin sicher, dass das nicht ohne Reduzierteinstieg stattfinden wird. Es wird definitiv eine Vielzahl an Angeboten geben, die Frage ist nur, wie man sie gestaltet. Wir wollen, abgesehen von den Frühterminen und Stammkunden Angeboten, die große Rot-Aussage für später aufheben. Das ist aktuell der Plan.


Dann wäre die viel diskutierte Saisonverschiebung ganz in Ihrem Sinne.
Hier sehe ich eine große Chance in der Krise. Die Verlängerung der Saison wäre in der Tat ein großer Wunsch. Unsere Branche hat jetzt die Chance, das Thema Saisontiming endlich anzugehen. Die richtige Ware zum richtigen Saisonzeitpunkt. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass uns durch die Schließung Kennzahlen zur Ordervorbereitung fehlen. Durch eine Saisonverlängerung könnten wir Mitte/Ende August mit vernünftigen Saison-KPIs in die Order gehen. Zu diesem Zeitpunkt können wir dann auch entscheiden was wird eingelagert und mit welchen Themen müssen wir entsprechend ergänzen. Das gilt für Lieferant wie Händler. Konsequenter Weise müssen die Termine dann auch gleich von Januar in den Februar geschoben werden.


Die Premium soll auf Ende Juli verschoben werden, wenn der Juni-Termin aufgrund behördlicher Vorgaben nicht stattfinden kann. Die Pitti Uomo soll Anfang September stattfinden. Kommt Ihnen das entgegen?
Den Pitti-Termin Anfang September 2020 halte ich für zu spät, dann ist glaube ich das Thema durch. Ich würde gern bis Mitte September die Orderrunde abschließen, bzw. dann im Winter bis Mitte März. In der Wareneinsteuerung würde ich mit den hochwertigen Anbietern nicht bereits im November/Dezember einsteigen, sondern tatsächlich erst im Januar/Februar. Der Rest folgt dann entsprechend später.


Die Ware für Herbst/Winter 20 ist ja nun bereits geordert. Allerdings noch unter deutlich anderen Vorzeichen. Wie lösen Sie dieses Warenproblem?
Die Herbst/Winter Order haben wir uns noch nicht im Detail angesehen, weil wir viele zentrale Fragen zum Zeitpunkt noch nicht beantworten können. Wie läuft das Geschäft nach der Wiedereröffnung an? In welcher Situation befinden sich unsere Lieferanten? Wie planen die Hersteller den weiteren Ablauf? Können überhaupt noch alle platzierten Order produziert werden? Unser Fokus liegt aktuell auf der Frühjahr/Sommer-Saison. Wir bearbeiten ein Thema nach dem anderen.

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