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Europa-Vertriebschef des Wäschekonzerns im Interview

Arne Fensky von Triumph: "Die Umsatzeinbrüche sind beispiellos"

Triumph International
Arne Fensky: "Die Umsatzverluste im stationären Einzelhandel gleichen die Steigerungen im E-Commerce bei weitem nicht aus."
Arne Fensky: "Die Umsatzverluste im stationären Einzelhandel gleichen die Steigerungen im E-Commerce bei weitem nicht aus."

Der Wäschekonzern Triumph erlebt, wie alle, herausfordernde Zeiten. Neben der Sorge um Gesundheit und Wohl von Mitarbeitern und Geschäftspartnern gebe es die Ungewissheit, wie lange die freiwilligen und angeordneten Maßnahmen das Unternehmen belasten. Handelsstrukturen würden leiden, Umsätze fehlten, Lieferketten seien unterbrochen, erklärt das Unternehmen.

Doch bei all den Schwierigkeiten gebe es auch Lichtblicke: "Wir alle erleben eine neue Achtsamkeit, Solidarität und auch die Bereitschaft, kreative Lösungen zu finden und umzusetzen. Das ist ermutigend und wird sich hoffentlich auch nach dem Ende der Krise fortsetzen", sagt Arne Fensky, Head of Sales bei Triumph Europe. Der TextilWirtschaft hat der Manager weitere Fragen beantwortet.

TextilWirtschaft: Herr Fensky, wie agiert derzeit ein international tätiges Unternehmen?
Arne Fensky:
Mit Triumph und Sloggi verkaufen wir in rund 120 Märkten und  haben eigene Vertriebsniederlassungen in nahezu 50 Ländern und Regionen. Daher unterscheiden sich unsere Maßnahmen von Land zu Land, manchmal auch von Provinz zu Bundesland, von Kanton zu Präfektur. Selbstverständlich erfüllen wir sämtliche behördlichen Anordnungen und Empfehlungen und ergänzen diese häufig durch vorbeugende eigene Maßnahmen. In China und Teilen Südostasiens entspannt sich die Lage ganz langsam, Verkaufsflächen eröffnen zum Teil wieder, in den Werken wird gearbeitet, unsere Mitarbeitenden in China und Hongkong sind zurück im Büro.

Wie sieht es in den anderen Märkten aus?
In Japan, Europa und Amerika arbeiten die allermeisten unserer Mitarbeiter nun im Homeoffice und kommunizieren elektronisch. Unser großes Vertriebszentrum in Obernai in Frankreich operiert nur noch extrem reduziert, während der Betrieb in Wiener Neustadt aktuell noch aufrecht erhalten bleibt, natürlich unter hohen Sicherheits- und Hygieneauflagen. Aber die aktuelle Lage dort wird täglich mehrfach bewertet. Wir können nicht ausschließen, dass es auch dort zu Einstellungen des Betriebes kommt. Unser E-Commerce wird von einem separaten Verteilzentrum unseres Dienstleisters Avarto aus bedient und wäre daher davon nicht automatisch betroffen.

Versuchen Sie bei den eigenen Stores, die jetzt schließen mussten, Mieten neu zu verhandeln?
Mehr als 80% unserer Stores in Europa sind geschlossen. Wir gehen davon aus, dass das bald für sämtliche europäische Staaten gelten wird. Wir sind im steten Kontakt mit unseren Vermietern, um Lösungen zu erarbeiten, die den Bedürfnissen und Notwendigkeiten aller Seiten Rechnung tragen. Das können Mietstundungen sein, das kann auch bedeuten, dass wir, wo es geboten ist, gemeinsam staatlich angebotene Überbrückungsleistungen in Anspruch nehmen.

Was passiert mit dem Verkaufspersonal?
Selbstverständlich versuchen wir alles, um unser häufig langjähriges und hervorragend geschultes Verkaufspersonal während der Zeit der Store-Schließungen bei uns zu behalten. Hier unterscheiden sich die Möglichkeiten von Land zu Land. Zunächst versuchen wir, aufgelaufene Urlaubszeit und Überstunden abzubauen und, wo es möglich ist, Kurzarbeit einzuführen. Viel hängt natürlich davon ab, wie lange die Geschäfte letztendlich geschlossen bleiben müssen. Im Übrigen hatten wir schon von Anfang an, lange vor dem Greifen behördlicher Maßnahmen, sehr strenge Sicherheits- und Hygieneregeln zum Schutz unserer Kundinnen sowie unseres Verkaufspersonals eingeführt.

Setzen Sie verstärkt auf den Online-Kanal?
Unser E-Commerce ist seit langem ein wichtiger Vertriebskanal für uns. Wir stellen in vielen der Länder, in denen strenge Aussgangssperren herrschen, zum Teil sehr hohe Umsatzsteigerungen online fest, in Österreich etwa um mehr als das doppelte. Es muss aber auch deutlich gesagt werden: Die Umsatzverluste im stationären Einzelhandel gleichen diese Steigerungen bei weitem nicht aus.

Viele Menschen arbeiten derzeit im Homeoffice; steigt da die Nachfrage nach Loungewear?
Eine überproportional verstärkte Nachfrage nach Home- und Loungewear stellen wir bis jetzt noch nicht fest. Wir bieten selbstverständlich weiterhin unsere kompletten Kollektionen an, mit Fokus auf unserer neuen Innovation Fit Smart sowie den stets aktualisierten Konzepten der Amourette-Serie. Bei Sloggi wollen wir mit der Innovation Oxygene Infinite, dem wahrscheinlich leichtesten BH der Welt, neue Akzente im Markt setzen.

Gibt es andere kreative Lösungen, um Umsätze zu generieren?
Aktuell planen wir keine Änderungen an unserer Vertriebsstrategie. Wie immer werden wir eng und vertrauensvoll mit unseren Handelspartnern zusammenarbeiten, um die aktuelle, existenzbedrohende Situation so gut wie möglich für alle Beteiligten abzufedern.

„Wir haben begonnen, uns mit der Produktion von Mundschutzmasken auseinanderzusetzen.“
Arne Fensky, Triumph
Immer mehr Mode- und Textilfirmen stellen ihre Produktionen und Lieferketten um, um Schutzmasken zu produzieren.
Wir haben begonnen, uns mit der Produktion von Mundschutzmasken auseinanderzusetzen. In den vergangenen Tagen und Wochen haben wir diesbezüglich diverse Anfragen aus ganz Europa bekommen. Bereits im Februar haben wir in unserem eigenen Werk in China für die lokale Bevölkerung erfolgreich Mundschutzmasken produziert. Wir hoffen, so einen kleinen Beitrag im Kampf gegen das Virus leisten zu können und haben gleichzeitig die Möglichkeit, unsere freien Produktionskapazitäten zu nutzen. Schließlich wollen wir so vielen Personen wie möglich – etwa Patienten oder Pflegepersonal – Produktspenden zugänglich machen. Wir prüfen gerade die logistischen Voraussetzungen in den einzelnen Ländern. Nach Italien haben wir bereits mehrere Tausend Produkte gespendet.

Wie verfahren Sie mit den aktuellen Auslieferungen für Frühjahr/Sommer und der noch laufenden Vororder für Herbst/Winter?
Am 16. März haben wir eine automatische Liefersperre aller laufenden Aufträge der Marken Triumph und Sloggi veranlasst. Der Handel erwartet von uns aktuell in der Hauptsache Zahlungsaufschub und Warenstornierungen für Restlieferungen der Orders für Frühjahr/Sommer 2020. Teilweise erhalten wir auch Anfragen zu Teilstornierungen für Herbst/Winter 2020/21.

Was ist mit den Zahlungmodalitäten?
Teilweise setzen Verbände mit Zentralregulierungsverträgen einseitig ihre Zahlung von Dekadenzahlung auf Zahlung in die 3. Kondition (Zahlung in 60 Tagen) um. Es gibt sehr unterschiedliche Angebote aus dem Bereich der Lieferanten, was die Zahlungsmodalitäten angeht. Was davon optimal für beide Seiten ist, kann keiner so wirklich sagen, denn die Industrie kann nicht die volle Finanzierung dieser Krise übernehmen. Alle bereits eingesetzten Zahlungsmaßnahmen und Forderungen setzen unsere Liquidität als Lieferant besonders unter Druck. Wir müssen uns alle auf eine für beide Seiten verträgliche Vorgehensweise abstimmen und einigen. Daher versuchen wir, diese verträglichen Bedingungen zu definieren. Dies gilt sowohl für jetzt als auch für den Wiedereintritt in die Normalität.

Apropos Liquidität: Beantragen Sie Zuschüsse, Kredite, Kurzarbeitergeld usw.?
Wie in der gesamten Branche macht die aktuelle Krise sämtliche Jahresbudgets, Kalkulationen und Planungen zu Makulatur. Die Umsatzeinbrüche sind beispiellos und in diesem Geschäftsjahr durch nichts wieder einzuholen. Triumph prüft in jedem Land, in dem es operiert, welche Möglichkeiten es gibt, um die Verluste aufzufangen und den Geschäftsbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten und Mitarbeitende auch über einen längeren Zeitraum zu halten. Dazu gehören sämtliche angebotenen Instrumente, in Deutschland z.B. Kurzarbeit.
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