Wilhelm-Lorch-Stiftung

"Der Preis kann Türen öffnen für den Eintritt in die Branche "

Thomas Fedra
Für den Branchen-Nachwuchs ein wichtiges Highlight zu Beginn der Karriere: Die Vergabe der Förderpreise der Wilhelm-Lorch-Stiftung.
Für den Branchen-Nachwuchs ein wichtiges Highlight zu Beginn der Karriere: Die Vergabe der Förderpreise der Wilhelm-Lorch-Stiftung.

TW-Geschäftsführer Markus Gotta und Prof. Maike Rabe, Dozentin an der Hochschule Niederrhein, haben viel vor an der Spitze der Wilhelm-Lorch-Stiftung.

Herr Gotta, Sie sind seit einem Jahr in der Geschäftsführung des Verlages für die TW verantwortlich und seit Ende 2020 auch Vorstand der Wilhelm-Lorch-Stiftung. Was möchten Sie der jungen Generation zurufen?
Markus Gotta: Zunächst einmal sind beides sehr besondere Aufgaben für mich und unser Haus. Die TW ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen, sie ist das Gründungsmedium unserer Mediengruppe – wir feiern in diesem Jahr 75. Geburtstag. Das ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, die mit dem Namen unseres Gründers Wilhelm Lorch eng verbunden ist und die in der Wilhelm-Lorch-Stiftung ihre Fortsetzung findet. Für Wilhelm Lorch war Nachwuchsförderung eine Herzensangelegenheit. Daran hat sich auch für uns bis heute nichts geändert.

TW-Geschäftsführer Markus Gotta: "Die Digitalisierung ist auch eine Chance für den stationären Handel, es gibt die Möglichkeit, Kunden noch zielgenauer zu erreichen, über Social Media-Kanäle direkt anzusprechen und sie zu binden."
dfv/Wonge Bergmann
TW-Geschäftsführer Markus Gotta: "Die Digitalisierung ist auch eine Chance für den stationären Handel, es gibt die Möglichkeit, Kunden noch zielgenauer zu erreichen, über Social Media-Kanäle direkt anzusprechen und sie zu binden."
Was will die Arbeit der Stiftung bewirken?
Markus Gotta: Erst einmal muss es darum gehen, junge Menschen für die Branche zu gewinnen, die besten Talente zu identifizieren und sie dann gezielt zu fördern. Aber auch darum, die stete Veränderung abzubilden, Umbruch und Transformation, vom Handel bis zur Supply Chain, vom POS bis zum Produkt – und damit verbundene neue Berufsbilder zu erkennen und in unsere Stiftungsarbeit einfließen zu lassen.


Mit Maike Rabe haben Sie, anders als in früheren Jahren keine Unternehmerin, keinen Unternehmer an der Spitze des Stiftungsrates. Wie verändert die Stimme aus der Wissenschaft die Arbeit in der Stiftung.
Markus Gotta: Wir sind sehr froh, Frau Prof. Rabe bei uns zu haben. Durch ihre tägliche Arbeit an der Hochschule Niederrhein erlebt sie alle Themen rund um Aus- und Weiterbildung hautnah und unmittelbar. Mit ihrer Kompetenz und der unserer hochkarätigen Kuratoriums- und Stiftungsratsmitglieder bin ich sicher, dass wir die Stiftung inhaltlich und in ihrer Ausstrahlung in die Branche auf eine neue Ebene heben können.

Prof. Dr.-Ing. habil. Maike Rabe: "Die Preisträgerinnen und Preisträger werden immer zu Vorbildern für die nachfolgenden Semester."
Hochschule Niederrhein
Prof. Dr.-Ing. habil. Maike Rabe: "Die Preisträgerinnen und Preisträger werden immer zu Vorbildern für die nachfolgenden Semester."

Frau Rabe, Sie tun das alles ehrenamtlich. Was hat Sie motiviert, vor gut einem Jahr diese Rolle zu übernehmen?
Maike Rabe: Ich fühle mich den Zielen der Stiftung sehr verpflichtet. Durch meine berufliche Tätigkeit als Hochschulprofessorin erlebe ich ja tagtäglich, wie wichtig die Förderung der Aus- und Fortbildung talentierter Nachwuchskräfte heute und in Zukunft ist. Ich sehe, wie sie sich in Ausbildung und Studium enorm einsetzen, wie viele bemüht sind, beste Ergebnisse zu erzielen und sich einen tollen Einstieg in die Berufswelt zu erarbeiten. Hier bietet die Stiftung einen positiven Anreiz für alle und eine tolle Bestätigung, wenn es mit der Nominierung oder am Ende gar dem Preis geklappt hat.
Die Wilhelm-Lorch-Stiftung
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Und wenn es dann geklappt hat, wie nehmen die anderen an der Uni das dann wahr?
Die Preisträgerinnen und Preisträger werden immer zu Vorbildern für die nachfolgenden Semester. Außerdem bringen sie auch ein wenig von dem Glanz an ihre jeweilige Hochschule oder den Ausbildungsbetrieb zurück, worauf auch andere sehr stolz sein können. Und ganz klar: Der Preis, ein spannender Bericht in der TW oder auch die qualifizierenden Fortbildungen, die durch die Förderung ermöglicht werden, das alles kann Türen öffnen für die erste Stelle in der Branche.


Herr Gotta, wo sehen Sie in der Branchenwirklichkeit aktuell die größten Herausforderungen?
Markus Gotta: Ich denke, grundsätzlich geht es der Textilbranche wie allen anderen Branchen auch, wir befinden uns in einer nun seit sicher 20 Jahren andauernden digitalen Transformation. Wir, als Verlagshaus, erleben ein radikal verändertes Mediennutzungsverhalten, durch Tablets, Smartphones – digitale Kommunikation und Information ist jederzeit, von jedem und an jedem Ort möglich, das hat Auswirkungen auf unser Geschäft. Wir erwirtschaften 30% unserer Erlöse über neue technologische Kanäle. Da gibt es starke Parallelen auch im Fashion Business.


Woran denken Sie?
Markus Gotta: Nehmen Sie den Handel, auch hier spielen die großen digitalen Absatzkanäle von Amazon, Zalando oder About You eine immer bedeutendere Rolle. Zugleich zeigt sich: Die Digitalisierung ist auch eine Chance für den stationären Handel, es gibt die Möglichkeit, Kunden noch zielgenauer zu erreichen, über Social Media-Kanäle direkt anzusprechen und sie zu binden. Mit all diesen Themen beschäftigt sich nicht nur die Redaktion der TW, es sind zunehmend auch die Themen für die Arbeit in der Stiftung.


Die nächste Generation ist mit neuen Prioritäten konfrontiert.
Markus Gotta: Ja, und das wissen alle auch. Dennoch: Für diese Veränderungen braucht es neue Kompetenzen, neues Know-how, das sich in den Anforderungen einer zukunftsichernden Personalentwicklung wiederfindet, all dies gilt es in unseren künftigen Ausschreibungen zu berücksichtigen, so dass wir die Branche noch zielgenauer mit jungen Talenten verbinden können.


Frau Rabe, hat das Denken der Jungen Einfluss aufs Establishment
Maike Rabe: Das glaube ich schon. Die aus meiner Sicht oft wunderbaren Abschlussarbeiten konfrontieren die seit längerem in der Branche tätigen Fachleute mit neuen Fragen, fordern sie heraus und rütteln wach. Denn hier, in diesen Arbeiten, werden oft modische Ideen, hoch aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft und Technik oder auch spannende Maßnahmen für das Business im Handel zum Ausdruck gebracht, die im Alltag leicht untergehen. Auf die Preisverleihung Anfang Juli bin ich sehr gespannt und auch auf das Echo auf die wirklich interessanten Projekte. Ich bin überzeugt, dass die Wilhelm-Lorch-Stiftung direkt junge Talente fördert und indirekt die Fachexperten gleich mit.


Herr Gotta, was würde Sie glücklich machen am Ende dieses Jahres im Sinne der Wilhelm-Lorch-Stiftung?
Markus Gotta: Dass wir die Branche von der Arbeit der Stiftung weiterhin und noch mehr als zuletzt überzeugen konnten. In all den Jahren haben wir großartige Unterstützung erfahren, namhafte Persönlichkeiten sind und waren im Kuratorium und Stiftungsrat engagiert, ihre Erfahrungen, ihr Wissen ist für unsere Arbeit von größtem Wert. Ohne die Unterstützung von Menschen und Unternehmen können wir unsere Ziele nicht erreichen. Auch in Zukunft brauchen wir das Vertrauen in unser Wirken. Ich hoffe und bin auch überzeugt, dass uns dies weiterhin gelingen wird.
Die Wilhelm-Lorch-Stiftung

Die Wilhelm Lorch-Stiftung wurde erstmals im Juni 1988 vorgestellt. Sie trägt bewusst den Namen des 1966 verstorbenen Verlegers und Gründers der „TextilWirtschaft“ und damit der dfv Mediengruppe. Jedes Jahr werden Nachwuchstalente der Branche, Studierende sowie Hochschulen ausgezeichnet und gefördert. Über die Vergabe der Preise entscheidet das Kuratorium, dem die Mitglieder des Stiftungsrates, der jeweilige Gesamtverantwortliche der TextilWirtschaft, der Stiftungsvorstand sowie bis zu zehn weitere Mitglieder angehören.

Die Wilhelm-Lorch-Stiftung hat seit ihrer Gründung Förderpreise in Höhe von rund 1.93 Mio. Euro (Stand Juli 2020) verliehen. Die Vergabe der Förderpreise erfolgt im Rahmen des Forums der TextilWirtschaft, der großen Branchenveranstaltung, zu der die dfv Mediengruppe jährlich einlädt.

In diesem Jahr findet die Prämierung einmalig als separate Veranstaltung statt. Termin ist: 5. Juli, 15 bis 18 Uhr, live in Frankfurt und digital für alle Interessierten.

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