Der Sabu-Chef Stephan Krug im TW-Gespräch

"Der Schuhhandel ist schon lange nicht mehr auf Rosen gebettet"

Sabu
Stephan Krug: "Wer es logistisch hinbekommt, sollte online verkaufen über Plattformen wie Zalando, Otto, Mytoys, Amazon, Schuhhelden oder Spartoo."
Stephan Krug: "Wer es logistisch hinbekommt, sollte online verkaufen über Plattformen wie Zalando, Otto, Mytoys, Amazon, Schuhhelden oder Spartoo."

Der Sabu ist in diesen Tagen wie auch die anderen Einkaufsverbände vollauf damit beschäftigt, die Anschlusshäuser zu unterstützen und zu beraten sowie mit den Lieferanten zu reden. Ein vieldiskutiertes Thema derzeit ist eine mögliche neue Saisontaktung.

Dazu hat der Heilbronner Verbund nun einen offenen Brief an alle Teilnehmer im Schuhmarkt geschickt. Denn selbst wenn die ersten Geschäfte Ende April oder Anfang Mai unter bestimmten Auflagen wieder geöffnet werden dürften, sei es fast unmöglich, in der Kürze der noch zur Verfügung stehen Rest-Saison die vorhandenen Warenlager auch nur annähernd zu verkaufen, gibt Sabu-Geschäftsführer Stephan Krug zu bedenken. "Um mehr Saisonware verkaufen zu können, schlagen wir deshalb vor, die Abverkaufszeit für Ware der Saison Frühjahr/Sommer 2020 um mindestens sechs Wochen zu verlängern."

In der Folge sollte dann die Auslieferung der Ware für Herbst/Winter 2020/21 ebenfalls mindestens vier bis sechs Wochen später erfolgen. Für die Saison Frühjahr/Sommer 2021 sollten dann Order- und Messetermine um vier Wochen nach hinten rücken, was ebenfalls spätere Auslieferungstermine und eine um einen Monat verschobene Verkaufszeit mit sich bringen würde.

"In Anbetracht des Shutdown sollten sich alle Händler der gemeinsamen Verantwortung bewusstwerden und die Zeit der Preisreduzierungen freiwillig um einen Monat und der Höhe nach moderat hinauszuzögern", appeliert der Sabu weiter. "Wir brauchen jetzt Ruhe und Besonnenheit, um Industrie und Handel, Verbände und Messeveranstalter wieder neu und professionell auf die Post Shutdown-Zeit aufzustellen."

Sabu-Chef Stephan Krug stand außerdem der TW Rede und Antwort zur aktuellen Situation.

TextilWirtschaft:
Herr Krug, wie geht es Ihnen?
Stephan Krug:
Vielen Dank, es ist alles in Ordnung. Nach einer Reise nach Tirol musste ich zwar zwei Wochen in Quarantäne, der Corona-Test fiel jedoch negativ aus.

Wie ist die Stimmung bei den Schuhhändlern?
Die Situation ist sehr frustrierend. Der Mittelstand wartet dringend auf die Finanzierungshilfen, dabei ist es schon fünf nach zwölf.

Welche Aufgabe hat der Sabu in dieser Zeit am vordringlichsten?
Wir sind die Schnittstelle zwischen Industrie und Handel, zurzeit vor allem hinsichtlich der Finanzierung der Händler. So können wir dank unserer eigenen Bank die Zahlungen der Händler stunden und die Ware der Lieferanten zeitnah bezahlen, so dass diese keine Ausfälle haben. Damit erkaufen wir dem Handel Zeit. Allerdings darf sich diese Situation nicht allzu lange hinziehen, damit wäre dann auch unsere Bank überfordert. Kurzfristige Finanzierungen sind zu stemmen, die derzeitigen Schwierigkeiten sind die staatlichen Hilfen, die weite Teile des Mittelstandes nicht abdecken. KfW-Kredite sind ein probates Mittel, aber die Beantragung dauert zu lange. Auch die geforderten Garantien der Hausbanken über 20% sind zu hoch und die Rückzahlungsfristen von fünf Jahren zu kurz. Acht Jahre wären besser.

Weil der Schuhhandel eh schon unter Druck steht?
Der Schuhhandel ist schon lange nicht mehr auf Rosen gebettet. 2018 war das Jahr schlecht wegen des langen Sommers, 2019 war auch nur mittelmäßig. Viele Geschäfte handeln knapp auf Kante genäht. Und die Naht droht jetzt zu platzen. Wobei es durchaus auch Händler gibt, die gut aufgestellt sind und sagen, einen Monat können wir zur Not durchstehen. Das Problem ist, dass die neue Ware bezahlt in den Läden eingeräumt ist und nicht verkauft werden kann, während Herbst/Winter schon bald vor der Tür steht.

Wie gehen Sie damit um? Sind Stornierungen möglich?
Natürlich fragen wir die Lieferanten ab, aber man muss auch ihnen gegenüber fair bleiben, denn sie haben ja rechtsverbindliche Aufträge. Die Herbst- Kollektionen sind entwickelt und befinden sich in der Produktion. Das kann nicht mehr gestoppt werden. Sinnvoll wäre eine Verschiebung der Saison um mindestens einen Monat nach hinten.

Wie stehen die Chancen dafür?
Vorgeben kann man das natürlich nicht, aber damit wäre allen geholfen. Etliche Lieferanten wären einverstanden, wenn sie so Stornos verhindern könnten. Auch die Saison Frühjahr/Sommer 2021 würde durch die Verschiebung deutlich entspannt.

Und die Messen?
Wir schauen auf die Premium und die Gallery Shoes. Wenn die nach hinten rücken, verschieben wir auch unsere Hausmesse.

Gibt es eigentlich Ihrer Ansicht nach Unterschiede in dieser Krise zwischen dem Mode- und dem Schuhhandel?
Thematisch sehe ich keine Unterschiede. Alle stehen vor der gleichen Frage: Wie gehe ich mit vier Wochen Umsatzausfall um? Allerdings sind die Segmente verschieden getaktet. Bei Schuhen wird ein Großteil der Vororder in einem Ordertermin mit verschiedenen Lieferterminen gekauft. Und die Vororderquote liegt mit rund 80% im Gegensatz zu Fashion wesentlich höher, wo meines Erachtens rund 60% üblich sind. Die Schuhhändler haben somit bereits jetzt mehr Ware im Laden. Von der Herbst-/Winter-Order sind geschätzt 65% auf dem Block.

Kann der E-Commerce Umsatzausfälle auffangen? Der Sabu hat bislang keine eigene Verkaufs-Plattform. Was raten Sie den Anschlusshäusern?
Wir haben uns vor vier Jahren dazu entschieden, nicht selbst Käufer und Verkäufer mit einer eigenen Plattform zu werden, sondern die Direktanbindung unserer Händler an die relevanten Plattformen zu forcieren. Wer es logistisch hinbekommt, sollte online verkaufen über Plattformen wie Zalando, Otto, Mytoys, Amazon, Schuhhelden oder Spartoo. Einige Plattformen bieten auch Unterstützung an, so hat Zalando wohl die Provision ausgesetzt, andere stellen das Onboarding kostenlos zur Verfügung. Als Verband und Dienstleister bieten wir verstärkt Beratung zu E-Commerce, digitalem Marketing und den Umgang mit den sozialen Medien an. Dazu gibt es auch einen Sondernewsletter. Übrigens stellen wir in dem Zusammenhang auch eine starke Dynamik auf Sabu.de fest, wo wir neben der Visitenkarte das digitale Schaufenster und Click & Reserve anbieten.

Sie bieten auf der Seite vor allem eine regionale Suche nach Händlern und Produkten.
Und hier registrieren wir viele Neuanmeldungen. Die regionale Suche boomt. Viele Kunden nutzen die Click&Reserve-Funktion. Sie sehen die Sortimente der Händler online, wählen ein Produkt aus, und der Händler verschickt die Ware im Ort. Diese regionale Form von E-Commerce bekommt eine neue Bedeutung. Ebenso wie die sozialen Medien, entweder auch als zusätzlicher Verkaufskanal oder um den Kontakt zu den Kunden zu halten. Die digitale Kundenansprache ist viel wichtiger geworden.

Wird die Rolle bzw. die Bedeutung der Einkaufsverbände nach der Krise eine andere sein?
Durch die Krise steigt die Wertschätzung für die Verbände; dies übrigens auch seitens der Lieferanten, weil wir hier für Zahlungssicherheit und kurzfristige Finanzierung gesorgt haben. Für die Händler haben wir quasi die Rolle der KfW eingenommen. In dem Bereich können wir uns vorstellen, die Dienstleistungen für den Handel weiter auszubauen, um in Zukunft auch eine mittelfristige Finanzierung anbieten zu können – selbst oder über Dienstleister. Generell ist die Lobby der Branche aber noch zu schwach. Unsere Interessen werden nicht ausreichend in der Politik vertreten. Wir arbeiten bereits mit dem Mittelstandsverbund ZGV zusammen, dies wollen wir künftig weiter ausbauen. Generell entstehen in der Krise viele kreative Ideen, die sich fortsetzen lassen.

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