So steht es um die weltweite Logistik

Beschaffungsmanagement mit Bremsblöcken

Imago / Arnulf Hettrich
In den internationalen Lieferketten hakt es aktuell an vielen Stellen.
In den internationalen Lieferketten hakt es aktuell an vielen Stellen.

Auf der Online-Veranstaltung der dfv Mediengruppe, zu der auch die TW gehört, zeigten Supply-Chain-Experten, wie es um die globale Logistik bestellt ist.

Mit der Corona-Pandemie ist die weltweite Versorgung ins Stocken geraten und spätestens mit dem Feststecken des riesigen Containerschiffs "Evergiven" im Suezkanal ist das Thema der volatilen Logistik nicht mehr branchenexklusiv. Wie das in der Praxis aussieht, hat Reiner Göths, Vertriebsleiter und Prokurist beim Importeur Kreyenhop & Kluge, im Zuge der Veranstaltung erklärt.

Mit der wachsenden Beliebtheit der asiatischen Küche in anderen Kontinenten steigt für ihn seit Jahren die Nachfrage. Entsprechend früh bemerkte er das Ausmaß der Pandemie: "Geschlossene Fabriken in China haben zu einem Rattenschwanz an Problemen geführt. Besonders die Verpackungen waren davon betroffen", schildert er. Besonders hart hat ihn die Preiserhöhung in der Containerlogistik getroffen: "Wenn man für Ware im Wert von 70.000 Dollar zusätzlich 20.000 Dollar Transportkosten bezahlen muss, steht man vor einer schweren Entscheidung.

Lehnt man ab und spart sich die horrenden Kosten oder nimmt man an und hält damit die Kunden bei Laune? Deutschland ist bei Preiserhöhungen, die dann weitergegeben werden müssen, sehr sensibel. Das trifft auf wenig Verständnis in Fernost. Dort heißt es, dass die ganze Welt die Preiserhöhungen versteht, nur das reiche Deutschland nicht."

Für Göths steht daher fest, dass es mehr Preistransparenz in der Branche braucht. Außerdem fordert er mehr Mut seitens der Händler, die sich seiner Meinung nach gegenüber interessanten Produkten aus Asien gegenüber zu oft verschließen. Man solle doch den Endkonsumenten entscheiden lassen, was eine Listung wert ist, und was nicht.

„Man solle doch den Endkonsumenten entscheiden lassen, was eine Listung wert ist, und was nicht.“
Reiner Göths

Michael Arretz, Geschäftsführer von VFI e. V. German Importers, schätzt die Lage ernst ein: "Die Logistik ist nicht mehr so nahtlos wie früher", lautet sein Fazit. Grund dafür sind viele Faktoren, wie etwa die zurückhaltende Stimmung in China und die extrem gestiegenen Containerkosten.

Er gibt einen Überblick: Während der Transport von Asien nach Europa eines 40-Fuß-Containers, in dem rund 35.000 T-Shirts Platz haben, im November 2020 noch 1.700 US-Dollar gekostet hat, stieg der Preis bis Januar 2021 auf 9.000 Dollar. Mittlerweile rechnet er mit 12.000 Dollar pro Container.

Einen Überblick zu der Entwicklung dieser Kostenexplosion lieferte Maurice Kiel, Reefer Development Manager Germany bei Kühne+Nagel. Durch die Pandemie kam es zu einem Nachfragewachstum. Er führte als Beispiel an, dass er im ersten Lockdown wesentlich mehr Zeit für Gartenarbeit übrig hatte. Bei den Rasenmähern war die Auswahl jedoch beschränkt, da die liefernden Frachtschiffe nicht fuhren.

Dieser Equipment-Mangel führte zu steigenden Frachtraten und schließlich zu einer Überlastung der vorhandenen Infrastruktur. Neue Schiffe würden die Werften nur langsam verlassen und eher alte Vehikel ersetzen als die Flotten ergänzen. Das Resultat: Durchschnittlich trifft aktuell jedes Schiff weltweit eine Woche später ein, als veranschlagt. Seine ernüchternde Prognose: "Wir werden das Pre-Corona-Niveau nicht mehr erreichen."

Abschließend gab der Rechtsanwalt Thomas Klindt von der Kanzlei Noerr einen juristischen Blick auf das Thema. Er versteht zwar, dass niemand entlang der Supply Chain die entstehenden Mehrkosten durch die massiv gestiegenen Frachtraten alleine tragen möchte, mahnt jedoch: "Die Weitergabe von erhöhten Preisen könnte zu Kartellabsprachen führen."

Des Weiteren stellte er eine wichtige Frage in den Raum: Da sich durch Corona die Rahmenbedingungen der Wirtschaft massiv verändert haben - was bedeutet das für Verträge, die aktuell nicht mehr zustande kommen können? Er glaubt, dass die Politik sich diesbezüglich mehr einmischen, und die reine Preissteuerung der Logistik-Branche nicht mehr ausschlaggebend sein wird.

„Die Weitergabe von erhöhten Preisen könnte zu Kartellabsprachen führen.“
Rechtsanwalt Thomas Klindt
Die nächste Online-Veranstaltung des dfv sind die Sustainability-Days am 14. und 15. März. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Dieser Text erschien zuerst auf www.cash.at.

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