Pilotfilialen in Frankfurt, Kassel und Kleve eröffnet

Jetzt gibt es nur noch "Galeria" − und so sieht's aus

Euijae Kim
Spektakuläre Location für den Sundowner mit Skyline-Blick: Die neue SkyLounge des Galeria-Hauses an der Frankfurter Zeil.
Spektakuläre Location für den Sundowner mit Skyline-Blick: Die neue SkyLounge des Galeria-Hauses an der Frankfurter Zeil.

Drei Eröffnungen in drei Städten mit drei Formaten an einem Tag − das hat es nach Ansicht von Miguel Müllenbach wohl im Warenhaussegment noch nicht gegeben. Sein Galeria-Konzern jedoch hat am heutigen Mittwoch mit dem offiziellen Start der Strategie "Galeria 2.0" den Dreisprung in Frankfurt, Kassel und Kleve gewagt − und damit auch bei beiden Traditionsnamen Karstadt und Kaufhof abgelegt. Es gibt nur noch "Galeria"

"Ich freue mich sehr, dass unser Unternehmen jetzt unter einem Namen vereint ist", so Müllenbach. Beim Start im umgebauten Haus an der Frankfurter Zeil sagte er: "Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden." Mit dem neuen Konzept will Deutschlands letzter Warenhauskonzern nach Jahren der Krise vor allem wieder attraktiver werden und mehr höherwertige Ware verkaufen.

Das Haus ist um rund 10.000 auf 30.000m² erweitert und großflächig umgebaut worden. Rund 800 Euro pro Quadratmeter wurden für das grundlegende Refreshment in die Hand genommen, Lieferantenleistungen inklusive. Frankfurt ist in der neuen Dreier-Clusterung der 131 Filialen eines der sogenannten Weltstadthäuser, von denen es im Portfolio laut Müllenbach auf Dauer zehn bis 14 Standorte geben soll.

Premiere am Main: Galeria neu in Frankfurt



Die Top-Kategorie richtet sich auch an ausländische Touristen und bietet Marken wie Hugo Boss und Polo Ralph Lauren an. Dazu eine große Markthalle, ein Restaurant − über den externen Zugang können Gäste auch außerhalb der Warenhaus-Offnungszeiten kommen − sowie eine Rooftop-Bar mit tollem Blick auf die Dächer der Stadt samt der Fassaden ihrer Hochhäuser.

Bestimmender für die Identität der Warenhauskette im Besitz der österreichischen Signa dürfte indes die Kategorie der "regionalen Magneten" werden, von denen es rund 50 geben soll. Kassel ist hier der Pilotstandort. In der nordhessischen Filiale wie in der gesamten Kategorie ist − angepasst an den Wettbewerb vor Ort − der Anteil der Premiummarken geringer, der von Eigenmarken und lokalen Produkten höher.

Vor allem soll es gegenüber früher mehr und andere externe Dienstleistungen auf der Fläche geben, etwa einen Sneaker-Reinigungs-Service und eine Vertretung der Stadtverwaltung. Hier sollen Kunden nicht nur ihre Autos an- oder abmelden können. Sie bekommen bei Bedarf auch aus einem speziellen Drucker erstmal in einem Warenhaus einen Ausdruck ihres polizeilichen Führungszeugnisses, wie Müllenbach ausdrücklich erwähnte.

"Lokale Foren" als Basis

Die Basis des Warenhaus-Parks von Galeria bilden die "lokalen Foren" mit einem Nachbarschaftskonzept und ebenfalls einem hohen Anteil an regionalen Produkten. In dieser Kategorie ist Kleve das erste Haus, das umgeflaggt wurde und am Mittwoch in neuem Gewand an den Start ging.

Das Cluster-Prinzip soll flexibel sein: "Jedes Haus kann sich natürlich in die nächste Kategorie weiterentwickeln", sagte Müllenbach. Der Kern des Sortimentes sei in allen Clustern vergleichbar, je nach Einordnung würden Gewichte und Schwerpunkte allerdings mehr oder weniger stark verschoben. So solle es auch in Kassel Top-Marken geben, aber deutlich weniger als in Frankfurt.

Online: Umsatz soll sich vervierfachen

Die stationäre Dreiteilung wird online von einem neuen Web-Auftritt ergänzt. Müllenbach will den Online-Umsatz von zuletzt rund 200 Mio. Euro "in den nächsten Jahren vervierfachen". Der Einkauf läuft zentral für alle drei Cluster und den E-Commerce über eine Organisation.

Die vollständige Umstellung auf den Namen "Galeria" könne einige Jahre Zeit dauern, sagte Finanzchef Guido Mager: "Jedes Haus, das wir anfassen, bekommt natürlich sofort den neuen Namen". Und angefasst wird laut CEO Müllenbach in den kommenden Jahren jede Filiale. Etwa 60 − und damit nahezu jede zweite − bekomme sogar einen Komplettumbau. Dafür − und für eine E-Commerce-Offensive − stünden, wie bereits zuvor berichtet, für die nächsten Jahre rund 600 Mio. Euro zur Verfügung. Welchen Teil davon die Umflaggung selber verschlingt, war nicht zu erfahren.

2500 neue Mitarbeiter

Investiert hat das Unternehmen nach Angaben seines Chefs bereits ins Personal − und sich damit, nach deutlichem Stellenabbau in den vergangenen Jahren, eines ewigen Kritikpunktes angenommen. 2500 neue Mitarbeiter, was rund 1600 Vollzeitstellen entspreche, habe das Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit eingestellt. "Das ist auch ein Signal dafür, dass wir an die Innenstadt glauben − und an das Warenhaus-Geschäft".

Die Anstrengungen haben das Haus direkt an Frankfurts innerstädtischem Verkehrsknotenpunkt Hauptwache deutlich aufgewertet: "Mehr Fläche, mehr Licht, mehr Offenheit", sei der Leitfaden gewesen, sagte der Chef des Hauses, Frank Bertsch. Viele weiße Flächen in Kombination mit hellem Holz, großen Fenstern und modernem Licht lassen wenig Erinnerung an ein "Kaufhaus" aufkommen. Einzelne Teile von Kollektionen werden etwa durch gleissende Rahmen aus Licht ünübersehbar herausgestellt.

"Fläche nicht mit Ware zustellen"

"Wir wollten die Fläche nicht komplett mit Ware zustellen", so Bertsch. Und so sind tatsächlich viele breite Gänge entstanden und Flächen, die ohne große Umbauten immer wieder neu bespielt werden können - insbesondere um die Rolltreppen herum. Zu den umliegenden Straßen hin öffnen sich große Fenster. Das Haus und die Stadt rückten damit noch enger zusammen.
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