Finanzexperten mandatiert

Highsnobiety rüstet sich für mögliche Übernahme

Highsnobiety
David Fischer ist Gründer und CEO von Highsnobiety.
David Fischer ist Gründer und CEO von Highsnobiety.

Die Online-Plattform mit Hauptsitz in Berlin trifft Vorkehrungen für eine mögliche Übernahme. Berichten zufolge hat das Unternehmen Finanzexperten damit betraut.

Die Verschmelzung von Content und Commerce schreitet voran. Insbesondere im Streetwear- und Luxus-Business. Davon profitiert die Plattform Highsnobiety. Gerade erst hat der Player unter anderem dafür den renommierten TW Forum-Preis 2020 erhalten. Seit der Gründung 2005 ist das Unternehmen deutlich gewachsen, zählt international inzwischen rund 200 Mitarbeiter. Neben dem Headquarter in Berlin gibt es Dependancen in New York, London, Tokio und Sydney. Jüngst wurde zudem ein Office in Amsterdam eröffnet. Mit seinen Aktivitäten ist Highsnobiety offenbar verstärkt ins Blickfeld möglicher Käufer geraten.

Wie die New York Times (NYT) mit Berufung auf Insiderkreise berichtet, hat das von David Fischer gegründete Unternehmen die Investmentbank LionTree damit beauftragt, Vorkehrungen für einen möglichen Inhaberwechsel zu treffen. Laut NYT steht Highsnobiety 2021 für einen Umsatz von 60 Mio. US-Dollar (rund 51 Mio. Euro). Das Unternehmen kommentiert die Berichte auf TW-Anfrage nicht. Unternehmenskenner gehen davon aus, dass der Schritt eine Reaktion auf gestiegenes Käuferinteresse ist. Nicht zuletzt die vergangenen Lockdowns haben in vielen Firmen den Druck erhöht, neue Digital-Formate und -Strategien zu entwickeln.

Doch für wen könnte Highsnobiety ein lohnendes Investment sein? Branchenkenner sehen weniger einzelne Marken, sondern eher klassische Medienhäuser auf der einen Seite sowie Markenkonglomerate wie LVMH, Kering oder VF und Plattformen wie Farfetch auf der anderen Seite als mögliche Kandidaten. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere aus den USA Interessenten kommen − hier erreicht Highsnobiety einen Großteil seiner Audience − sowie aus Europa oder auch Asien, wo das Unternehmen ebenfalls präsent ist. Dass Gründer und CEO David Fischer Investoren nicht grundsätzlich ablehnend gegenübersteht, zeigt das Engagement von Felix Capital: Anfang 2018 investierte das britische Venture Capital-Unternehmen 8,5 Mio. Dollar in Highsnobiety.

Dass die Erstellung aufwendiger (Digital-)Inhalte in der Fashion- und Lifestyle-Branche an Relevanz gewinnt, zeigen Initiativen wie die der einstigen Jacken- und heutigen High Fashion-Marke Moncler, die jüngst auf der Mailänder Fashion Week ein multimediales Spektakel abgefeuert hat. Auch E-Commerce-Player buhlen um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden und investieren kräftig in neue Formate. So hat About You kürzlich die erste internationale Kampagne lanciert und dazu Megastar Kendall Jenner verpflichtet und eine ausgefeilte Content- und Product Launch-Dramaturgie erarbeitet.

Highsnobiety gilt als wichtige Adresse, wenn es um die Deutungshoheit von Trends und Produktkonjunkturen unter Millennials und der Gen-Z geht. Neben Fashion hat das Unternehmen seinen inhaltlichen Radius auf weitere popkulturelle Themen wie Music, Gaming, Mobility und Entertainment erweitert. Zudem ist Highsnobiety inzwischen selbst Retailer und verkauft auf der eigenen Seite Fashion- und Lifestyle-Produkte sowie Styles der Eigenmarke.

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