Digitales Kulturevent statt Modenschau

London Fashion Week legt neues Event-Konzept vor

Martin Veit

Die Fashion-Weeks müssen sich in Zeiten von Covid-19 verändern. Den ersten Vorschlag präsentiert London. Designer haben die Gelegenheit, sich im Juni auf einer digitalen Plattform zu präsentieren. Mit Podcasts, Videos und virtuellen Showräumen. Nicht nur gegenüber dem Fachpublikum, sondern auch dem Endkunden.

Die Londoner Fashion-Week prescht als erste mit einem Konzept in Zeiten von Covid-19 vor. Die Veranstalter des British Fashion Council (BFC) feilen an einer digitalen Plattform, auf der sowohl Damen- als auch Männerkollektionen gezeigt werden.


Es ist gut möglich, dass die Londoner Initiative ein Echo in den anderen Modemetropolen Mailand, New York und Paris auslöst. Wegen der Covid-19-Pandemie sind alle vier Fashion-Weeks dazu angehalten, sich neue Formate zu überlegen. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: das Digitale, das Verschmelzen von Damen- und Herrenschauen sowie das Vermischen von B2B mit B2C, also die Öffnung für das Publikum.

Die Londoner Fashion Week scheint alle drei Aspekte zu berücksichtigen. Die Rede ist von einem dreitägigen „digitalen Showcase“ ab dem 12. Juni. Die Plattform soll „genderless“ sein und nicht nur der Fachpresse und den Einkäufern, sondern auch dem breiten Publikum offen stehen.

Dabei soll es den Designern freistehen, wie sie ihre Kollektionen vorstellen. Die Spanne reiche von Interviews, Meinungsbeiträgen, Tagebucheinträgen, Podcasts, Video-Erzählungen bis hin zu virtuellen Showräumen. Es solle nicht nur im Mode im engeren Sinn, sondern auch über den Bezug zur Gesellschaft, Identität und Kultur gehen, teilte BFC mit.

BFC-Chefin Caroline Rush spricht von einer „kulturellen Fashion-Week“: „Wir bedienen uns der digitalen Innovation, um bestmöglich die heutigen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Designer teilen ihre Geschichten und ihre Kollektion mit einer größeren Community weltweit. Wir hoffen, dass das neben persönlichen Perspektiven über die schwere Zeit eine Energie der Inspiration freisetzt.“

Die Covid-19-Pandemie zwingt die Fashion-Weeks, aber auch die Modemessen, ihre Grundlagen zu hinterfragen. Die Menswear-Schauen im Juni fallen aus. Die Mailänder Menswear-Week zieht auf den Damentermin Ende September. Carlo Capasa, Präsident der Camera Nazionale della Moda Italiana, die die Mailänder Fashion-Week organisiert, werkelt an einer digitalen Lösung. Das gilt auch für die Herrenmodenmesse Pitti Uomo, die von Juni auf September gezogen ist und die Plattform Pitti Connect entwickelt. Dabei inbegriffen ist auch ein Ordersystem für die Einkäufer.

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