Digitalverband stellt Ergebnisse einer Umfrage vor

Corona könnte Digitalisierung antreiben

Bitkom

Der Digitalverband Bitkom sieht in der aktuellen Situation eine Chance: „Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg bei der Vorstellung einer Umfrage unter 603 Unternehmen aller Branchen. Dabei gaben die Geschäftsführer und Vorstände dem Digitalisierungsgrad ihrer Unternehmen im Schnitt nur die Schulnote „befriedigend“. Mittelständler mit 100 bis 499 Mitarbeiter gaben sich gar nur ein „ausreichend“.

„Die Corona-Krise hat uns die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sehr klar vor Augen geführt“, sagt Berg. Seiner Ansicht nach hat sich die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung zu viel Zeit gelassen. „Das Motto des ,Weiter so‘ gilt nicht mehr. Jetzt heißt es, digitale Infrastruktur aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.“


Vor diesem Hintergrund sei es beruhigend, dass bereits drei Viertel (77%) der Unternehmen eine Digitalstrategie entwickelt haben. 39% verfügen über Strategien in einzelnen Unternehmensbereichen, 38% sogar über eine zentrale Digitalstrategie. Auf der anderen Seite verzichtet immer noch rund jedes fünfte Unternehmen (22%) auf eine Digitalstrategie.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede bei den einzelnen Größenklassen: Alle Unternehmen mit mindestens 2000 Beschäftigten verfügen über eine Digitalstrategie. Bei den Firmen mit 500 bis 1999 Mitarbeiter sind es immerhin 93%. Danach brechen die Zahlen stark ab. Bei der Unternehmensgröße 100 bis 499 Beschäftigten haben nur 18% einen Plan. Bei den Firmen mit 20 bis 99% sind es 23%.

„Wer nicht einmal für Teile seines Unternehmens eine Digitalstrategie aufgestellt hat, muss sich schon fragen lassen, ob er seine Existenz mutwillig aufs Spiel setzen will“, so Berg. Seiner Ansicht nach ist es beunruhigend, dass „zu viele kleine und mittlere Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft gerade in Krisenzeiten bilden, bei der Digitalisierung auf Sicht fahren“. Jedes Unternehmen müsse jetzt eine Digitalstrategie entwickeln – und diese dann auch „konsequent umsetzen“.


Erschwerend kommt hinzu, dass nur jedes vierte Unternehmen (24%) zu Jahresanfang geplant hat, gezielt in die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ähnlich viele (23%) haben dies zumindest im vergangenen Jahr getan, wollen aber 2020 nicht nachlegen. Jedes dritte Unternehmen (33%) hat zuletzt 2018 oder früher solche Investitionen getätigt – und 14% haben dafür noch nie Geld in die Hand genommen.

„Digitalisierung ist nicht zum Nulltarif zu bekommen und die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle kostet zunächst einmal Geld. Für viele Unternehmen dürfte es sich dabei aber um die bedeutendste Zukunftsinvestition handeln“, sagt Berg.

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