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dm trauert um Götz Werner

Imago / Eventpress
dm-Gründer Götz Werner ist verstorben.
dm-Gründer Götz Werner ist verstorben.

dm verliert seinen Unternehmensgründer. Götz Werner ist am Dienstag im Alter von 78 Jahren verstorben.

Trauer und Bestürzung beim Drogeriemarktführer. Wie dm mitteilt, ist der langjährige Unternehmenschef, Götz Werner, verstorben. "Seine Familie teilte mit, dass seine Kräfte in den zurückliegenden Monaten kontinuierlich nachgelassen hätten, sodass er seinen Tätigkeitsradius gesundheitsbedingt immer stärker einschränken musste. Dies habe er mit großer Tapferkeit ertragen", so das Unternehmen. Sein Vater und außergewöhnlicher Lebensbegleiter sei friedlich verstorben, äußerte sich sein Sohn und Nachfolger an der Konzernspitze, Christoph Werner, zu der traurigen Personalie. Die Familie sei in tiefer und stiller Trauer.

Werner war eine der interessantesten Händlerpersönlichkeiten mit starkem Intellekt. Ein Mann, der früh wusste, was er wollte. 1968 bot er seinem Vater die Stirn. "Du Vati, wenn Du so weitermachst, gehst du pleite", sagte er und wurde von seinem Vater prompt aus der elterlichen Drogerie geworfen. Der junge Mann machte sich daraufhin selbstständig. Unbequem und unnachgiebig zu sein, sah er als seine wichtigste unternehmerische Eigenschaft an. Götz Werner war anders als viele Unternehmer und deshalb noch erfolgreicher. Mit einfachen Antworten gab sich der Unternehmer nicht zufrieden. 

Werner baute ein Fachhandelskonzept auf, das in der Branche konzeptionell Maßstäbe setzt und inzwischen für mehr als 12 Mrd. Euro Umsatz steht. Werner schuf einen europäischen Handelsplayer mit mehr als 3800 Filialen. Das Unternehmen ist inzwischen in 14 Ländern präsent und bereitet derzeit auch den Start in Polen vor.

Der erfolgreiche und expansionsfreudige Unternehmer Götz Werner hatte früh seine Nachfolge geregelt. Schon 2008 zog sich Werner von seinen Aufgaben im Drogeriekonzern zurück, 2020 verließ er leise auch den Aufsichtsrat. Der langjährige dm-Manager Erich Harsch führte nach ihm den Konzern und bereitete damit den späteren Generationenwechsel innerhalb der Familie Werner vor. Geschäftsführer Christoph Werner, der zuvor Einkauf und Marketing mit Geschäftsführer Sebastian Bayer verantwortete, übernahm 2019 den Vorsitz der Geschäftsführung.

Mit Götz Werner verliert die Branche einen klugen und visionären Kopf, der nicht nur ein Drogeriekonzept entwickelte, sondern auch die Gesellschaft verbessern wollte. Werner war ein leidenschaftlicher Verfechter der Idee eines Grundeinkommens. Er warb für die Idee in Vorträgen und Diskussionsbeiträgen. Werner sah darin einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, um auch in Zeiten zunehmender Globalisierung, Digitalisierung und Automatisierung den Menschen Freiraum für Eigeninitiative und Teilhabe am Leben der freien Bürgergesellschaft zu ermöglichen. "Dass er die Vollendung dieser Idee nicht mehr erleben würde, war ihm stets bewusst", heißt es in der Mitteilung zu seinem Tod. Gleichwohl habe er sich dafür mit großer Energie eingesetzt, weil er sie für sich als richtig und sinnvoll erkannte.

Bei dm findet Werners anthroposophische Haltung Anfang der 1990er Jahre Ausdruck: Bis dahin lautete der Slogan des Drogeriemarktunternehmens "Große Marken, kleine Preise". Der Gründer befand, dass es Zeit sei für eine Regeneration und einen Perspektivwechsel von Marke und Preis hin zum Menschen. dm ändert seinen Claim in "Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein", der bis heute im Einsatz ist. Im Gespräch mit der LZ verriet Werner im Jahr 2016 anlässlich der Verleihung des Goldenen Zuckerhutes der Lebensmittel Zeitung, dass dies der "archimedische Wendepunkt" gewesen sei. Seither laute die zentrale Herausforderung für dm: "Was müssen wir tun, damit sich der Kunde als Mensch behandelt fühlt?"

Neben seiner unternehmerischen und anthroposophischen Tätigkeit war Werner auch in der akademischen Welt zuhause. Die Universität Karlsruhe beauftragte ihn im Mai 2005 mit der Leitung des Instituts für Entrepreneurship und verlieh ihm den Professoren-Titel.





Dieser Text erschien zuerst auf www.lebensmittelzeitung.net.

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