EHI-Rangliste der umsatzstärksten E-Fashion-Anbieter in Deutschland

H&M steigt zum zweitgrößten Online-Modehändler auf


Imago / imagebroker
Neue Nummer zwei: H&M ist nach Zalando der größte Online-Modehändler des Landes.
Neue Nummer zwei: H&M ist nach Zalando der größte Online-Modehändler des Landes.

Der Fast Fashion-Filialist H&M verdrängt Bonprix von Platz zwei der umsatzstärksten Online-Modehändler des Landes. Diese wird weiterhin vom E-Fashion-Konzern Zalando angeführt, der seinen Vorsprung leicht erhöhte. Den größten Sprung nach vorne machte der französische Sportartikel-Filialist Decathlon. Stark verbessert haben sich auch der Shopping-Club Veepee, der vertikale Modefilialist Ernstings' family, P&C Düsseldorf und Witt Weiden. Bei den Marktplätzen liegen Amazon, Ebay und Otto vorn. 

Zalando hat seine Position als größter Online-Modehändler des Landes erneut verteidigt und dabei den Abstand zum Zweitplatzierten erhöht. Das geht aus einer Sonderauswertung der Studie "E-Commerce-Markt Deutschland 2021" hervor, für die das EHI Retail Institute und das Portal Statista die 1000 umsatzstärksten Online-Shops des Landes ermittelt haben.

Dabei belegt Zalando den vierten Platz. In der E-Fashion-Rangliste ist der Berliner Konzern, dessen Gründer inzwischen 1,16 Mrd. Euro schwer sind, dagegen mit einem Umsatz von 1,94 Mrd. Euro unumstritten die Nummer eins. Auf den zweiten Platz hat sich der Fast Fashion-Filialist H&M vorgeschoben.

Die Schweden verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze. Grund war ein kräftiges Online-Wachstum von fast 43% auf 712,7 Mio. Euro. Damit liegt der Modehändler, der viele Jahre lang für sein langsames Fulfillment gescholten wurde, rund 1,23 Mrd. Euro hinter dem langjährigen Spitzenreiter Zalando.

2019 hatte der Abstand des damaligen Zweiten − der Hamburger Modeversender Bonprix − zum Berliner Online-Konzern noch 1,11 Mrd. Euro betragen. Bonprix ist jetzt die neue Nummer drei der Rangliste, vor der Konzernschwester About You, die sich um einen Platz verbesserte.

Der ebenfalls zur Otto Group gehörende Versender Baur schaffte es wie im Vorjahr auf den fünften Platz. Die weiteren Top Ten-Ränge belegen die Online-Shopping-Clubs Best Secret und Limango sowie S. Oliver, Breuninger und Asos.

Den größten Sprung nach vorne machte der französische Sportartikel-Filialist Decathlon, der sich um 21 Plätze auf Rang 15 verbesserte. Grund war eine wahre Umsatzexplosion. Nach Schätzung des EHI hat sich das Online-Geschäft des Discounters fast vervierfacht. Es stieg von 48 Mio. Euro auf 186,2 Mio. Euro. Die Studienautoren berufen sich dabei auf eine Befragung des Unternehmens im vergangenen Jahr. Den Umsatz für 2019 haben die Statistiker auf Basis der Vorjahresbilanz geschätzt.

Das starke Online-Wachstum ist möglicherweise auf den Ausbau des deutschen Ladennetzes zurückzuführen, das 2020 um acht Standorte ergänzt wurde. Dadurch dürfte sich die Bekanntheit der Marke in Deutschland erhöht haben. Und erfahrungsgemäß schauen sich viele Verbraucher erst die Produkte im Laden an und kaufen sie dann in Ruhe zu Hause am Desktop-Computer oder auf dem Tablet. Und die Decathlon-Artikel der Eigenmarken gibt es online nur im Online-Shop von Decathlon. Darüber hinaus dürfte während der Lockdowns und der Zeit der Reisebeschränkungen die Nachfrage nach Sportswear und Camping-Artikeln erheblich gestiegen sein.

Veepee klettert 13 Plätze nach oben

Der zweite große Aufsteiger kommt ebenfalls aus Frankreich, und zwar der deutsche Ableger des Pariser Shopping-Club-Pioniers Veepee (vormals Vente-privee). Er verbesserte sich um 13 Plätze auf Rang 21. Der Grund: Nach Schätzung von Statista hat der Anbieter von stark rabattierter Markenware seinen Umsatz mehr als verdoppelt, und zwar von 52,5 Mio. Euro auf 122,6 Mio. Euro.

Allerdings lassen sich diese Zahlen nicht überprüfen, da Veepee seit mehreren Jahren keine Zahlen für Deutschland mehr veröffentlicht. EHI und Statista berufen sich bei ihrer Schätzung auf eine nicht näher genannte Sekundärquelle und eine eigene Analyse. Veepee war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

Ernstings' family jetzt in den Top Ten

Deutlich verbessert haben sich auch Ernstings' family, Nike und P&C Düsseldorf: Der vertikale Modefilialist Ernstings' family kletterte um 10 Plätze auf Rang 20. Nike verbesserte sich um 9 Positionen auf den zehnten Platz und der Multilabel-Händler P&C Düsseldorf um sieben Positionen auf Platz 24. Letzterer hat sein Erlöse mit einem Sprung von 59,9 Mio. Euro auf 115,5 Mio. Euro fast verdoppelt, was sich allerdings nicht überprüfen lässt. Auch hier beruft sich Statista auf eine Sekundärquelle und eigene Analysen. Aus den Top 25 verschwunden ist der Große Größen-Versender Happy Size, der vom 21. auf den 28. Platz abfiel.

Bei der Erstellung der Rangliste wurden nur die Online-Shops berücksichtigt, deren Sortiment fast ausschließlich Bekleidung, Schuhe und Accessoires umfasst. Die 25 umsatzstärksten Online-Modehändler kommen zusammen auf ein Volumen von 8,24 Mrd. Euro. Das sind 26% mehr als im Vorjahr. Damit sind die Big Player der Branche stärker gewachsen als alle Anbieter von Bekleidung, Schuhen sowie Taschen und Accessoire innerhalb der Top 1000-Liste von EHI und Statista. Diese haben im Schnitt um 20,4% auf 13,05 Mrd. Euro zugelegt. Davon wurden rund 63% von den Top 25-Händlern erwirtschaftet.

Bekleidung führt bei den Spezialisten

Insgesamt kommt das Produktsegment Bekleidung in der Liste der 1000 umsatzstärksten Online-Shops auf ein Volumen von 11,2 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anteil von 16,2%. Kein Produktsegment kam auf einen höheren Wert. Platz zwei belegen die Online-Händler von Unterhaltungselektronik (14,1% bzw. 9,7 Mrd. Euro Umsatz). Alle weiteren Kategorien kommen nur auf einstellige Umsatzanteile.

Berücksichtigt man auch die Online-Shops, die Bekleidung nur im Rahmen eines Produktmixes anbieten, kommt das Segment auf einen Anteil von knapp 40%. Bei Taschen und Accessoires sind es 34,7%.

Die Produktgruppe Bekleidung ist die größte unter den Spezialisten.
EHI
Die Produktgruppe Bekleidung ist die größte unter den Spezialisten.
Am häufigsten sind weiterhin Generalisten unter den Top 1000 zu finden. Ihr Anteil liegt bei 33,1%, der Umsatz bei 22,8 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz der 1000 umsatzstärksten Online-Anbieter erhöhte sich um über 30% auf 70 Mrd. Euro.

Das EHI führt das starke Plus vor allem auf die Pandemie zurück. Nach Einschätzung des E-Commerce-Experten des Marktforschungsinstituts, Lars Hofacker, ist ein Ende des Booms noch nicht in Sicht: "Das Wachstum wird weitergehen." Allerdings sei nicht damit zu rechnen, dass die Wachstumsraten von 2020 wiederholt werden. Es bestehe eher die Gefahr, dass die weltweiten Probleme in den Lieferketten das Online-Wachstum etwas bremsen.

Jeder zweite Shop verkauft über Marktplätze

Neben den klassischen Online-Shops haben EHI und Statista auch die Marktplätze unter die Lupe genommen, die im E-Commerce eine immer größere Rolle spielen. Während der Lockdowns haben Tausende Stationärhändler die Marktplätze als weiteren Vertriebskanal entdeckt und zu schätzen gelernt. Das hat dazu geführt, dass mittlerweile jeder zweite Online-Shop auch über Marktplätze verkauft.

Laut Studie besitzen 44,8% der Top 1000-Online-Shops einen Händler-Account bei Amazon. 36,3% sind auf Ebay aktiv. 14,4% nutzen den Marktplatz von Kaufland. "Größere Händler entwickeln sich selbst zu Marktplätzen oder gar Plattformen und investieren große Summen, um der Kundschaft noch mehr Services anzubieten", erklärt Hofacker. Prominente Beispiele aus dem Modehandel sind u.a. Engelhorn, Sport Scheck, Zalando, Otto und My Toys. 

Den größten Marktplatz betreibt − wenig überraschend − der US-Konzern Amazon. Laut Studie hat Amazon Marketplace 2020 hierzulande ein Bruttowaren-Volumen (GMV) von 35,4 Mrd. Euro erwirtschaftet. Es folgen Ebay mit 11,8 Mrd. und Otto mit 5,5 Mrd. Euro.


Noch populärer sind die Marktplätze bei den Stationärhändlern. Wie der Digitalverband Bitkom kürzlich in einer repräsentativen Studie von 500 Groß- und Einzelhändlern in Deutschland. 85% der Befragten sind im E-Commerce aktiv. Davon nutzen fast drei Viertel (72%) ihre Produkte auf Online-Marktplätzen an.

Lesen Sie dazu auch:

stats