Einkaufsverhalten nach der Pandemie

Shift von Offline zu Online: Was bleibt?

IMAGO / Westend61
Während der Lockdowns war stationäres Shoppen kaum bis gar nicht möglich. Was macht das mit dem künftigen Verhalten der Kundinnen und Kunden?
Während der Lockdowns war stationäres Shoppen kaum bis gar nicht möglich. Was macht das mit dem künftigen Verhalten der Kundinnen und Kunden?

Das Business verlagert sich ins Netz. Dank Lockdowns zwangsläufig und beschleunigt. Einige Zeichen deuten darauf hin, dass der Shift nachhaltig sein könnte.

Die, die weniger strategisch als geplant in den E-Commerce eingestiegen sind, werden bleiben, nachjustieren, möglicherweise investieren. Derweil überwinden Erstkäufer ihre Skepsis, die Kundenbasis wächst. Gut aufgestellte Player profitieren jetzt schon von den Marktverschiebungen. Kürzlich hat Amazon in den USA Walmart als größten Bekleidungshändler überholt. Hierzulande wächst Zalando rasant. 10 Mrd. Euro GMV sind es schon, 30 Mrd. Euro sollen es bis 2025 sein. Ziel: Das größte Modeunternehmen Europas zu werden – online wie offline.
27,1% der deutschen Konsumenten geben in der Studie "The Shape of Retail" von Alvarez & Marsal, einem der weltweit führenden Beratungsunternehmen, und dem Forschungsinstitut Retail Economics an, ihre Einkaufsgewohnheiten haben sich durch die Pandemie dauerhaft geändert. Im europäischen Vergleich der niedrigste Wert. 6,2% der Befragten sehen diese Veränderung in sämtlichen, 20,9% nur bei bestimmten Produktkategorien, darunter Bekleidung. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer Umfrage unter 3.000 Verbrauchern in sechs europäischen Ländern.

Die wichtigsten Ergebnisse für Deutschland im Überblick:

  • Konsumenten in Deutschland wollen ihre Besuche im stationären Einzelhandel dauerhaft um 24,7% reduzieren. Damit verhalten sie sich im europäischen Vergleich noch konservativ. 
  • 34% der deutschen Konsumenten haben zum ersten Mal Produkte online gekauft, die sie zuvor immer im Geschäft eingekauft haben.
  • Branchen, in denen die Befragten auch nach der Pandemie häufiger online kaufen wollen, sind Mode (23,1%), Elektrogeräte (20,9%), Reise & Freizeit (16,6%) oder auch Haushaltswaren (15,4%). Je jünger die Zielgruppe, umso höher dieser Wert.
  • Insgesamt erwarten die Konsumenten, dass 25,2% ihrer gesamten Haushaltsausgaben sich dauerhaft auf E-Commerce verlagern werden.
  • Deutsche Konsumenten retournieren durchschnittlich 7,1% aller bestellten Waren. Damit liegen sie im europäischen Vergleich am Ende des Feldes. Junge Erwachsene retournieren 10,6% der Bestellungen, verglichen zu 6,6% bei den Senioren.
  • Die Pandemie beschleunigt das Wachstum des Online-Anteils an den Gesamtumsätzen im Handel weiter. Europaweit machten Online-Einkäufe 2019 12,1% der Gesamtumsätze aus, 2020 waren es 14,8%. Für das Jahr 2025 wird ein Online-Anteil von 20,4% erwartet. Für Deutschland sagt der "The Shape of Retail"-Report unter allen Ländern das langsamste Wachstum voraus. Hierzulande verhalten sich die Konsumenten konservativer und steigen langsamer auf E-Commerce um, heißt es.

    Zur Studie
    Für den Report wurden zwischen 19. April und 1. Mai 2021 über 3.000 Haushalte in sechs Europäischen Ländern (Deutschland, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien) befragt. Dazu wurden in einer Stichprobe über 250 europäische Einzelhändler aus diesen Ländern analysiert, die 2019/20 zusammen für mehr als 2 Billionen Euro Umsatz verantwortlich sind. Dies macht ca. 40 % des gesamten Einzelhandelsumsatzes in den sechs europäischen Ländern aus.
stats