Einzelhandelsszenarien für die Zeit nach Corona

Was wäre, wenn am 20. April die Läden wieder öffnen dürften?

Ob überhaupt und wenn dann, in welcher Form die Läden am 20. April wieder öffnen dürfen, entscheidet die Bundesregierung in der kommenden Woche. Falls es so kommt, wie sieht dann die Umsatzentwicklung für den Modehandel in den kommenden Wochen aus? Das Beratungsunternehmen Team Retail Excellence (TRE) hat dafür ein Szenario entwickelt. Es ist eines von vieren.

"Für die vier Szenarien war immer der Termin, an dem die Läden wieder öffnen dürfen, der Ausgangspunkt", sagt Oliver Schlömann, geschäftsführender Partner bei TRE. Orientiert hat sich das Beratungsunternehmen dabei an einer Studie des Zukunftsforschers Sven Gabor Janzsky von 2bAhead. Erweitert wurde die Analyse um Markteinschätzungen von TRE und Handelsexperten. "Wir folgen dabei vor allem drei Annahmen. Erstens: Auch wenn einige Kunden sich nach dieser Krise wieder etwas gönnen wollen, wird es keine wirklichen Nachholeffekte für Mode geben. Zweitens: Diese sowieso schon geringen Nachholeffekte werden durch hohe Reduzierungen aufgezehrt werden. Drittens: Die anhaltende Unsicherheit, Kurzarbeit und drohende Arbeitslosigkeit haben eine länger andauernde Schockbremswirkung für den Konsum."

Szenario 1

Szenario 1 - So könnte es aussehen

So oder so sind die Auswirkungen auf den Umsatz im Modehandel umso geringer, desto früher die Läden wieder öffnen können, sagt Schlömann. Bei einer Öffnung am 20. April geht TRE von folgendem Szenario aus: 

  • Infektionsketten im Griff
  • Situation medizinisch beherrschbar
  • „Protection Strategie“ (Risikogruppen-Tracking)
  • Aufhebung des Shutdown für den Einzelhandel nach Ostern (20. April)
  • Im Sommer sind Urlaube möglich
  • Verbraucherverunsicherung hält noch einige Monate an
Für die Umsatzentwicklung prognostiziert TRE ein Minus von 40 bis 50% in der Frühjahr-/Sommersaison und ein Minus von 15% bis 20% in der Herbst-/Wintersaison. Planungen seien extrem schwierig, nicht nur weil man das Verhalten der Kunden schwer abschätzen kann. "Ein Händler berichtet, dass er für's nächste Jahr mit 20% weniger plant. Das ist sicherlich ein richtiger Ansatz. Es ist nur gar nicht so einfach, 20% weniger zu planen, weil auch noch nicht absehbar ist, wie sich das Sourcing entwickelt. Keiner weiß, wie es im Oktober oder so in Bangladesch aussieht. Ob die Produkte der Vorstufen da sind, ob die Kapazitäten aureichen und alles wie bestellt geliefert werden kann", sagt Schlömann. "Soll man also etwas mehr bestellen, um auf der sicheren Seite zu sein? Und dann wird doch alles geliefert und man hat auf einmal zu viel Ware. Was dann?"


Das Maß an Störung des Marktes sei so groß, dass die Auswirkungen nur schwer abschätzbar sind. Auch wenn die Ladenöffnung ab dem 20. April wieder möglich sein sollte, sieht Schölmann massive Auswirkungen auf den Markt. Es gebe eine deutliche Delle bezüglich der Konsumausgaben und schwächere Player seien vom Markt verschwunden. Allerdings würde die Gesellschaft nach einiger Zeit wieder in gewohnte Bahnen zurückfinden. Umso länger die Schließung und die damit verbundenen Maßnahmen der Kontakteinschränkungen andauern würden, desto massiver wären die Auswirkungen auch auf gesellschaftlicher Ebene. Das spiegelt sich auch in den drei weiteren Szenarien wieder. "Im schlimmsten Fall könnte es sein, dass es im Herbst zu einer erneuten Infektionswelle und es damit auch wieder zu einem Shutdown kommt."

Über die weiteren Szenarien werden wir in den kommenden Wochen berichten.
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