Euphorie versus Kostenkalkulation

Restart im Handel: Wer macht wieder auf?

Wormland
Wormland bewirbt via Newsletter die Wiedereröffnung ausgewählter Filialen.
Wormland bewirbt via Newsletter die Wiedereröffnung ausgewählter Filialen.

Machen alle mit? Ab dem 20. April dürfen Läden bis 800m² Verkaufsfläche zwar wieder öffnen, das heißt allerdings nicht, dass alle Händler bei der ersten Reopening-Welle dabei sind. Zu groß ist die Sorge, dass die gewünschte Frequenz ausbleibt, während der gesamte Kostenapparat wieder hochgefahren wird. Lohnt es sich? Wer eröffnet? Wer wartet? Eine Übersicht.

Primark hat in Deutschland und den anderen vom Shutdown betroffenen Märkten 100% der Umsätze eingebüßt. Der Grund dafür: Der irische Discounter hat keinen Online-Shop. Und auch jetzt beim langsamen Hochfahren des Modehandels bleibt Primark zunächst außen vor, weil alle Filialen deutlich über 800m² groß sind. Eine Teileröffnung der Häuser, die in einigen Bundesländern erlaubt ist, kann sich das Unternehmen offensichtlich nicht vorstellen. Eine Sprecherin erklärt, dass sich der Filialist natürlich auf den Re-Start vorbereite, im Moment aber weiter alle 31 deutschen Geschäfte geschlossen hält.

Das dänische DOB-Label Vero Moda (Bestseller-Gruppe) hat seine Aktivitäten in Deutschland hochgefahren. Seit heute sind nach Angaben von Brand Director Jesper Reismann alle Läden, die aufgrund behördlicher Bestimmungen geöffnet werden durften, wieder am Start. Konkret sind das 179 der bundesweit 243 Läden. Bei rund der Hälfte der wieder eröffneten Läden handele es sich um Partner-Stores. Große Herausforderungen beim Restart sind laut Reismann das Management der Warenströme und die Logistik.

Mango hat am heutigen Montag nach Angaben einer Sprecherin parallel in Deutschland (22) und Österreich (4) einen Teil der Geschäfte wiedereröffnet. Am 22. April sollen in Deutschland 16 weitere hinzukommen. Am Montag, 27. April, wenn die Stores in Bayern wieder eröffnen dürfen, starten noch einmal vier Mango-Filialen. Per Ende April rechnet eine Sprecherin so mit insgesamt 46 geöffneten Geschäften in Deutschland und Österreich. Alle anderen Geschäfte sind aufgrund ihrer Größe noch nicht für eine Wiedereröffnung vorgesehen.
Auch darüberhinaus fährt die Marke ihren Betrieb in Europa wieder hoch. Die ersten Länder, in denen diese Wiedereröffnungen stattgefunden haben, seien Österreich und die Niederlande – dort hätten die Behörden die Eröffnung von 4 bzw. 16 Geschäften genehmigt. In dieser Woche sollen die verbleibenden 16 Geschäfte in Holland hinzukommen, außerdem 27 Geschäfte in der Tschechischen Republik, Lettland, Georgien, Zypern und der Ukraine.
Zusätzlich zu diesen Verkaufspunkten gibt es 62 Geschäfte in 17 Ländern, in denen die COVID-19-Pandemie geringere Auswirkungen hatte. Dort wurden zu keinem Zeitpunkt die Geschäfte geschlossen, dazu gehören Finnland, Norwegen, Schweden, Südkorea, Indonesien und Weißrussland. Darüber hinaus wurden in den letzen Wochen bereits 53 weitere Verkaufspunkte in Ländern wie China wieder geöffnet.Insgesamt zählt Mango nun über 135 wieder geöffnete Verkaufspunkte und geht davon aus, dass die Zahl im laufenden Monat April um etwa 483 auf 621 steigen wird.

Der DOB-Filialist Orsay plant in kontinuierlicher und umfassender Abstimmung mit den Bundesländern ab Montag zirka 50 Stores wieder zu eröffnen. Das sind alle rechtlich möglichen Läden unter 800m², die nicht in Shopping Zentren liegen. Orsay-Chef Matthias Klein betont, dass man die Sicherheitskonzepte entsprechend aller bundesweiten Auflagen angepasst habe.

S.Oliver plant in dieser Woche 34 Stores wieder zu eröffnen, das gilt auch für vier Comma-Stores und sechs Läden von Liebeskind Berlin, heißt es auf TW-Anfrage von der S.Oliver-Group. Vor allem die unterschiedliche Handhabung auf Landesebene stelle einen dabei vor enorme Herausforderungen, so der Konzern. Gleiches gelte mit Blick auf die Hygienevorschriften und Sonderregelungen in manchen Städten und Regionen. „Wir haben bereits frühzeitig ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet, das die aktuellen Standards berücksichtigt und bei Bedarf an die individuellen Vorgaben der Bundesländer oder Städte angepasst wird. Damit sind wir gut gerüstet, um unseren Mitarbeitern, Kunden und Dienstleistern eine sichere Grundlage für den Aufenthalt in unseren Stores zu bieten. Das hat im Moment für uns absolute Priorität", sagt Mathias Eckert, Managing Director Sales bei S.Oliver.


Auch der Menswear-Filialist Wormland öffnet wieder seine Tore, tut dies jedoch gestaffelt. Die meisten Wormland-Stores (Bremen, Dortmund, Frankfurt, Hamburg) sowie sämtliche Theo-Filialen sind ab dem 20. April wieder offen, Wormland in Berlin soll am 22. April nachziehen, für die Läden in München, Nürnberg und Oberhausen kommuniziert das Unternehmen bisher keine offziellen Termine.

Der Schuhanbieter Lloyd will ab Montag wieder eigene Läden öffnen. Das hat Geschäftsführer Andreas Schaller in einem Video auf dem Netzwerk Linkedin verkündet. Um wie viele Stores es sich dabei genau handelt, sagt Schaller in dem Beitrag nicht. Laut Firmen-Website betreibt Lloyd insgesamt 28 eigene Stores, darunter auch Läden in Einkaufszentren, etwa den im Frankfurter MyZeil.



Der Wäschehersteller Mey hat einen differenzierten Plan für seine unterschiedlichen Filialen ausgearbeitet. Danach werden die meisten der eigenen Stores am 20. April öffnen, teils mit verkürzten Öffnungszeiten. Für zwei Berliner Filialen sind nach aktuellem Stand Mittwoch oder Donnerstag kommender Woche vorgesehen. Erst am 27. April wird Mey seine Stores in Bamberg, Regensburg, Nürnberg und Rottach-Egern eröffnen. Das Geschäft in Salzburg läuft unterdessen bereits schon wieder. Wir eröffnen unsere Stores unter Einhaltung sämtlicher hygienischer Voraussetzungen", kommentiert das Unternehmen die Schritte. „Gerade auch Mund-Nasen-Schutzmasken sind bei uns ja ausreichend vorhanden." Damit spielen die Macher auf die eigene Fertigung an, die schon früh auf Masken umgestellt wurde. Weiter teilt das Unternehmen mit: „Für alle Kunden, die sich trotz gelockerter Vorgaben noch nicht in den Store trauen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen können, bieten wir einen Personal Shopping Service an. Die Kundin kann sich sowohl telefonisch als auch über WhatsApp über das Angebot im lokalen Store beraten lassen und erhält auf Wunsch eine Auswahlsendung nach Hause."

Ein Reopening gibt es auch bei Classico mit 13 Läden in Hamburg (alle unter 800m²). Plakate in den Schaufenstern weisen auf Abstandhalten hin und darauf, wie viele Personen sich im jeweiligen Geschäft aufhalten dürfen. Medizinischen Masken, die Geschäftsführer Harald Heldmann über Asien bezogen hat, sollen stückweise und als 50er Box in den Classico-Läden verkauft werden. Daneben gibt es Fashion-Masken aus verdichteten Baumwollstoffen mit Wordings und Motiven aus Portugal, die Heldmann auch anderen Retailern zur Verfügung stellt. Eine Box mit fünf Masken kostet im EK 25,90 Euro.

Der Filialist Bailly Diehl eröffnet zwölf seiner 14 Läden im Rhein-Main-Gebiet (alle unter 800m²). Der Laden in Aschaffenburg (Bayern) sowie der Store im Frankfurter Flughafen müssen noch geschlossen bleiben. Die Frequenz in den ersten Stunden sei "gut". „Wir dürfen nicht unzufrieden sein", sagt Inhaber Michael Bailly. „Bezüglich der Frequenz haben wir keinerlei Gefühl, die erste Woche wird noch eine Test-Phase sein und sicher sind einige Kunden mutiger als andere. Hier muss man sensibel vorgeben – sowohl für Kunden und Mitarbeiter als auch für das Unternehmen – und Kosten im Blick behalten, beispielsweise durch reduzierte Personalplanungen und Öffnungszeiten. Wir rechnen aktuell für den April mit 30 bis 40% Umsatzeinbruch in den letzten beiden Wochen." Alle Filialen starten mit verkürzten Öffnungszeiten (10-18 Uhr statt 10-19 Uhr bzw. 20 Uhr). „Dadurch vermeiden wir mehrere Schichten und größeren Personaleinsatz, minimieren damit auch die Kontaktquote. Auch haben wir uns an den Vorgaben zum Kunden- und Mitarbeiterschutz orientiert, d.h. Mindestabstand 1,5m, Desinfektionsinsel an der Kasse und regelmäßige Desinfektion, Masken für alle Mitarbeiter/innen. Jeder anprobierte Artikel wird von uns nach der Anprobe mit dem Steamer heiß abgedampft, um größtmögliche Sicherheit zu bieten." Derweil bietet Bailly Diehl weiterhin Instagram Shopping sowie Personal Shopping an. Bailly: „Für all, die nicht zu den allgemeinen Zeiten kommen können oder wollen."

Warteschlangen vor dem Zalando-Outlet in Frankfurt
Foto: Tim Dörpmund
Warteschlangen vor dem Zalando-Outlet in Frankfurt
Zalando hat von den acht Outlets in Deutschland vorerst Teilflächen in Hannover, Hamburg und das Premiumsegment in Frankfurt am Main wieder eröffnet. „Wir haben unterschiedliche Maßnahmen eingeführt, um die Abstands- und Hygieneregelungen einzuhalten – ähnlich denen wie in einem Supermarkt. Dazu gehören beispielsweise Plexiglasscheiben im Kassenbereich und bei den Umkleiden, Bodenmarkierungen, die an das Abstandhalten erinnern sowie die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln im gesamten Store, zudem tragen Mitarbeiter Masken", sagt eine Zalando-Sprecherin. Die Anzahl der Kunden in den Stores wird begrenzt, so dass es am Montagvormittag bereits zu Warteschlangen kam. „Über unsere digitalen Kommunikationskanäle haben wir Kunden bei der Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen um Unterstützung gebeten, zum Beispiel indem sie bargeldlos bezahlen und ebenfalls einen Mundschutz tragen."

Mit verkürzten Ladenöffnungszeiten geht DOB-Anbieter Oui aus München an den Start. Zunächst am Montag in Düsseldorf und Köln mit eigenen Läden. Ab dem 27. April folgt der Münchner Monolabel-Store. Auch Franchise-Partner mit Oui-Läden bieten ihren Kundinnen Private Shopping-Termine an und werden nicht durchgehend geöffnet sein. Mit persönlicher Beratung will man punkten und somit jegliche Reduzierungen vermeiden. Frische Ware aus dem April-Liefertermin soll zudem Sommer-Stimmung verbreiten. Auch Cinque öffnet sieben Stores und get mit einer Willkommens-Kampagne an den Start − ohne Rabatte.

Von dem Hamburger Premium-Label Closed gibt es insgesamt 50 Monolabel-Stores, der Großteil befindet sich in Deutschland. Am Montag macht nun rund die Hälfte der Läden wieder auf. Die Filialen in Mannheim (22. April), München, Nürnberg, Regensburg (27. April) und Zürich (11. Mai) folgen zu späteren Terminen. Bereits geöffnet sind die Läden in Groningen, Kitzbühel und Wien.

Edited hat die Läden in Hamburg, Köln, Stuttgart und Frankfurt wieder in Betrieb genommen. Berlin, München und Wien folgen.

Auch die vier Stores von Lanius in Köln öffnen am Montag, allerdings mit jeweils nur einer Verkaufsperson. Die sonst übliche Doppelschicht entfällt, dennoch geht Claudia Lanius von guten Geschäften aus. Sie sagt: „Menschen, die sich stark fühlen, freuen sich jetzt auf ein wenig mehr Normalität in ihrem Leben und haben signalisiert, dass sie gerne kommen."



Ernsting’s Family hat rund 75% der Filialen wieder geöffnet. Insgesamt gibt es 1.865 Filialen in Deutschland und Österreich. Am Mittwoch und am kommenden Montag sollen weitere folgen. „Wir sind glücklich, dass wir uns so frühzeitig um zusätzliche Hygiene- und Infektionsschutz-Maßnahmen Gedanken gemacht haben. Hier und da muss nachjustiert werden, weil es teilweise große Unterschiede von Land zu Land und von Kommune zu Kommune gibt“, sagt Pressesprecher Marcello Concilio. Acryl-Scheiben vor der Kasse, eine Schüttengasse und Abstandshinweise auf dem Boden, um die Kunden im Kassenbereich kanalisieren zu können, sind ebenso Programm wie Zugangsbeschränkungen, die sich nach der Filialgröße richten und die Hinweise auf möglichst bargeldloses Zahlen. „Die Kunden freuen sich, dass wir wieder da sind, aber wir merken, dass sie noch recht verhalten sind“, so Concilio.

Plus Size-Filialist Emma Paprika hat folgende Filialen wieder geöffnet: Rhein Center Köln, Centro Oberhausen, Aquis Plaza Aachen, Minto Mönchengladbach, Schlosspark Center Schwerin, Hamburg Alstertal, Koblenz und Bremen. Berlin soll am Mittwoch folgen.

Tchibo hat rund drei Viertel der etwa 600 deutschen Filialen wieder geöffnet. Die Läden in Berlin und Brandenburg sollen am Mittwoch (22. April) folgen, in Thüringen am Freitag (24. April) und in Bayern am Montag der kommenden Woche (27. April). Für Tchibo-Filialen in Einkaufszentren könnten laut Mitteilung des Unternehmens allerdings abweichende Termine gelten. Der Verzehr von Kaffee und Snacks in den Läden sei vorerst nicht möglich, sie würden ausschließlich zum Mitnehmen verkauft.



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