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Euratex startet Textil-Initiative für Ukraine

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Die Ukraine soll nach dem Willen von Euratex einen wichtigen Part in der Lieferkette übernehmen. Dr. Bock Industries (Foto) fertigt schon lange in dem Land.
Die Ukraine soll nach dem Willen von Euratex einen wichtigen Part in der Lieferkette übernehmen. Dr. Bock Industries (Foto) fertigt schon lange in dem Land.

Eine bessere und leichtere Zusammenarbeit zwischen europäischen und ukrainischen Textil- und Bekleidungsunternehmen, das ist das Ziel von Euratex. Der europäische Textilverband hat dafür die EU-Ukraine Textile Initiative (EUTI) gestartet.

Sie soll eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen aus der Ukraine sein, die mit Firmen aus der Europäischen Union zusammenarbeiten möchten oder deren Hilfe benötigen. Gleiches gelte auch umgekehrt, teilt Euratex mit.

EUTI soll auch helfen, Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen sowie Unterstützung von Unternehmen zu Unternehmen anbieten. Koordiniert wird das Ganze von Euratex und dem ukrainischen Verband der Textil- und Lederindustrie, UKRLEGPROM. Zentrale Ansprechpartnerin ist Olena Garkusha, eine erfahrene Textilmanagerin aus der Ukraine, so Euratex. "Die Unterstützung der Textilindustrie ist unser Weg, den Menschen zu helfen", sagt Euratex-Generaldirektor Dirk Vantyghem. Er appellierte an die europäischen Verbandsmitglieder sich über EUTI zu vernetzen und "nachhaltige Partnerschaften" zu entwickeln.

Tetyana Izovit, Vorstandsvorsitzende von UKRLEGPROM betont, es gebe viele Textil- und Belkleidungsunternehmen in der Ukraine, die über große Expertise und qualifizierte Fachkräfte verfügten. "Sie sind in der Lage und bereit, mit der EU zusammenzuarbeiten, aber es fehlt ihnen an Kontakten, Kunden und Lieferungen."

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2021 exportierte die EU Textilien und Bekleidung in Höhe von 1,3 Mrd. Euro in die Ukraine. Die Importe aus der Ukraine lagen bei 500 Mio. Euro. Es sei möglich diese Handelsbeziehungen auszubauen. Kurzfristig, um auf den dringenden Bedarf an Geweben für Militär- und Medizinausrüstung zu reagieren. Aber auch langfristig, so Euratex. Denkbar sei, dass die Ukraine als Partner des "Regionalen Übereinkommens über Pan-Europa-Mittelmeer-Präferenzursprungsregeln" (PEM) einen wichtigen Part in der Lieferkette übernehme. Das PEM-Abkommen gilt seit 2021. 2019 haben sich die die EU-Mitglieder und 22 weitere Partner – darunter die EFTA-Staaten, die Mittelmeeranrainer, die westlichen Balkanstaaten und die Türkei auf modernisierte Ursprungsregeln geeinigt. Möglichkeiten könnten sich auch aus der von der EU vorgeschlagenen Aussetzung der Zölle auf Importprodukte aus der Ukraine bieten.
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