"Existentiell gefährdet"

Galeria Karstadt Kaufhof-Betriebsrat fordert schnelle Hilfe der Regierung

Karstadt
Galeria Karstadt Kaufhof - hier das Haus am Berliner Hermannplatz - will staatliche Hilfe. Das fordert jedenfalls der Gesamtbetriebsrat.
Galeria Karstadt Kaufhof - hier das Haus am Berliner Hermannplatz - will staatliche Hilfe. Das fordert jedenfalls der Gesamtbetriebsrat.

Der Appell ist an Eindringlichkeit kaum zu übertreffen: Der Gesamtbetriebsrat von Galeria Karstadt Kaufhof bittet die Politik angesichts der Corona-Krise eindringlich um schnelle finanzielle Unterstützung: "Wir und alle anderen Einzelhändler sind dringend auf sofortige staatliche Unterstützung angewiesen, um dem schlimmsten Fall zu entgehen", steht im Brief der Arbeitnehmervertreter.



Das vom Gesamtbetriebsratschef und seinem Stellvertreter, Jürgen Ettl und Peter Zysik, unterschriebene dreiseitige Papier, ging unter andem an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Bundesminister für Finanzen, Arbeit und Wirtschaft sowie alle Bundestagsfraktionen außer der AfD. Die Corona-Krise, heißt es, bedrohe den Einzelhandel massiv, "ja möglicherweise existentiell". Allein bei Galeria stünden rund 30.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, in der gesamten Branche über drei Millionen, daneben viele weitere bei den Lieferanten.

Angesichts des Shutdown – den der Gesamtbetriebsrat aus Gründen des Gesundheitsschutzes durchaus begrüßt – werde die Situation "immer dramatischer."

"Das Geschäftsmodell unserer Warenhäuser ist darauf ausgelegt und zwingend angewiesen, tägliche Einnahmen zu erzielen, um Löhne, Steuern, Abgaben und fällige Lieferanten- und Versorger-Rechnungen zahlen zu können", heißt es. Wegen der Geschäftsschließungen komme jetzt jedoch kein Geld mehr in die Kassen.

Konkret fordern die Mitarbeitervertreter Direktzahlungen "ohne bürokratischen Aufwand bis zum 23. März", KfW-Bürgschaften ohne Eigenbeteiligung und "ohne Risiko-Partnerschaft der privaten Banken", dazu die sofortige Stundung der für März und April fälligen Zahlungen an die Finanzämter und Sozialversicherungsträger.


Die neuen Regelungen für das Kurzarbeitergeld werden begrüßt, man habe aber Bedenken, "dass die zuständigen Stellen die Anträge nicht schnell und kompliziert genug bearbeiten werden", schreibt Galerias Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl.

Ob neben den Mitarbeitervertretern auch die Unternehmensführung des Warenhauskonzerns bereits bei der Politik um Hilfe gesucht hat, ist unklar. Ein Firmensprecher in Essen wollte auf TW-Nachfrage dazu keine Stellung nehmen.

Auch andere Händler mit großen Flächen in einer Vielzahl von – derzeit geschlossenen – Filialen und und vielen Mitarbeitern halten sich bei diesem Thema auf Nachfrage sehr zurück. Gerry Weber immerhin antwortete der TW: "Aktuell haben wir keinen Kontakt zur Bundesregierung. Dies ist auch erst einmal nicht vorgesehen." P&C in Düsseldof erklärte am Abend: "In einem direkten Austausch mit der Bundesregierung stehen wir derzeit nicht."

Gerade erst hatte sich Josef Sanktjohanser, Präsident des Handeslverbandes Deutschland HDE, mit einem Rettungs-Appell an die Bundeskanzlerin gewandt.
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In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert der Handelsverband HDE schnelle und umfassende Hilfe für die vielen Handelsunternehmen, die zur weiteren Eindämmung des Coronavirus schließen müssen. Laut Verbandspräsident Josef Sanktjohanser seien vor allem viele kleine Textileinzelhändler, Schuh- und Sportgeschäfte in ihrer Existenz massiv gefährdet. Bei der Gewerkschaft Verdi macht man sich ebensolche Sorgen.


Verdis Einzelhandels-Experte Orhan Akman fordert ebenfalls schnelle Maßnahmen: "Große Handelsunternehmen mit vielen Beschäftigten und viel Fläche haben derzeit Kosten, aber kaum noch Einnahmen. In dieser Situation sind schnelle Hilfen durch die Bundesregierung dringend notwendig. Gerade die Warenhäuser und Modehändler, aber auch zigtausend kleine und mittelständische Handelsunternehmen, sind derzeit akut gefährdet“, sagte er der TW.
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