Exklusive Zahlen der Bundesagentur für Arbeit

So stark war die Modebranche von Kurzarbeit betroffen

Imago / Political-Moments
Von März 2020 bis Februar 2022 mussten im Schnitt 9443 Modeunternehmen Kurzarbeit für ihre Angestellten anmelden.
Von März 2020 bis Februar 2022 mussten im Schnitt 9443 Modeunternehmen Kurzarbeit für ihre Angestellten anmelden.

Während der Corona-Krise mussten im Schnitt fast 5300 Bekleidungshändler Kurzarbeit anmelden. Der höchste Wert wurde im Februar 2021 erreicht. Das hat die Bundesagentur für Arbeit im Auftrag der TextilWirtschaft ermittelt. Demnach mussten im Zeitraum März 2020 bis Februar 2022 durchschnittlich fast 46.000 im Bekleidungshandel Beschäftigte bei Arbeitszeit und Gehalt kürzertreten. Auf Platz zwei der Segmentsstatistik liegt der Einzelhandel mit Schuhen und Lederwaren. In der Modeindustrie fielen die Zahlen trotz verringerter Nachfrage nach Fashion-Produkten vergleichsweise niedrig aus. Über alle Modesparten hinweg befanden sich im Erhebungszeitraum im Schnitt fast 86.000 Angestellte in 9443 Modeunternehmen in Kurzarbeit.

Dass die Modebranche während der heißen Pandemiephasen besonders stark von Kurzarbeit betroffen war, ist kein Geheimnis. Das genaue Ausmaß in den einzelnen Sparten hat nun die Bundesagentur für Arbeit exklusiv für die TextilWirtschaft ermittelt. Demnach mussten im Zeitraum März 2020 bis Februar 2022 durchschnittlich 5283 Bekleidungshändler Kurzarbeit anmelden.

Am höchsten fielen die Zahlen freilich während der Lockdowns aus: Im Februar 2021 waren es 10.581 Betriebe, im Monat davor 10.419 Unternehmen. Den dritthöchsten Wert ermittelte die Behörde im April 2020: 10.170.

Auf Platz zwei der Statistik folgen mit großem Abstand die Einzelhändler, die Schuhen und Leder verkaufen. Im Schnitt mussten 1677 Unternehmen Kurzarbeit anordnen. Es folgen, ebenfalls mit großem Abstand, die Textilhersteller (760), vor den Textilhändlern (657), den Bekleidungsherstellern (497), den Versender von Bekleidung, Textilien, Schuhen und Lederwaren (280) sowie den Hersteller von Leder, Lederwaren und Schuhen (192).

Eher selten war die Kurzarbeit im Modehandel auf Märkten und an Verkaufsständen. Dort meldeten weniger als 100 Unternehmen (97) Kurzarbeit an.

Bei der durchschnittlichen Zahl der Kurzarbeiter liegt der Bekleidungshandel ebenfalls deutlich vorn: Im Schnitt mussten 45.742 Angestellte unfreiwillig weniger arbeiten. Der höchste Wert wurde im April 2020 erreicht, als bundesweit ein harter Lockdown herrschte. In diesem Monat wurden im Bekleidungshandel 108.682 Angestellte in Kurzarbeit geschickt.

Der Tiefstand wurde im November 2021 erreicht. In dem Monat war die Zahl der im Bekleidungshandel beschäftigten Kurzarbeiter auf 4905 gesunken. Einen Monat ist die Summe im Zuge der Zutrittsbeschränkungen im Einzelhandel (je nach Bundesland 2 oder 3G) wieder auf 8514 gestiegen. Bis Februar erhöhte sich der Wert auf 19.718 Angestellte.

Neuere Zahlen liege nicht vor. Der Grund: Die Unternehmen haben nach der Anmeldung von Kurzarbeit drei Monate Zeit, die Abrechnungen für die tatsächlich geleistete Kurzarbeit einzureichen. Diese Zahlen müssen anschließend von der Arbeitsagentur geprüft werden. Das erklärt, warum die Behörde die Zahlen nur mit etwa sieben Monate Verzögerung veröffentlichen kann.

Am zweitstärksten waren die Beschäftigten im Einzelhandel mit Schuhen und Lederwaren von Kurzarbeit betroffen. Im Schnitt mussten 13.268 Angestellte bei der Arbeitszeit und dem Gehalt kürzertreten. Der Höchststand wurde im Januar 2021 erreicht, als bundesweit ein harter Lockdown herrschte. In der Folge wurden 31.661 Personen, die im Schuh- oder Lederwarenhandel arbeiteten, in Kurzarbeit geschickt. Dicht gefolgt vom Februar (31.643).

Im Anschluss ging die Zahl der Kurzarbeiter kontinuierlich zurück und erreichte im Oktober 2021 ihren Tiefstand (1723). Anschließend kletterten die Zahlen – wie im Bekleidungshandel – wieder schrittweise. Bis auf 6753 im Februar.


Die dritthöchste Zahl an Kurzarbeitern ermittelte die Bundesagentur für Arbeit in der Textilindustrie, wo im Schnitt 11.923 Angestellte coronabedingte Gehaltseinbußen hinnehmen mussten. Es folgen mit großem Abstand die Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie (6185), vor den Kollegen im Textileinzelhandel (3780) sowie der Schuh- und Lederwarenindustrie (3270).

Im Modeversandhandel fiel die Zahl mit 1539 nur halb so hoch aus. Am wenigsten hatten die Angestellten unter der Pandemie zu leiden, die auf Marktplätzen oder an Verkaufsständen Mode verkauft haben (156).

Über alle Modesparten hinweg befanden sich im Erhebungszeitraum im Schnitt 85.864 Angestellte in Kurzarbeit. Den Höhepunkt erreichte diese Statistik im April 2020 mit 201.104 Kurzarbeitern. Es folgen mit großem Abstand der darauffolgende Mai (166.140) und der Februar 2021 (164.968).

Nach Betrieben gerechnet erreichte die Corona-Krise ihren Peak im Februar 2021: Mehr als 10.581 Unternehmen hatten für den Lockdown-Monat Anträge an die Bundesagentur für Arbeit gestellt. Dicht gefolgt vom Vormonat Januar (10.581) und April 2020. Auch in diesen Monaten mussten bundesweit alle Modehändler ihre Läden schließen.

7 Mio. Euro für Gerry Weber

Das wirkte sich auch negativ auf das Arbeitsvolumen der Modehersteller aus, die daher teilweise ebenfalls in Kurzarbeit gehen mussten. Im Schnitt haben 9443 Modeunternehmen Kurzarbeit angeordnet. Dazu dürften fast alle stationären Modehändler gehören. Aus der Industrie ist bislang nur der Modehersteller und Filialist Gerry Weber bekannt, der nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Kurzarbeiter-Geld in Höhe von 7 Mio. Euro bezogen hat.

Wie viel Kurzarbeiter-Geld den Modeunternehmen während der vergangenen zwei Jahre insgesamt zugeflossen ist, kann die Bundesagentur nicht mitteilen. "Eine Auswertung der Auszahlungen von Kurzarbeiter-Geld spezifisch für Branchen ist auf Basis statistisch aufbereiteter Daten und auch aus dem Finanzsystem der Bundesagentur leider nicht möglich", erklärt ein Behördensprecher.

42,3 Mrd. Euro ausgezahlt

Über alle Wirtschaftszweige hinweg habe die Bundesagentur im ersten Corona-Jahr (2020) rund 22,1 Mrd. Euro für Kurzarbeiter-Geld ausgegeben. Davon seien 9,5 Mrd. Euro auf Beiträge zur Sozialversicherung entfallen. Im Jahr 2021 habe die Corona-Krisenmaßnahme bundesweit 20,2 Mrd. Euro gekostet. In dem Betrag seien 8,1 Mrd. Euro für Sozialversicherungsbeiträge enthalten.

"Die Kurve flachte bis zuletzt deutlich ab", erklärt der Agentursprecher. Seinen Angaben zufolge haben die mit Kurzarbeit betrauten Abteilungen der Bundesagentur in diesem Jahr bis einschließlich August Zahlungen in Höhe von 3,1 Mrd. Euro geleistet. Davon entfiel fast ein Drittel (1 Mrd. Euro) auf Sozialversicherungsbeiträge.

Dem Statistikbereich der Bundesagentur lässt sich aber entnehmen, für wie viele Angestellte in diesem Jahr Kurzarbeit angemeldet wurde: Nach dem Höchstwert von 327.250 Personen im Januar reduzierte sich die Zahl kontinuierlich bis auf 45.380 im Juli.

Bei den Betrieben verlief die Entwicklung ähnlich: Nach 29.240 Unternehmen im Januar sank die Zahl bis Juli auf den bisherigen Tiefstand von 2330 Personen. Die endgültigen Zahlen für Sommermonat werden voraussichtlich Anfang kommenden Jahres veröffentlicht. 


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