Expansion in die Sport- und Outdoor-Branche

Fashion Cloud schluckt Sportshop.cloud

Fashion Cloud
Neues Cloud-Team: Andreas Schmid (Sportcloud), Henrik Havel und René Schnellen (beide Fashion Cloud)
Neues Cloud-Team: Andreas Schmid (Sportcloud), Henrik Havel und René Schnellen (beide Fashion Cloud)

Die auf Mode spezialisierte B2B-Plattform Fashion Cloud setzt ihre Einkaufstour fort. Nur zwei Wochen nach der Übernahme des niederländischen E-Commerce-Dienstleisters Stockbase übernimmt das in Hamburg und Amsterdam ansässige Unternehmen das niederbayerische Start-up Sportshop.cloud, das kleinere Sport- und Outdoor-Händler mit Marketing-Content versorgt.

Dessen Gründer Andreas Schmid wird künftig den Sportbereich von Fashion Cloud leiten, zusammen mit Henrik Havel, der im Februar als Sales Manager vom Off-Road-Motorrad-Hersteller Cake zu Fashion Cloud gewechselt ist.

Für Fashion Cloud-Mitgründer und -Geschäftsführer René Schnellen ist die Expansion ins Sport- und Outdoor-Geschäft ein logischer Schritt: "Die Ereignisse der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig ein reibungsloser Datenaustausch zwischen Händlern und Marken ist. Nachdem wir im Bereich Fashion und Schuhe schon eine große Abdeckung erreicht haben, ist es nun an der Zeit, unsere Produkte dem Sportmarkt zugänglich zu machen."

Sportshop.cloud wird von der Firma Zandy Media betrieben, die erst im Februar 2019 gegründet wurde. Geschäftsführerin ist die Ehefrau von Andreas Schmid, Bianca Schmid. Insgesamt umfasst das Sportshop-Team acht Mitarbeiter. Das in Grafenau bei Passau ansässige Start-up verfügt laut Fashion Cloud über Artikeldaten von über 500 Sport- und Outdoor-Marken. "Unser Know-how im Bereich Sportartikeldaten und das Know-how von Fashion Cloud im Bereich Produktdatenauslieferung wird der Branche einen großen Mehrwert bieten", ist Andreas Schmid überzeugt.

Thomas Reischmann, Geschäftsführer des Mode- und Sporthausbetreibers Reischmann in Ravenburg, begrüßt den Zusammenschluss der beiden Unternehmen: "So ergeben sich noch weitere Synergieeffekte auf der Plattform und eine erleichterte Zusammenarbeit für weitere Marken in unserem Sortiment."

Positive Signale kommen auch von den großen Verbänden: "Wir sind davon überzeugt, dass die Branche eine einheitliche Plattform für digitalen Content und digitale Kommunikation benötigt und werden die neue Kooperation in weiterführenden Webinaren unseren Mitgliedern präsentieren", kündigt Stefan Rosenkranz, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie, an. Der Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel, Stefan Herzog, ist überzeugt, dass durch den Aufbau einer zentralen Plattform noch schnellere Datentransfers möglich sind.

Wie eine Fashion Cloud-Sprecherin auf Anfrage der TextilWirtschaft mitteilte, ist aber nicht geplant, eine neue Plattform zu entwickeln. Stattdessen soll die Lösung von Sportshop.cloud in die von Fashion Cloud integriert werden.

Fashion Cloud wurde 2015 gegründet und verbindet nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Einzelhändler und 500 Marken miteinander. Die Plattform bezeichnet sich als "All-in-One Lösung für das Teilen von Produktdaten und -informationen, Smart Buying, Vor- und Nachorder". Neben den beiden Zentralen in Hamburg und Amsterdam betreibt Fashion Cloud Büros in Dänemark, Italien, Frankreich und Spanien. Die Belegschaft besteht aus 70 Mitarbeitern.

Seit März dieses Jahres arbeitet der Content- und Order-Spezialist mit den Plattformen Assima hoch 2 und Plattform hoch 2 zusammen, um die Digitalisierung des stationären Lederwaren-Einzelhandels voranzutreiben. Und bereits seit Sommer vergangenen Jahres veranstaltet Fashion Cloud zweimal im Jahr die virtuelle Order-Messe Digital Fashion Week, zuletzt im Juli dieses Jahres.

Zum Umsatz und Ergebnis macht Fashion Cloud keine Angaben. "Wir befinden uns in einer Investitionsphase", teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit und verwies dabei auf die letzte Finanzierungsrunde aus dem Juli 2019, als das Unternehmen bei Investoren wie Bestseller-Chef Anders Holch Povlsen einen fast zweistelligen Millionen-Euro-Betrag einsammelte. Weitere Geldgeber sind mehrere private Business Angels, die anonym bleiben wollen. Die Mehrheit der Anteile befindet sich im Besitz der Geschäftsführer René Schellen, Martin Brücher, Florian Klemt und David Schaap.

Die aktuellsten Geschäftszahlen stammen aus dem Jahr 2019, als die Fashion Cloud GmbH laut Bundesanzeiger einen Fehlbetrag von rund 1,69 Mio. Euro verbuchte, rund 590.000 Euro mehr als im Vorjahr. Zum Umsatz macht das 2015 gegründete Unternehmen keine Angaben.
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