"Wenn wir die Kredite nicht bekommen, wird es sehr eng"

Tally Weijl ringt um Millionenkredite

Foto: Tally Weijl
Tally Weijl betreibt insgesamt 800 Geschäfte, davon die Hälfte in Eigenregie.
Tally Weijl betreibt insgesamt 800 Geschäfte, davon die Hälfte in Eigenregie.

Der Schweizer Young Fashion-Filialist Tally Weijl kämpft ums Überleben. Zur Überbrückung der Corona-Krise werden kurzfristig rund 25 Mio. Euro benötigt, sagte Mitinhaber Beat Grüring der TextilWirtschaft.

„Wir haben durch den Shutdown viel höhere Bestände als sonst und müssen mit dem Geld unser Lager finanzieren“, erklärt Grüring. Das Problem: Die Banken sperren sich, weil ihnen das Risiko zu hoch ist. Auch in Deutschland, wo es um 9 Mio. Euro geht. „Ausgerechnet dort, wo wir die meisten Mitarbeiter haben und die Politiker am lautesten reden.“

Grüring beklagt eine zu geringe Wertschätzung der Modebranche und des innerstädtischen Handels. Lieber gebe man Milliarden an andere Großindustrien. „Wenn wir die Kredite nicht schnellstmöglich bekommen, wird es sehr eng."

Die Corona-Krise hat Tally Weijl in einer Phase der Transformation und Neuorientierung getroffen. 2018 wurde beschlossen, das Unternehmen neu aufzustellen. Ein Beratungsunternehmen sprach die Empfehlung aus, die Zielgruppe zu erweitern und neben Teenies auch etwas ältere Kundinnen anzusprechen.


Doch die ab 2019 eingeleitete Umsetzung lief hakelig: „Die ersten Kollektionen waren nicht rund, in der Folge ist durch massive Rabatte das Ergebnis eingebrochen“, sagt Grüring. Doch dann habe man reagiert und sei ab dem vierten Quartal 2019 wieder auf Vorjahresniveau gewesen. „Unsere Corner im Multilabel-Handel lagen bis zum Ausbruch der Krise im Katag-Ranking zum Beispiel in der Spitzengruppe.“

Laut Grüring haben er sowie die Mitgründerin und Namensgeberin Tally Elfassi-Weijl im vergangenen Jahr 15 Mio. Euro in die Transformation des Unternehmens investiert. Darüber hinaus habe man sich vor der Krise mitten im Prozess einer Kapitalerhöhung befunden, die den Einstieg weiterer Investoren beinhaltet hätte. Aktuell sei - neben den beiden jeweils gleichberechtigten Gründern - noch der Hamburger Textilunternehmer Hans-Rainer Rehfeld (Dr. Rehfeld Fashion Group) mit 14% beteiligt.

April-Umsätze sinken zweistellig

Eine zunehmende Entspannung der Situation ist für Tally Weijl im operativen Geschäft vorerst nicht zu erwarten. Lediglich in Deutschland und Österreich seien die Läden teilweise wieder offen. Immerhin, die erste Woche sei „nicht schlecht verlaufen. Der direkte Vergleich ist zwar schwierig, weil wir im Vorjahr eine sehr starke Osterwoche hatten. Aber im Vergleich zu einer normalen April-Woche lagen die Umsätze mit 10 bis 15% im Minus.“

Es seien aber immer noch neun von zehn Läden geschlossen. Besonders schmerzhaft ist die Entwicklung in Italien, eigentlich stärkster Einzelmarkt von Tally Weijl. „Schon ab dem 10. Februar gab es dort deutliche Frequenz- und Umsatzrückgänge“, berichtet Grüring.

Tally Weijl wurde 1984 in Basel gegründet. Das Unternehmen betreibt 800 Läden. Davon 135 in Deutschland. Rund die Hälfte aller Stores führt der Modefilialist in Eigenregie. Außerdem gibt es 350 Flächen im Multilabel-Handel.

Der Online-Shop hat einen Anteil von unter 10% am Gesamtumsatz. Insgesamt werden 2700 Mitarbeiter beschäftigt, davon 250 am Hauptsitz in Basel und 1000 in Deutschland. 2019 hat Tally Weijl laut Grüring 350 Mio. Euro erlöst.
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