Flächenkooperation mit Peeces

So lief das Vintage Pop-up bei Henschel

Henschel
Christian Schreiber
Christian Schreiber

Einen Monat lang hatte Henschel in Heidelberg das Secondhand-Start-up Peeces auf der Fläche zu Gast. Für beide Parteien eine Premiere. Und auch ein Erfolg? Geschäftsleiter Christian Schreiber berichtet, wie es gelaufen ist.

TextilWirtschaft: Herr Schreiber, Peeces für vier Wochen bei Ihnen auf der Fläche - wie lief's?
Christian Schreiber: Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir hatten keine richtige Vorstellung davon, wie erfolgreich diese Aktion sein wird. Am Ende hat die 30m²-Fläche einen fünfstelligen Umsatz generiert. Im zweiten Stock ist das ein Wert, den manch eine Marke nicht immer schafft.


Wie haben Sie die Aktion beworben?
Das lief im Grunde ausschließlich über Social Media, hier insbesondere Instagram und den Peeces-Account. Außerdem haben wir in unseren Fenstern darauf hingewiesen. Beeindruckend war, welchen direkten Effekt die Posts hatten. Einmal in der Woche gab es ein Re-Stock, um den Spannungsbogen über die gesamte Dauer hochzuhalten. Und direkt, wenn Leon und Moritz (Leon Jungfleisch und Moritz Gropp, die Peeces-Gründer, Anm. d. Red.) dazu etwas gepostet hatten, hat sich das in der Frequenz gezeigt. Ein Höhepunkt war, als Moritz und Leon genau in der Monatsmitte selbst zu Besuch und auf der Fläche waren. Da hatten wir schon vor zehn Uhr eine Schlange vor dem Haus. Eine Kundin ist sogar zweieinhalb Stunden angereist, um die beiden zu treffen. Das war dann auch wirklich ein starker Samstag.


Was hat Sie sonst noch überrascht?
Die Fläche war im Menswear-Umfeld, zwischen Contemporary mit Marken wie Drykorn und Les Deux auf der einen Seite und Namen wir Brax und Mac auf der anderen. Wir hatten aber etwa 50/50 männliche und weibliche Kunden auf der Peeces-Fläche. Viele Sweater oder T-Shirts wurden von Mädchen oversized gekauft, in der Womenswear-Abteilung haben sie dann noch die neue 501 dazugenommen.


Wie war die Frequenz auf der Fläche?
Sehr gut. Es waren eigentlich durchgängig 10% unserer Besucher im Haus, die für die Peeces-Fläche gekommen waren, meist hatten wir über 100 Personen pro Tag auf der Fläche. Die Kunden kamen eigentlich auch nie allein, sondern immer in kleinen Gruppen, haben sich viel auf der Fläche fotografiert − auch, weil wir mit einem Sneaker-Gewinnspiel dazu animiert haben.

Henschel und Peeces feierten im Heidelberger Café Leitstelle die Abschluss-Party der Kooperation.
Henschel
Henschel und Peeces feierten im Heidelberger Café Leitstelle die Abschluss-Party der Kooperation.

Wie würden Sie die Kunden beschreiben?
Das waren wirklich viele sehr modische Kunden, die teilweise zum Balenciaga-Sweat ein Vintage-Teil gekauft haben, Baseball-Styles von Starter liefen zum Beispiel sehr gut. 95% der Umsätze wurden über Neukunden erzielt, mit denen wir jetzt natürlich weiterhin in Kontakt bleiben wollen. Über ein Gewinnspiel wissen wir, wer sie sind, außerdem wurden auch Kundenkarten abgeschlossen.


Wie war der Preisrahmen für die meisten Produkte?
T-Shirts haben um die 40 Euro gekostet, Jacken um die 80 Euro. Viele haben gezielt Sachen herausgepickt − oft auch genau die etwas auffälligeren, die wir im Fenster dekoriert hatten. Da mussten wir dann mitunter mehrmals am Tag umdekorieren, weil die Sachen verkauft wurden.


Wie geht es jetzt weiter mit Peeces und Henschel?
Wir können uns gut vorstellen, das Konzept auch an anderen Standorten zu spielen. Und wir stellen uns natürlich auch die Frage, ob so eine Fläche auch längerfristig Teil eines Sortiments sein kann. Ich denke auch, dass das Konzept erdgeschossfähig ist und da vielleicht sogar noch stärker laufen könnte.


Haben Sie weitere Aktionen geplant oder im Sinn, die vielversprechend sein könnten?
Am kommenden Wochenende haben wir hier in Heidelberg Ferrari zu Gast. Der neue Ferrari Roma wird vorgestellt, mit sehr aufwendigem Aufbau, der ab Donnerstag im Erdgeschoss startet. Abends gibt es dann auch ein Private Shopping, hierzu laden wir ein und Ferrari. Damit sprechen wir dann ganz gezielt die Premium-Kunden an. Für die Zukunft könnte ich mir gut den Bereich gebrauchte Luxusuhren vorstellen. Aber auch Food finde ich sehr spannend, etwa ein Konzept aus der Region wie die Brotpuristen, die das Konzept Bäckerei völlig neu Denken. Das kann ich mir auch bei uns im Haus sehr gut vorstellen.
Und Peeces?
"Für uns war das gesamte Projekt auch ein voller Erfolg und wir sind sehr froh, die Möglichkeit bekommen zu haben", sagt Peece-Mitgründer Moritz Gropp. Für ihn steht fest, dass es Peeces künftig noch viel häufiger stationär geben sollte. "Für uns war das Ganze ehrlich gesagt nur der Startschuss. Unser Ziel ist es, in möglichst viele Kaufhäuser in Deutschland zu kommen." Mit einigen Retailern stehe man bereits in Kontakt für kommende Flächenkooperationen.
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