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CEO Michael Kliger hat eine strenge Tür kultiviert. Bei Mytheresa gibt es nicht alles, vieles aber nur dort. Das zieht treue Kunden an – und hungrige Investoren.

Mytheresa

Wenn Michael Kliger im Ausland unterwegs ist, freut er sich immer auf den Moment, wenn die Frage im Raum steht, woher Online-Überflieger Mytheresa eigentlich kommt. „Wir Deutschen können nicht nur Autos“, sagt er dann. Das Unternehmen, dessen CEO er seit 2015 ist, mit Firmensitz in Aschheim, unweit von München, kann Mode, kann Online-Retail, kann exzellenten Kundenservice. Aus dem 1987 von Susanne und Christoph Botschen gegründeten Store im Herzen Münchens ist – nach diversen Inhaberrochaden – einer der großen Player im globalen Ringen um die modebegeisterte Internet-Community geworden. Fast 700.000 Kunden fühlen sich aktuell zu Mytheresa hingezogen.

Gelungener Einstand an der Börse für Mytheresa. Der Luxusmode-Online-Händlers war am ersten Handelstag kurzzeitig 3 Mrd. Dollar wert.
Gelungener Einstand an der Börse für Mytheresa. Der Luxusmode-Online-Händlers war am ersten Handelstag kurzzeitig 3 Mrd. Dollar wert.
Foto: Colin Ziemer


Seit Januar ist Mytheresa an der Börse. Das hat die Dynamik im Unternehmen stark verändert. Mehr Augen, die auf die Kennziffern schauen. Mehr Druck, immer schneller wachsen zu müssen. Die jüngsten Zahlen, Mitte September vorgelegt, überzeugen – Mytheresa hat im Geschäftsjahr 2020/21 (30. Juni) den Umsatz um 36% auf 612 Mio. Euro gesteigert und einen bereinigten Nettogewinn in Höhe von 32 Mio. Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen gehört zu den ganz wenigen Online-Firmen, die über 30% wachsen und profitabel sind.



Zur Wachstumsstory von Kliger gehört neuerdings ein Plattform-Modell. Weniger Warenrisiko, mehr Umsatz. Viele sind der Verlockung bereits gefolgt, sich als Matchmaker zu positionieren. Gerade im Luxusmarkt ziehen Brands im Internet die Kontrolle an sich und drängen verstärkt auf E-Concessions. Alles logisch, also Win-win. Oder etwa nicht?

Der USP von Mytheresa ist strenge Kuration. Inspiration durch Highlights. Im Geschäftsjahr 2020 lancierte der Luxushändler mehr als 35 exklusive Kapseln, darunter mit Brunello Cucinelli, Christian Louboutin, Moncler, Prada, Stella McCartney, The Row und Valentino. Von den 7000 Artikeln der 30 Top-Brands sind weniger als 20% in anderen Online-Shops erhältlich gewesen.



Diese Einzigartigkeit kann und will Mytheresa nicht aufs Spiel setzen. Und so baut das Unternehmen eine ganz eigene Plattform, eine kuratierte Plattform: Mytheresa bestimmt weiterhin die Auswahl der Artikel und verschickt selbst. Keine Angst, von den Big Brands aussortiert zu werden? „Wir haben inzwischen eine der besten Kundenbasen der Welt, eine hohe Kundenloyalität. Unser durchschnittlicher Warenkorb ist der höchste in der Industrie. Das ist schon ein Pfund“, so Kliger. „Das Logo einer Marke auf der Seite zu haben, interessiert so etwas von gar nicht. Unsere Kunden erwarten von uns Kuration und exzellenten Service. Das geht mit Dropshipping nicht.“

Seit 2015 CEO von Mytheresa: Michael Kliger
Seit 2015 CEO von Mytheresa: Michael Kliger
Foto: Mytheresa
Ich bin patriotisch. Ich finde toll, dass wir in Deutschland Zalando und About You haben. Wenn ich in Mailand bin, sage ich gerne: ‚Wir Deutschen können nicht nur Autos.‘
Mytheresa-CEO Michael Kliger


Das gefällt der Jury: „Während potente Wettbewerber mit breitem Angebot werben, setzt Mytheresa konsequent – auch im neuen Marktplatzformat – auf smarte Selektion, wohl durchdachte Auswahl, Service und persönliche Ansprache.“
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