Fussl-Chef Ernst Mayr erwartet herbe Einschnitte für die Branche - und bleibt trotzdem optimistisch

„Die Krise ist auch eine Chance“

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Ernst Mayr rechnet damit, dass die Läden im Mai wieder geöffnet werden können.
Ernst Mayr rechnet damit, dass die Läden im Mai wieder geöffnet werden können.

„Mode wird erst nach der Krise wieder interessant“, sagt Ernst Mayr. Der Geschäftsführende Gesellschafter von Fussl Modestraße schätzt, dass 30% der Modehändler in Österreich nicht überleben – trotz der angebotenen Kredite. Trotz aller Schwierigkeiten lässt er sich den Optimismus nicht nehmen – und schmiedet Expansionpläne.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt ist es, an dem die Corona-Krise den Modeeinzelhandel trifft, sagt Ernst Mayr, Geschäftsführender Gesellschafter der österreichischen Bekleidungskette Fussl Modestraße Mayr GmbH. Die Frühjahr/Sommer-Ware sei zum größten Teil ausgeliefert und bezahlt. Die Modebranche habe jetzt – zwischen Mitte März und Mitte Mai – normalerweise die umsatz- und renditestärksten Wochen im ersten Halbjahr. Die Pandemie treffe den österreichischen Modehandel schätzungsweise so stark, dass rund 30% der Unternehmen nicht überleben würden – trotz der angebotenen Kredite, hatte Mayr zuvor bereits in einem Gespräch mit der österreichischen Presseagentur APA erklärt.

Fussl-Filiale in Ried im Innkreis (Österreich)
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Fussl-Filiale in Ried im Innkreis (Österreich)
Auch Fussl selbst will in dieser schweren Phase Hilfe in Anspruch nehmen. „Wir hatten in der letzten Zeit keine Kredite und daher auch keine Kreditlinien. Jetzt werden wir sie in Österreich und in Deutschland in Anspruch nehmen“, so Mayr. Das Unternehmen betreibt 150 Filialen in Österreich und knapp 30 in Deutschland (Bayern und Baden Württemberg) betreibt.

Niemand wurde entlassen

Fussl hat auch Kurzarbeit beantragt. Derzeit befindet sich bereits die Hälfte der rund 1200 Mitarbeiter in Kurzarbeit, die andere Hälfte im Urlaub. In Deutschland seien fast 100% in Kurzarbeit. „Aber wir haben niemandem gekündigt, das war für uns immer klar. Die Mitarbeiter sind das Rückgrat der Fussl-Familie“, sagt Mayr.
„Mode wird erst nach der Krise wieder interessant – wer zieht sich schon zu Hause so schön an.“
Ernst Mayr, Geschäftsführender Gesellschafter von Fussl Modestraße
Im E-Commerce sieht der Geschäftsführer keine hinreichende Alternative, die schwere Zeit zu überbrücken. Im Moment interessierten sich die Konsumenten ohnehin nicht für Bekleidung. „Mode wird erst nach der Krise wieder interessant – wer zieht sich schon zu Hause so schön an“, fragt Mayr. Das Unternehmen betreibt selbst keinen Online-Shop.

"Wer finanziert das Hilfspaket?"

Sinnvoll und notwendig seien staatliche Direkthilfen. Fussl werde aber auch ohne derartige Kompensation überleben. 2019 sei für das Unternehmen ein Rekordjahr gewesen – mit einem Umsatz allein in Österreich von 143 Mio. Euro und 19 Mio. brutto in Deutschland sowie Gewinnen in beiden Ländern. Für 2020 rechnet er aber mit deutlichen Rückgängen.

Derzeit seien die Ankündigungen in der Politik zwar groß, im Detail lasse die Umsetzung aber noch auf sich warten. So seien zum Beispiel Kredite derzeit noch nicht verfügbar. Zudem hält es Mayr, gerade jetzt in der Krise, für notwendig, „dass die EU Steuerschlupflöcher schließt“. „Es müssen ja auch Unternehmen überleben, die in Österreich und Deutschland Steuern zahlen. Wer finanziert das Hilfspaket? Mitarbeiter und Unternehmen, Steuerzahler aus Österreich und Deutschland. Was werden Amazon, Google, Facebook usw. beitragen?“, fragt Mayr.


Aber auch Vermieter seien in der Pflicht. Auf die Miete für geschlossene Läden solle verzichtet werden. „Jeder Vermieter muss einen Betrag leisten. Es kann nicht sein, dass der Modehandel ums Überleben kämpft und die Vermieter nichts zur Verbesserung der Situation beitragen“, erklärt er. Keiner dürfe sich wegducken. Schließlich gebe es auch eine Zeit nach Corona. Fussl habe aber bereits einige „sehr faire Lösungen“ mit Vermietern gefunden.

Trotz allem optimistisch

Bei allen Problemen, die derzeit auf dem Modehandel lasten, bewahrt sich Mayr seinen Optimismus:
„Jetzt durchschiffen wir die Krise und dann werden wir noch stärker sein. Wir schließen auch schon neue Verträge für neue Standorte ab.“
Ende des Jahres will Fussl in Deutschland ein Netz von 35 Filialen haben. 2021 soll weiter expandiert werden. "Die Krise ist auch eine Chance", so Mayr.

Er rechnet damit, dass die Läden im Mai wieder eröffnet werden können und alle Fussl-Geschäfte überleben. „Mit Masken und Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter. Wir beschaffen gerade Masken für Mitarbeiter und Kunden, installieren Plexiglasschutz an den Kassen und versuchen, Desinfektionsmittel zu kaufen.“
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