Gemeinsame Empfehlungen von BTE, BDSE und BLE

Verbände plädieren für differenzierte Exit-Strategie

Die Handelsverbände der Textil-, Schuh- und Lederwarenbranche, BTE, BDSE und BLE haben einen Fahrplan für die Zeit nach dem Shutdown erarbeitet.  Sie empfehlen, die Verkaufssaison zu strecken, Marketingmaßnahmen zeitlich anzupassen und den Rotstift nur sehr gezielt und differenziert einzusetzen. Um topaktuelle Ware zur Wiedereröffnung präsentieren zu können, brauche jeder Händler individuelle Leitlinien für jeden Lieferanten und jedes Geschäftsmodell.


Der aktuelle Shutdown im stationären Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel darf nach Ansicht der Verbände frühestens Ende April gelockert werden, möglicherweise aber auch erst im Laufe des Mai. Damit fehlt der gesamten Fashionbranche im stationären Business ein Verkaufszeitraum von wahrscheinlich sechs bis acht Wochen.

Frühjahr/Sommer-Saison verschieben

In der Textil- und Modebranche kursierten seit etwa zwei Wochen unterschiedliche Vorschläge, die Frühjahr/Sommer-Saison um rund sechs Wochen nach hinten zu verschieben. Dazu müssten beispielsweise die Lieferungen von Herbstware später erfolgen, so dass mehr Zeit für den Verkauf von Sommerware im Einzelhandel bestehe, erklärten die Verbände.
Tipps der Verbände für Re-Start
  • Die Verkaufssaison Frühjahr/Sommer strecken und verlängern. Dazu gehört auch, Wareneingangstermine für Herbst/Winter in Abstimmung mit den Lieferanten nach hinten zu schieben.
  • Die bisher bereits geplanten Marketingmaßnahmen für Herbst/Winter zeitlich angepassen.
  • Den Rotstift für aktuelle Ware nur sehr gezielt und differenziert einsetzen. Wer heute Gutscheine für den Einkauf nach Wiedereröffnung verkauft, hat für spätere Kundenfrequenz gesorgt und vermutlich weniger Druck, dann größere Rabatte gewähren zu müssen.
  • Insbesondere bei Verträgen mit Rücksendeoptionen genau prüfen, welche Ware aktuell noch verkäuflich ist und welche nicht. Nur unkurante Ware rechtzeitig retournieren, hochaktuelle Ware schnell in den Verkauf nehmen. In jedem Fall mit den Lieferanten über "Warenspülungen" sprechen.
  • Wenig modische Artikel einlagern und zu einem späteren Zeitpunkt, vielleicht erst 2021 wieder in den Verkauf geben. Dies muss im Bereich der Damenmode sicher vorsichtiger erfolgen als bei Herrenbekleidung.

Keine Wiedereinführung des Schlussverkaufs

Die in diesem Zusammenhang oftmals geforderte, befristete Wiedereinführung eines gesetzlich vorgegebenen späten Schlussverkaufs ist nach Überzeugung der Handelsverbände allerdings politisch nicht durchsetzbar. Auch Appelle an die Branche, sich mit Preisaktionen zurückzuhalten, dürften die Solidarität unter den Handelsunternehmen und den direkt verkaufenden Markenlieferanten überstrapazieren, zumal sich etliche Unternehmen nach dem Ende des Shutdowns erst einmal Liquidität verschaffen wollten oder müssten.

Differenziertes Vorgehen empfohlen

In einem gemeinsamen Schreiben appellieren die Verbände, dass jeder Händler "mit Bedacht die Prioritäten zwischen Liquidität und Rentabilität abwägen" solle. "Viele Marktteilnehmer kommen bei ihren Überlegungen zur Exit-Strategie aktuell zu der Erkenntnis, dass ein differenziertes Vorgehen zielführend ist. Detailentscheidungen müssen auch davon abhängig gemacht werden, zu welchem Zeitpunkt die Geschäfte wieder öffnen dürfen", heißt es in dem Schreiben.

Der Schlüssel für ein vernünftiges saisonales Prozedere liegt nach Verbandsansicht auch bei den Lieferanten und deren Unterstützung ihrer Handelspartner. Allerdings sind die Geschäftsmodelle und Lieferrhythmen der Markenanbieter sehr unterschiedlich und bedürften deshalb einer differenzierten Betrachtung.

Problem der frühen Liefertermine

Das größte Problem sieht die Unternehmensberatung Hachmeister + Partner in der saisonal nicht mehr aktuellen und damit kaum mehr verkäuflichen Ware aus den frühen Lieferterminen. Diese Ware solle ausgetauscht werden gegen aktuelle Ware oder adäquat vermarktet werden.

Zur Wiedereröffnung benötige der Handel top-aktuelle Ware, die konkurrenzfähig sei mit den Angeboten der Onliner und vertikalen Filialisten. Jeder Händler brauche dazu individuelle Leitlinien pro Lieferant und Geschäftsmodell, die allerdings von den Modehäusern, Schuhgeschäften und Lederwarenhändlern selbst erarbeitet und umgesetzt werden müssten.

Kernfrage der Schadensbegrenzung

Bei diesen Lieferantengesprächen müsse die Kernfrage geklärt werden, wie der behördlich verursachte Schaden partnerschaftlich in Grenzen gehalten werden könne. "Die Markenhersteller werden nur überleben, wenn auch die vielen kleinen und mittelgroßen Einzelhandelsunternehmen überleben. Aber auch der inhabergeführte Handel benötigt umgekehrt ein vielfältiges und leistungsfähiges Markenangebot, um sich im Wettbewerb – insbesondere auch gegenüber den vertikalen Ketten – weiterhin profilieren und behaupten zu können", appellieren die drei Verbände.

Der BTE-Partner Hachmeister + Partner arbeite derzeit in Abstimmung mit Verbänden, Modehäusern und Lieferanten Leitlinien und Impulse für eine partnerschaftliche Lösung, die klären solle, wie mit den für Handel und Industrie existenzbedrohenden Herausforderungen umgegangen werden könne.

Ausreichend KfW-Kredite beantragen

Außerdem empfehlen die Verbände dem Fashionhandel ausreichend KfW-Kredite zu beantragen, damit der Liquiditätsdruck und damit der Zwang zu unnötigen Preisaktionen in der verbleibenden Sommersaison abgefedert werden könne. Da die Darlehen unter bestimmten Voraussetzungen zu 100% staatlich abgesichert würden, entfalle die übliche kritische Risikoprüfung durch die Hausbanken, die sich bislang als Nadelöhr für rasche Zusagen von Notkrediten in der Corona-Krise erwiesen hätten.

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