Gemeinsamer Online-Verkauf

Plattform Power: Wo Händler sich jetzt zusammentun

Händler müssen Wege finden, trotz Corona auf sich aufmerksam zu machen und Umsätze zu erzielen. Und das machen sie zunehmend zusammen mit anderen Händlern. So formieren sich lokale Plattformen und gemeinsame Lieferdienste. Derweil lockern Marktplätze das Onboarding, und Konkurrenten bauen gemeinsame Online-Shops auf. Bei vielen Projekten geht es vorrangig um Visibilität und Liquiditätshilfen. Die Initiativen im Überblick.

Die aktuell wohl aktivste Initiative ist Händler-helfen-Händlern. Verschiedene Unternehmer rund um Marcus Diekmann von Rose Bikes (hier im TW-Interview) haben zunächst eine LinkedIn-Gruppe gegründet, die als Wissensplattform zum Austausch über Hilfsprogramme und -fonds dienen sollte. Mittlerweile fokussiert sich die Initiative darauf, stationäre Händler möglichst schnell ins Netz zu bringen. Langfristig sollen gemeinsam neue Businessmodelle aufgebaut werden.

Auch große soziale Plattformen bieten sich als Vermittler und Berater für das E-Commerce-Business an. Facebook beispielsweise hat die Gruppe „Gemeinsam stark. Gemeinsam digital.“ gegründet, um kleine Unternehmen in der Corona-Krise beim E-Commerce zu unterstützen.

Der Online-Marktplatz für faire Kleidung und nachhaltige Produkte Avocadostore lädt nachhaltige Stores ein, die keinen Onlineshop haben, Ware über seine Plattform zu verkaufen – die Anmeldegebühr entfällt. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten", posten die Macher auf Instagram zusammen mit dem Aufruf, der fast 3000 mal geliked wird.

Avocadostore



Influenced by − ein Online-Shop für Second Hand-Kleidung von Influencern − hat in der Krise umdisponiert und bietet nun stationären Händlern ohne Onlineshop an, Produkte im Webshop mitzuverkaufen. „Wir haben uns überlegt, wie wir in dieser schwierigen Corona-Krise dem stationären Modehandel schnell unter die Arme greifen können. Wir brauchen lediglich Produktinformationen und Bilder, die wir dann in unseren Shop einpflegen und in unsere Marketing-Kommunikation aufnehmen", sagt Isabell Nethke, Co-Gründerin und Geschäftsführerin.

Influenced by



Hilfe für Händler kommt auch von Ebay. Vor wenigen Tagen startete der Onlinemarktplatz ein Soforthilfeprogramm zur Unterstützung kleiner Unternehmen und lokaler Einzelhändler in Deutschland. Wer einen stationären Laden betreibt und nun über Ebay verkaufen möchte, bekommt ein halbes Jahr lang einen Gratis-Premiumshop (kostet sonst rund 300 Euro pro Monat) und muss drei Monate lang keine Verkaufsprovision zahlen.


Eine Vielzahl von lokalen Initiativen wurden in den vergangenen Tagen lanciert. Eine davon: Helfen.berlin. Die Idee: Liquidität jetzt. Kunden zahlen heute, konsumieren nach der Krise. Restaurants, Friseure, Fashion Stores oder auch Clubs erhalten ein eigenes Profil auf der Plattform. Darüber können Interessenten Gutscheine im Wert von zehn bis 100 Euro erwerben und einlösen, wenn der Shutdown aufgehoben wird. Die Abwicklung der Gutscheinverkäufe erfolgt über das Startup Atento. Bisher seien 950 Lokalitäten auf der Plattform registriert und Gutscheine im Wert von 85.000 Euro verkauft worden.

Um Sichtbarkeit geht es bei Supportyourlocaleinzelhandel. Hier können Restaurant und Shops (zunächst im Rhein-Main-Gebiet) kommunizieren, ob sie Gutscheine oder Lieferdienste anbieten. Kostenfrei. „So machen wir uns gemeinsam die schlechte Zeit zusammen ein bisschen besser", schreiben die Macher auf ihrer Website.

Bereits international arbeitet die Plattform Please don’t close. Sie unterstützt Händler und Gastronomen in Städten weltweit, darunter Berlin, London, Mailand und New York. Betroffene Cafés oder Geschäfte geben an, wie sie am besten unterstützt werden können. So können Kunden virtuelles Trinkgeld geben oder Gutscheinde erwerben.

Wirvonhier ist ein Projekt, dass aus dem Corona-Hackathons der Bundesregierung hervorgegangen ist. Die Idee: Über eine App können User durchs Sortiment lokaler Händler stöbern. Interessiert man sich für ein Produkt, kann man mit dem Laden in Verbindung treten und individuell vereinbaren, wie man an die Waren gelangt. 24 Entwickler, Designer und Marketing-Manager arbeiten zurzeit an der Realisation der Anwendung.

Für bereits onlinefähige Händler ist der erleichterte Zugang zu reichweitenstarken Plattformen relevant.

Wer jetzt bei dem japanischen Marktplatzbetreiber Rakuten über die Plattform verkauft, dem werden ein Jahr die Grund- und Einrichtungsgebühr erlassen. Zudem berät das Unternehmen Händler beim Online-Einstieg.

Douglas bietet Händler und Markenshops an, ihre Produkte schneller und unkompliziert auf den Marktplatz zu bringen, „und so Umsatzeinbußen durch die verordneten Filialschließungen zu kompensieren", heißt es aus dem Unternehmen.

Locamo, Anbieter von regionalen Online-Marktplätzen, erlässt Unternehmen in der Coronakrise bis 30.06.2020 die Grundgebühr für einen Start auf dem Marktplatz. Außerdem gilt ein Sonderkündigungsrecht bis 15.06.2020.
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