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Gerhard Albrecht, Unitex

„Jede einzelne Kostenposition durchgehen“

Gerhard Albrecht, Geschäftsführer Unitex
Gerhard Albrecht, Geschäftsführer Unitex

Unitex-Geschäftsführer Gerhard Albrecht über die Zuspitzung in den vergangenen Tagen, seine Forderungen nach einem Lieferstopp und die anstehenden Verwerfungen auf dem Modemarkt.

TextilWirtschaft: Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?
Gerhard Albrecht: Noch nie dagewesen, herausfordernd, es wollte sie keiner. Jetzt haben wir sie und jetzt müssen wir das Beste daraus machen. Wir haben seit vergangener Woche die Situation sehr eng begleitet und unsere Mitglieder kontinuierlich über Neuerungen informiert. Als Montagabend klar war, dass der Schließungserlass kommt, haben wir am Dienstag ein Schreiben an die Lieferanten herausgegeben, in dem wir um eine Aussetzung der Lieferungen und Rechnungen bitten.


Wie war die Reaktion der Lieferanten darauf?
Aktuell haben wir nahezu 100 einzelne Rückmeldungen der Lieferanten dazu bekommen, die wir auch alle auf unserer Homepage online stellen. Die meisten haben sich sehr kooperativ verhalten. Ein Beispiel: Die Betty Barclay-Gruppe hat für alle Lieferungen im März zusätzliche Valuten verteilt und die Lieferungen auf hold gestellt. Es gibt wirklich eine große Bereitschaft, zusammenzustehen. Obwohl es auch andere Beispiele gibt, von der Bestseller-Gruppe liegt mir ein Schreiben vor, in dem es heißt, dass die Händler „ausstehende Forderungen so schnell wie möglich“ begleichen sollten. So etwas kann ich in der jetzigen Lage nicht nachvollziehen.

Wie unterstützen Sie Ihre Mitglieder derzeit?
Wir unterstützen mit Informationen, aber auch ganz konkret mit Einzelfallberatungen vor allem im Bereich Finanzen. Diesen Service bieten wir seit Freitag an und haben auch schon das ganze Wochenende durchgearbeitet, um für die Mitglieder der Unitex Wege zu finden, die Situation zu überstehen.


Welche Möglichkeiten sind das konkret?
Das sind verschiedene Themen wie Steuerstundungen und Kurzarbeit, aber auch die neuen KfW-Mittel. Die können aber wohl erst ab dem 23. März beantragt werden. Daneben haben wir das Thema Zahlungsverschiebungen innerhalb der Konditionen, etwa mit Valuten. Es geht darum, möglichst schnell Lösungen zu finden.

Wenn die Händler diese Wege gegangen sind, was können Sie dann noch tun?
Man kann immer am digitalen Marketing arbeiten, man kann immer versuchen, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Sehr gut finde ich Ansätze der Händler, jetzt den Stammkunden individuelle Auswahlpakete anzubieten. So oder so wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt – weil das im Tagesgeschehen auch oft untergeht - die eigenen Kundendaten zu analysieren. Wobei ich aber auch glaube, dass die Themen über die wir gerade gesprochen haben, nicht nach ein paar Tagen durch sind. Jetzt müssen wir noch stärker über das Thema Kostenoptimierung nachdenken. Es ist notwendig, jede Kostenposition einzeln durchzugehen und sich zu fragen, was kann ich damit tun? Das ist eine extrem gute Gelegenheit, sich jetzt damit zu beschäftigen. Kostenseitig gibt es im Mittelstand noch viel Einsparpotenzial. 


Inwieweit wird online von dem Shutdown profitieren?
Wir haben auch Händler, die hybrid unterwegs sind, und ich stelle im Moment nicht fest, dass online wesentlich gewinnt.

Wie geht die Unitex selbst mit der Corona-Pandemie um?
Als Unitex sind wir schon immer dezentral aufgestellt. Viele Kollegen arbeiten über ganz Deutschland verteilt im Homeoffice. Hier in der Zentrale nehmen wir eine Bürotrennung vor, um die Kontaktnähe zu vermeiden. Wo das nicht machbar war, haben wir eine Wechselbesetzung eingeführt.

Lassen Sie uns den Blick nach vorne werfen. Was kann die Branche nach dem Shutdown tun? Eine Verlängerung der Saison anstreben?
Man kann über vieles nachdenken, das tun wir auch. Aber dadurch, dass sich die Situation gerade sehr stark innerhalb weniger Tage immer wieder verändert, ist eine Prognose für die nächsten Monate nicht möglich. Sicher ist nur: Durch diese herausfordernde Situation wird sich eine Beschleunigung der Marktsituation ergeben – auf allen Seiten. Wir tragen mit der Gemeinschaft der Unitex sehr aktiv zur gegenseitigen Stärkung bei.

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