German Fashion: Interview mit Hauptgeschäftsführer Thomas Lange

„Industrie und Handel müssen sich unterstützen”

German Fashion
Rechtsanwalt Thomas Lange ist Hauptgeschäftsführer von German Fashion, dem Verband der deutschen Modeindustrie.
Rechtsanwalt Thomas Lange ist Hauptgeschäftsführer von German Fashion, dem Verband der deutschen Modeindustrie.

Schlagabtausch zwischen den Spitzenvertretern von Handel und Industrie. Nach dem Appell der Katag, keine Ware mehr an den stationären Handel zu senden, wehrt sich der Verband der deutschen Modeindustrie in einem offiziellen Statement gegen voreilige Forderungen nach Warenstornierungen. Auch auf Seiten der Bekleidungshersteller wächst die Unsicherheit. Ein Gespräch mit  Rechtsanwalt Thomas Lange, Hautgeschäftsführer der Verbands German Fashion, der die Interessen von 350 Unternehmen aus der Modeindustrie vertritt.


TextilWirtschaft: Herr Lange, wie geht es Ihnen und Ihren Mitgliedern?
Thomas Lange: Jeder befindet sich momentan im Krisenmodus. Eine Präsidiumssitzung, die wir eigentlich vorgesehen hatten, mussten wir aufgrund der Situation absagen. Bei uns stehen die Telefone seit Tagen nicht mehr still, die Anfragen häufen sich.

Nachdem Herr Terberger offiziell einen Lieferstopp für die Häuser der Katag gefordert hat, hat nun Ihr Verbandspräsident Gerd Oliver Seidensticker in einer Mitteilung klar gemacht, dass er andere Ansichten hat. Wie soll es weitergehen?
Jeder hat hier – in dieser Ausnahmesituation verständlich – seine Position deutlich gemacht. Aber es wird jedem klar sein, dass nur gemeinsame Lösungen uns voranbringen. Die Handelspartner aus Industrie und Handel suchen ja gerade in diesen Tagen nach Möglichkeiten, sich gegenseitig zu unterstützen. Und auch die Industrieverbände untereinander stehen gemeinsam mit dem Spitzenverband t + m im ständigen Dialog, um zusammen den Firmen zu helfen und auch ihre Interessen in Berlin und Brüssel zu wahren. Diesen Dialog wird es auch zwischen den Industrie- und Handelsverbänden geben müssen.



Gibt es etwas, was die Lieferanten derzeit besonders bedauern?
Ich glaube, viele Unternehmen hatten einen hohen Aufwand, ihre Ware aus Asien hierher zu transportieren, eine Region, in der ja schon seit Anfang des Jahres die Menschen und Unternehmen von den Folgen des Corona-Virus betroffen sind. Das war nicht einfach. Und nun ist die Ware hier, aber sie kann nicht wie üblich verkauft werden. Damit hätten wir nie gerechnet.  

Was bewegt die Bekleidungshersteller derzeit aus Ihrer Sicht am meisten?
Zum einen geht es um Liquidität, denn neben den laufenden Geschäften wird längst die Herbst- und Winterware produziert. Man hat Verpflichtungen in der Materialbeschaffung und zu seinen Stofflieferanten. Doch am häufigsten erreicht uns die Frage: Darf der Händler jetzt einfach einen Auftrag stornieren? Das ist natürlich nicht einseitig so einfach nicht möglich. Viele Mitglieder fragen nach Rechtssicherheit, aber auch nach konkreten Informationen, wo und wie sie schnellstmöglich Hilfe bekommen – vom Kurzarbeitergeld bis hin zu finanzieller Unterstützung, was in jedem Bundesland jedoch anders geregelt ist. Auch die Frage, was mache ich mit meinem Vertrieb und den Handelsvertretern, die ihre Provision einfordern, wird häufig gestellt. Hinzu kommt: Was tun, wenn eine bundesweite Ausgangssperre kommt.



Was können Sie jetzt tun?
Neben der täglichen Korrespondenz und Beratung verschicken wir schon seit mehreren Tagen einen Corona-Newsletter mit Infos, Musterschreiben und Hilfestellungen rund um das Krisen-Thema.

Welche Unternehmen tragen aus Ihrer Sicht gerade ein besonderes Risiko?
Das lässt sich pauschal nicht so einfach sagen. Kleine Firmen haben es derzeit natürlich generell viel schwerer. Im Verhältnis zum Kunden hängt die Betroffenheit wiederum von den konkreten Vertragsgestaltungen ab. Bei den normalen Kaufverträgen trägt der Handel das Absatzrisiko. Bei anderen Vertragsgestaltungen, wie zum Beispiel bei Depot- und Kommissionsgeschäften, trägt auch die Industrie dieses Risiko mit.

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